Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    13.795,85
    +101,34 (+0,74%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.776,81
    +19,76 (+0,53%)
     
  • Dow Jones 30

    33.761,05
    +424,38 (+1,27%)
     
  • Gold

    1.818,90
    +11,70 (+0,65%)
     
  • EUR/USD

    1,0257
    -0,0068 (-0,66%)
     
  • BTC-EUR

    23.928,50
    +540,85 (+2,31%)
     
  • CMC Crypto 200

    574,64
    +3,36 (+0,59%)
     
  • Öl (Brent)

    91,88
    -2,46 (-2,61%)
     
  • MDAX

    27.907,48
    +11,32 (+0,04%)
     
  • TecDAX

    3.192,17
    -1,93 (-0,06%)
     
  • SDAX

    13.229,37
    +32,71 (+0,25%)
     
  • Nikkei 225

    28.546,98
    +727,65 (+2,62%)
     
  • FTSE 100

    7.500,89
    +34,98 (+0,47%)
     
  • CAC 40

    6.553,86
    +9,19 (+0,14%)
     
  • Nasdaq Compositive

    13.047,19
    +267,27 (+2,09%)
     

Berlin muss wegen Putins Gaskrieg Uniper aus der Patsche helfen

(Bloomberg) -- Die Bundesregierung spricht mit der Uniper SE über mögliche Rettungsmaßnahmen, nachdem russische Lieferkürzungen den Gasriesen in eine Existenzkrise geworfen haben. Finanzielle Unterstützung aus der finnischen Heimat des Hauptaktionärs Fortum Oyj scheint derweil unwahrscheinlich.

Zur Sicherung der Liquidität bespricht die Uniper mit dem Bund Maßnahmen wie “Garantie- und Sicherheitsleistungen, Erhöhung der aktuellen, noch nicht gezogenen KfW-Kreditfazilität bis hin zu Beteiligungen in Form von Eigenkapital”, teilte der größte Abnehmer russischen Gases mit. Das Wirtschaftsministerium bestätigte die Gespräche. Bundeskanzler Olaf Scholz signalisierte Unterstützungsbereitschaft.

An der Börse fiel der Aktienkurs von Uniper zeitweise um beispiellose 23% auf das niedrigste untertägige Niveau seit mehr als fünf Jahren. Seit Jahresanfang haben die Papiere zwei Drittel an Wert verloren. Die Mutter Fortum fiel bis zu 10%.

Helsinki will sich - anders als Berlin - wohl nicht an einer möglichen Rettung beteiligen, ist bei informierten Kreisen zu hören. Die 2016 als Abspaltung aus dem Eon-Konzern entstandene Uniper wurde seit 2018 von der Fortum übernommen, die wiederum zur Hälfte dem finnischen Staat gehört. Dessen strategisches Interesse sei auf Fortum beschränkt und umfasse nicht die deutsche Tochter in Düsseldorf. Fortum selbst erklärte, die Rettung müsse “eine nationale und branchenweite Anstrengung in Deutschland” sein.

Scholz erklärte am frühen Nachmittag bei einer Pressekonferenz, dass Deutschland “eine Praxis hat im Umgang mit Unternehmen, die wegen externer Schocks in Krisen geraten” sind und verwies auf die Bewältigung der Pandemie. Es gebe die Bereitschaft und die Fähigkeit, “das Notwendige zu machen”, sagte Scholz am letzten Tag des Nato-Gipfels in Madrid. Auf Uniper konkret ging er nicht ein.

Seit dem 16. Juni erhält Uniper von der russischen Gazprom PJSC nur 40% der vertraglich zugesicherten Gasmengen. Um die Versorgungssicherheit seiner Kunden zu gewährleisten, nutzt der Konzern “Flexibilitäten im Portfolio” sowie Ersatzmengen, die jedoch aktuell nur zu deutlich höheren Preisen beschafft werden können. Das kostet den Konzern derzeit 30 Millionen Euro am Tag, errechnen die Analysten von RBC und Citigroup.

“Da Uniper diese Mehrkosten bislang nicht weitergeben kann, entstehen hieraus signifikante finanzielle Belastungen”, erklärte das Management. Bei der Feststellung einer Gasmangellage durch die Bundesnetzagentur könnten diese zumindest teilweise weitergegeben werden. Dies wäre Voraussetzung, um eine neue Ergebnisprognose abgeben zu können. Für das erste Halbjahr erwartet Uniper “signifikante” Rückgänge beim Gewinn.

Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte letzte Woche davor gewarnt, dass die Probleme von Großfirmen wie Uniper auf lokale Versorger übergreifen könnten. Dennoch hat Berlin noch zurückgeschreckt vor der Möglichkeit eines Gesetzes, das es den Versorgern erlauben würde, die gestiegenen Preise an die Kunden weiterzugeben. Laut Recherchen der Frankfurter Allgemeine Zeitung könnte das nun passieren und erhebliche Folgen für die Preise haben. Etwa eine Milliarde Euro pro Woche müsste laut dem Blatt so aufgebracht werden.

Uniper war bereits vor Russlands Krieg in der Ukraine mit einem Liquiditätsengpass konfrontiert. Aufgrund der starken Preisschwankungen am Energiemarkt war der Konzern bereits im Januar gezwungen, einen Kredit in Höhe von 10 Milliarden Euro aufzunehmen, um Nachschussforderungen zu erfüllen. Die Finanzierung umfasste 2 Milliarden Euro von der staatlichen Förderbank KfW.

Vergangene Woche warnte der Versorger, seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Kunden womöglich nicht erfüllen zu können, wenn die Gaslieferungen aus Russland gedrosselt bleiben oder noch weiter sinken würden.

Seit der Drosselung der Lieferungen Mitte Juni dürfte Uniper 1,8 Milliarden Euro verloren haben, schätzt Citi-Analyst Piotr Dzieciolowski. Solange Uniper diese Kosten nicht zeitnah weitergeben kann, dürfte diese Summe weiter steigen.

Unipers Kreditwürdigkeit wurde bereits im letzten Monat von S&P Global Ratings auf die niedrigste Investment-Grade-Stufe gesenkt. Eine weitere Herabstufung auf Ramschniveau würde die Finanzierung noch teurer machen.

Überschrift des Artikels im Original:

Russian Gas Squeeze Spurs Bailout Talks for Germany’s Uniper (2)

(Ergänzt Details zu Finnland ab erstem Absatz)

More stories like this are available on bloomberg.com

©2022 Bloomberg L.P.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.