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Bericht: Weltweite CO2-Emissionen 2021 wieder annähernd auf Vor-Pandemie-Niveau

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Fabriken in Shanghai (AFP/Hector RETAMAL)

Schlechte Nachrichten für die Verhandler bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow: Die für den Klimawandel hauptverantwortlichen weltweiten CO2-Emissionen werden in diesem Jahr wieder annähernd das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreichen, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Forschungsprojekts Global Carbon Project hervorgeht. Während China 2020 für knapp ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich war, gab es eine positive Entwicklung unter anderem in Deutschland.

Weltweit gingen die CO2-Emissionen aus fossilen Energien wegen der Corona-Maßnahmen im Jahr 2020 um 5,4 Prozent zurück. Für dieses Jahr prognostiziert der anlässlich der Weltklimakonferenz vorgelegte Bericht jedoch einen Anstieg um 4,9 Prozent.

Die Emissionen aus der Kohlenutzung werden den Prognosen zufolge im Jahr 2021 über dem Niveau von 2019, aber immer noch unter dem Höchststand von 2014 liegen. Die Emissionen aus der Nutzung von Erdgas werden 2021 voraussichtlich ebenfalls über das Niveau von 2019 ansteigen, womit sich der seit mindestens 60 Jahren anhaltende Aufwärtstrend fortsetze. Nur die CO2-Emissionen aus Erdöl bleiben 2021 deutlich unter dem Niveau von 2019.

Wenn sich die diesjährigen Trends fortsetzten, sei ein weiterer Anstieg der weltweiten Emissionen im Jahr 2022 nicht auszuschließen, erklärten die Forscher. Dies gelte vor allem, wenn der Straßenverkehr und der Luftverkehr auf ihr früheres Niveau zurückkehrten und der Kohleverbrauch stabil bleibe.

China, das sich schneller von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholte als der Rest der Welt, erzeugte 2020 dem Bericht zufolge 31 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Verantwortlich für den starken Anstieg in China seien die Energiebranche und die Industrie. Eine ähnliche Entwicklung sehen die Forscher in Indien, wo die Emissionen demnach in diesem Jahr um 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen dürften.

Für die EU prognostiziert das Global Carbon Project im Jahr 2021 einen Anstieg der Treibhausgasemissionen um 7,6 Prozent im Vergleich zu 2020. Die Emissionen wären dann 4,2 Prozent niedriger als 2019. 2020 war die EU für sieben Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. In Deutschland lagen die Emissionen im Jahr 2020 um 9,7 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Die Emissionen der USA werden dem Bericht zufolge in diesem Jahr um 7,6 Prozent gegenüber 2020 steigen, dabei aber 3,7 Prozent unter dem Stand von 2019 bleiben. Die USA waren 2020 für 14 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich.

"Der schnelle Anstieg der Emissionen durch die Erholung der Wirtschaft von der Pandemie erhöht die Notwendigkeit sofortigen Handelns gegen den Klimawandel", erklärte Pierre Friedlingstein vom Global Systems Institute in Exeter. Er leitete die Studie, an der Wissenschaftler verschiedener Forschungsinstitute und Universitäten wie die Stanford University beteiligt waren.

Die Investitionen in grüne Wirtschaft in den Konjunkturprogrammen einiger Länder reichten demnach bisher nicht aus, um die Trendwende zu schaffen. Allerdings scheine der Einbruch der Wirtschaft durch die Corona-Pandemie den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigt zu haben.

Der Bericht verweist auch auf positive Entwicklungen: Demnach konnten 23 Länder, die in den vergangenen zehn Jahren gemeinsam für ein Viertel der weltweiten Emissionen verantwortlich waren, ein starkes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig deutlicher Verringerung ihres CO2-Ausstoßes vorweisen. Zu diesen Ländern zählen Deutschland, die USA, Japan, Frankreich und Großbritannien.

Dennoch verdeutlicht der Bericht, wie ehrgeizig die Ziele des Pariser Klimaabkommens sind: Um eine 50-prozentige Chance zu haben, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, sei das weltweit verbleibende CO2-Budget der Menschheit auf 420 Milliarden Tonnen geschrumpft und wäre bei einem CO2-Ausstoß auf dem Niveau von 2021 in elf Jahren aufgebraucht. Der Chef des International Institute for Environment and Development, Peter Norton, schrieb dazu auf Twitter: "Das ist in vielerlei Hinsicht schlimmer als es klingt."

jep/yb

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