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Berliner Fintech Solarisbank prüft Börsengang via Spac

Solveig Rathenow
·Lesedauer: 4 Min.
Roland Folz kam ursprünglich von der Deutschen Bank, bevor er CEO der Solarisbank wurde.
Roland Folz kam ursprünglich von der Deutschen Bank, bevor er CEO der Solarisbank wurde.

Nachdem der Spac-Hype in diesem Jahr auch Europa erreicht hat, mehren sich die Spekulationen über mögliche Übernahmeziele. Dabei fiel zuletzt auch häufiger der Name Solarisbank. Nach Informationen von Gründerszene, Business Insider, Finance Forward und Finanz-Szene.de prüft das Berliner Unternehmen aktuell einen solchen Spac-Börsengang. Auf Anfrage äußerte sich die Solarisbank nun erstmals zu diesen Gerüchten – und zwar verheißungsvoll.

Das Unternehmen konzentriere sich weiterhin auf das Wachstum mit seinen Partnern sowie die internationale Expansion, so ein Sprecher. Aber: „Dass unser Geschäftsmodell am Markt überzeugt und Investoren großes Interesse zeigen, freut uns sehr. Wir halten uns alle Optionen offen und können laufende Gespräche nicht kommentieren.“ Im Klartext: Auszuschließen ist der Börsengang via Spac nicht – sondern durch den Hinweis auf die laufenden Gespräche scheint er zumindest eine valide Option zu sein. Bei sogenannten Special Purpose Acquisition Companies (Spacs) handelt es sich um börsennotierte Firmenhüllen, die Tech-Unternehmen durch einen Zukauf an die Börse bringen wollen.

Laut Informationen von Finance Forward und Finanz-Szene sucht die Solarisbank derzeit bereits nach einer Investmentbank, die den Spac-Prozess begleitet. Der mögliche Zeitpunkt für einen Verkauf an einen Spac soll demnach erst Ende des Jahres sein. Ausschlaggebend für den Deal sei schlussendlich die Unternehmensbewertung: Die Solarisbank strebt im Prozess eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro an, heißt es von Insidern.

Die 2016 gegründete Solarisbank betreibt eine Banking-Plattform: Viele Fintechs kommen für ihre Apps und Online-Dienste nicht ohne Bankpartner aus. Das Berliner Unternehmen verfügt über eine Vollbanklizenz der Bafin, über diese kann sie durch Kooperation zur Bank im Hintergrund vieler Fintechs ohne Lizenz werden und deren Bankgeschäfte abwickeln. Nach eigenen Angaben sind derzeit über 80 Partnerfirmen an der Solarisbank angedockt, darunter etwa der russisch-stämmige N26-Konkurrent Vivid oder die nachhaltige Smartphone-Bank Tomorrow aus Hamburg.

Über einen Börsengang wurde schon vor zwei Jahren spekuliert

Dass es Solarisbank-CEO Roland Folz an die Börse zieht, hat er schon in einem früheren Interview mit dem Handelsblatt durchblicken lassen – damals hatte der Ex-Deutsche Banker gesagt, man peile bis Ende 2019 den Break Even an, danach sei auch ein Börsengang denkbar. Allerdings, so heißt es aus unternehmensnahen Kreisen, war bisher immer ein klassischer IPO das Ziel, dieser sei intern vorangetrieben worden. Die Gerüchte um einen Börsengang via Spac könnten demnach auch von den Investoren befeuert werden, die aktiv nach Firmen für ihre Börsenmäntel suchen.

Es könnte aber noch einen anderen Hinweis darauf geben, dass ein Börsengang per Spac greifbar ist: Der Vertrag von CEO Roland Folz läuft noch rund zwei Jahre. Es wäre sein Meisterstück, noch während seiner Amtszeit die Solarisbank an die Börse zu bringen. Folz selbst wäre dann 60 Jahre alt – ein eher ungewöhnliches Alter für einen Fintech-CEO.

Spacs stoßen bei den meisten Unternehmen nicht auf Gegenliebe

Hierzulande boomen Spacs bislang vor allem auf Sponsorenseite: Rund ein Dutzend Spacs gibt es mittlerweile, die von Deutschen gestartet werden oder wurden. Auf der Seite der Unternehmen, die potenziell durch einen Spac übernommen werden könnten, ist die Reaktion zögerlicher. Das in der Öffentlichkeit viel diskutierte Flugtaxi-Startup Lilium war eines der ersten, das nicht nur sein Interesse an einem solchen Börsengang bekundet, sondern auch umgesetzt hatte. Andere mögliche Kandidaten wie etwa die Neobank N26 oder der Robo-Advisor Scalable Capital haben sich hingegen bereits öffentlich gegen einen Spac-Börsengang ausgesprochen.

Insofern ergibt es zumindest aus Sponsorensicht Sinn, die Berliner Solarisbank ins Auge zu fassen, die nach der letzten Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr mit rund 320 Millionen Euro bewertet wurde. Aus den USA ist bekannt, dass sich viele der Sponsoren als Übernahmeziel ein Fintech wünschen.

Solarisbank konnte ihr Wachstum um 83 Prozent steigern – aber macht auch hohe Verluste

Bislang hat die Solarisbank allerdings noch nie schwarze Zahlen geschrieben. Von dem ursprünglichen Ziel, im Jahr 2020 erstmalig Gewinn zu erwirtschaften, ist das Fintech längst wieder abgekommen. 27 Millionen Euro Verlust verbuchte die Firma laut vorläufigen Geschäftszahlen im Geschäftsjahr 2020, zuvor waren es noch 23 Millionen Euro. Demgegenüber stehen die Erträge, die das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete: Insgesamt 35 Millionen Euro kamen hier zusammen, im Vergleich zu 2019 eine Steigerung von immerhin 83 Prozent.

Viel eher als ein Börsengang via Spac könnte deshalb erst einmal eine neue Finanzierungsrunde anstehen. Die letzte schloss das Unternehmen im Juni 2020 ab, 60 Millionen Euro kamen damals zusammen. Doch die Ausgaben des Fintechs sind hoch, mittlerweile beschäftigt die Firma mehr als 400 Beschäftigte und ist in ein neues Büro umgezogen. Auch die Expansionspläne nach Frankreich, Italien und Spanien müssen finanziert werden.