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Berater und Vertraute: So könnte Bidens Team im Weißen Haus aussehen

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Der künftige US-Präsident hat die klügsten Köpfe der demokratischen Partei um sich versammelt. Ein Überblick über Bidens Team.

 Foto: dpa
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Donald Trump und seine engsten Mitarbeiter – das war ein eigenes Kapitel seiner Präsidentschaft. Trump hörte fast nie auf seine Berater und tauschte so viele von ihnen aus wie kein Präsident vor ihm. Bei seinem Nachfolger Joe Biden wird das Team um ihn einen ganz anderen Stellenwert haben. Der Demokrat hat exzellente Berater um sich geschart.

Hier ein Überblick über die wichtigsten:

Susan Rice

In der Außenpolitik vertraut Biden auf den Rat von Susan Rice, 55. Mit ihr hat Biden schon im Kabinett von Barack Obama zusammengearbeitet: Rice war zunächst US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, dann leitete sie den Nationalen Sicherheitsrat im Weißen Haus.

Unter Biden könnte nun ihr Lebenstraum in Erfüllung gehen: US-Außenministerin zu werden. Rice gilt als ebenso kenntnisreich wie durchsetzungsstark. Damit hat sie sich in Washington allerdings auch Gegner gemacht. Schon Obama wollte sie zur Außenministerin ernennen – und scheiterte damit am Widerstand des republikanisch geführten Senats.

Ob die Republikaner, die ihre Mehrheit verteidigt haben, dieses Mal gnädiger gestimmt sind, bleibt abzuwarten. Biden jedenfalls lässt an seiner Wertschätzung für Rice keinen Zweifel. Beinahe hätte er sie sogar zu einer Vizepräsidentschaftskandidatin bestimmt.

Doug Jones

Der scheidende demokratische Senator aus Alabama hat seinen Sitz zwar verloren. Doch sein Achtungserfolg im konservativen Südstaat festigte seinen Ruf. Der 66-Jährige wird als Justizminister gehandelt. Die Behörde wird nach der Russlandaffäre viel Vertrauensarbeit leisten müssen, der besonnen auftretende Jones wäre dafür die richtige Person.

Jones genießt hohe Glaubwürdigkeit im Kampf um Bürgerrechte – seine Berufung wäre damit auch ein Zeichen an die Black-Lives-Matter-Bewegung. Als Generalstaatsanwalt von Alabama brachte er zwei Mitglieder des Ku-Klux-Klan hinter Gitter, die 40 Jahre zuvor ein Attentat auf eine Kirche in Birmingham verübten und dabei vier schwarze Mädchen töteten.

Tony Blinken

Schon seit fast 20 Jahren zählt Tony Blinken zum innersten Kreis der Biden-Vertrauten. Erst arbeitete er für Biden im Senat, dann wechselte er mit ihm in die Regierung. Dort bewährte sich Blinken auf mehreren Posten, zuletzt war er stellvertretender Außenminister. Im Wahlkampf wich Blinken nicht von Bidens Seite. Seine Loyalität dürfte sich nun auszahlen. Es gilt als quasi ausgemacht, dass der 58-Jährige in Bidens Regierung eine wichtige Rolle spielt. Denkbar wäre das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters.

Pete Buttigieg

Der ehemalige Bürgermeister aus South Bend (Indiana) hat im Vorwahlkampf einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der 38-Jährige ist ein guter Rhetoriker, hat seine Kampagne vorbildlich organisiert und vor allem: Er vertritt wie Biden selbst moderate Positionen.

Er hat, obwohl er zuvor weitgehend unbekannt war, in den ersten Vorwahlen sehr gut abgeschnitten – und er traf den richtigen Ton, als er durch einen frühen Rückzug, Biden das Feld überließ.

Lael Brainard

Einer der wichtigsten Posten in einer Biden-Administration ist das Amt des US-Finanzministers. Zu den Favoritinnen für die Schlüsselposition gehört die 58-jährige Lael Brainard, die seit 2014 Gouverneurin bei der US-Notenbank Federal Reserve ist.

Sie wäre nicht nur die erste Frau an der Spitze des US-Schatzamtes, sondern auch die erste, die in Deutschland geboren wurde. Brainard kam in Hamburg als Tochter eines US-Diplomaten zur Welt. Die Europäer kennen sie noch aus der Finanzkrise 2008, als sie zusammen mit dem damaligen US-Finanzminister Timothy Geithner für eine aktivere Fiskalpolitik warb.

Michèle Flournoy

Die Verteidigungspolitikerin wurde schon 2016 als künftige Pentagon-Chefin gehandelt. Damals verloren die Demokraten gegen Trump, dieses Mal steht einem Karrieresprung wenig im Weg.

Selbst ein republikanischer Senat würde sich kaum gegen die Berufung der 59-Jährigen an die Spitze des Verteidigungsministeriums sperren. An ihrer Kompetenz und Erfahrung bestehen keine Zweifel. Die Harvard-Absolventin hat schon unter Robert Gates im Pentagon gearbeitet, der zunächst George W. Bush und dann Obama diente. Zuletzt leitete Flournoy die politische Beratungsfirma WestExec Advisors gemeinsam mit Antony Blinken.

Ron Klain

Der Posten des Stabschefs, quasi der Ober-Organisator und engste Mitarbeiter des Präsidenten, ist so wichtig, dass Biden die Besetzung sehr früh festlegen dürfte. Als Biden Vizepräsident unter Obama war, hatte er auch einen Chef seines Mitarbeiter-Stabs: Ron Klain.

Er könnte nun mit Biden zum Stabschef des Weißen Hauses aufsteigen. Klain profilierte sich als Koordinator der Ebola-Krise und war Teil des Beraterkreises des Weißen Hauses in der Finanz- und Bankenkrise. Beides könnte ihm jetzt nutzen, da Biden den Kampf gegen die Coronakrise zur obersten Priorität erklärt hat. Außerdem wird Klain aufgrund seiner Reputation von den verschiedenen Flügeln der Demokraten respektiert.

Elizabeth Warren

Die Senatorin aus Massachusetts ist eine erfahrene Politikerin, hat im Vorwahlkampf eine erstaunliche Leistung hingelegt — und sie vertritt anders als Biden das linke Spektrum der Partei. Sie will etwa private Krankenkassen abschaffen und eine staatliche Einheitsversicherung für alle Amerikaner einführen.

Mit ihrer Klassenkampf-Rhetorik wären ihre Chancen im Präsidentschaftswahlkampf begrenzt gewesen. Indem der President-elect allerdings der Senatorin im Team eine wichtige Rolle geben würde, könnte er den linken Flügel seiner Partei besänftigen. Das wäre ein wichtiger Schritt. Denn Biden muss nicht nur das Land einen, sondern auch seine Partei.

Vivek Murthy

Gemeinsam mit David Kessler soll Murthy einen neuen einen Expertenrat zur Eindämmung der Corona-Pandemie leiten. Murthy war von 2014 bis 2017 oberster Gesundheitsbeamter der US-Regierung, Kessler leitete früher die Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA. An diesem Montag will Biden dazu Details präsentieren.


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