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Die berühmtesten Bundesliga-Worte, die nie gefallen sind

·Lesedauer: 7 Min.
Die berühmtesten Bundesliga-Worte, die nie gefallen sind
Die berühmtesten Bundesliga-Worte, die nie gefallen sind

Was wir von ihm wollen, fällt ihm nicht gleich ein. Dabei naht doch der 7. Mai. Und spätestens als SPORT1 dieses Datum erwähnt, da klingelt es auch bei Frank Ordenewitz.

Die Geschichte seines Lebens, natürlich. Der Tag vor 30 Jahren, als ihn drei Worte berühmt machten. "Mach et, Otze!".

Nur erwischen wir ihn gerade beim Einkaufen und da ist es schlecht mit Telefonieren. Der Chefscout der Nachwuchsabteilung von Werder Bremen bittet um Aufschub um eine Stunde. Manch ein Star macht das Handy dann lieber aus, Journalisten kennen das. Doch der Mann, den alle nur "Otze" nennen, ist anders. Nicht umsonst war er der erste Spieler, dem die FIFA 1988 einen Fair-Play-Preis verlieh, weil er 1988 ein Handspiel im eigenen Strafraum zugab, doch das ist eine andere Geschichte.

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"Mach et, Otze" schreibt Bundesliga-Geschichte

Die Geschichte, von der hier die Rede sein soll, liegt auf den Tag genau 30 Jahre zurück und rückt den großen Rest seiner passablen Karriere in den Hintergrund. Dahinter verblassen selbst Meisterschaften, Länderspiele und all die vielen Bundesligatore, 120 an der Zahl - für Werder, Köln und den HSV.

Um es mit seinen Worten zu sagen: "Mach et, Otze - das ist bekannter als alles andere von mir." Seit jenem 7. Mai 1991, um genau zu sein. Das Pokalhalbfinale zwischen dem 1. FC Köln und dem MSV Duisburg und ein Spruch, der so übrigens nie gefallen ist, überstrahlt alles. Nur schade eigentlich, dass es für ihn eine dumme Geschichte ist.

Was war da los, heute vor 30 Jahren? Der 1. FC Köln trifft im Wiederholungsspiel auf den wackeren Zweitligisten MSV Duisburg und schickt sich an, das Ticket nach Berlin zu lösen. Doch schon in der ersten Hälfte wird es einem Kölner entzogen.

Frank Ordenewitz sieht die zweite Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb und damit gemäß den DFB-Statuten für das Finale gesperrt. "Das haben wir vorher schon angesprochen. Ich war nicht der Einzige bei uns, dem das gedroht hat", erinnert sich Ordenewitz. In der Tat spielen auch Alfons Higl, Henrik Andersen und Maurice "Mucki" Banach mit angezogener Handbremse.

Ordenewitz kämpft um die Rote Karte

Das Finale aber ist erst sechs Wochen später, am 22. Juni. Schon in der Halbzeit (1:0) diskutiert er mit Trainer Erich Rutemöller den Ausweg, den die damals geltenden Regeln weisen: bei Rot, das die Gelbe Karte aufhebt, würde er nur für einen bestimmten Zeitraum und nicht exklusiv für den Pokal gesperrt werden. Ein minder schweres Vergehen hätte ihm eine entsprechend kurze Sperre in der Liga eingebracht, wo der FC keine Sorgen mehr hat. Im Finale wäre er gewiss wieder dabei gewesen.

Fertig ist der Bubenstreich, der den kicker an "Max und Moritz" erinnert. Erst aber müssen sie das Finale erreichen, "Otze" selbst stellt mit seinem 2:0 nach 49 Minuten die Weichen - und so fragt er seinen Trainer in einer Unterbrechung, ob er sich jetzt eine Rote Karte einhandeln dürfe. Der bejaht, angeblich so: "Wenn Du nach Berlin willst, dann tu es, in Gottes Namen." So steht es am nächsten Tag in den Zeitungen.

Fortan bemüht er sich redlich um den roten Karton, "es existiert davon sogar ein witziges Youtube-Video", weiß der Hauptdarsteller zu berichten. Sechs Minuten vor Schluss ist die Gelegenheit da. Schiedsrichter Markus Merk pfeift ein Foul von "Otze", das den um eine Torchance bringt. Scheinbar wütend, in Wahrheit Gott froh, drischt er den Ball weg und bekommt, was er will: Rot! Die Kölner überstehen die letzten Minuten auch ohne ihn, "Mucki" Banach glückt gar noch das 3:0. Berlin, Berlin - nun fahren sie also hin. Mit Otze, oder?

Schmierenkomödie hat ein Nachspiel

Irrtum. Die Schmierenkomödie wird noch am selben Abend zur Posse, bloß weil jemand die Wahrheit sagt: Im ZDF-Interview mit Wolfram Esser gesteht Rutemöller auf die naheliegende Reporter-Frage, ob der Platzverweis etwa provoziert gewesen sei: "Otze hat mich gefragt, da habe ich gesagt: 'Mach et'". Daraus werden in der Rückschau die berühmten Worte "Mach et, Otze", die so nie gefallen sind, Rutemöller und Ordenewitz aber noch viele Jahre verfolgen.

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Denn nun sind sie dran. Ordenewitz: "Dass der Erich das damals zugegeben hat, da waren wir alle sehr überrascht". Er formuliert das so milde, weil er seinem Ex-Trainer schon damals nicht wirklich böse gewesen ist. Trotzdem muss er ihm im ersten Moment öffentlich widersprechen und sagt den Reportern: "Ich bringe mich doch nicht selbst um Punktprämien, mit mir ist der Gaul durchgegangen."

Der DFB handelt umso gelassener, erst zehn Tage später landet der Fall vor dem Sportgericht, das in der Sache noch mehr zu tun bekommt. Denn in der Zwischenzeit spielt "Otze" weiter in der Bundesliga und trägt mit einem Tor zum 3:0-Sieg gegen Kellerkind Uerdingen bei, das prompt Protest einlegt. In der berechtigten Annahme, dass ein Rotsünder möglichst zügig gesperrt gehört, egal in welchem Wettbewerb. (Die Tabelle der Bundesliga)

Ordenewitz verpasst Pokalfinale

Der DFB aber will ein Exempel statuieren und kann die Steilvorlage, dass sich die Betrüger selbst entlarvt haben, gar nicht ignorieren. Er ermittelt wegen Unsportlichkeit und sperrt Ordenewitz am 17. Mai exklusiv für das Spiel, das er auf keinen Fall verpassen will: das Finale.

In der Bundesliga wird er dagegen bis Saisonende viermal zum Einsatz kommen. Mit den Statuten hat das eigentlich nichts mehr zu tun. In Köln reagieren sie heftig und legen Berufung ein. Im Geißbock-Echo ist zu lesen: "Das Urteil ist einer der großen Skandale in der Geschichte des deutschen Fußballs, … die alten Männer verdrehen das Recht… Leute, spart Euch künftig die Reisekosten nach Frankfurt. Ihr werdet ohnehin nur verarscht."

Dumm gelaufen also. Rutemöllers Ehrlichkeit hat einen hohen Preis. Für den Trainer beläuft er sich auf 5000 DM, "Otze" muss 2000 an den Verband zahlen. Schädlicher ist jedoch der geballte Branchenspott. "Wenn ich schon so etwas mache, muss ich doch wenigstens die Schnauze halten“, sagt Trainerkollege Winfried Schäfer vom Karlsruher SC. "Rutemöller ist zu naiv für das Geschäft." Der eigene Sport-Direktor Udo Lattek schilt Rutemöller einen "Amateur". Drei Monate später wird er ihn entlassen, der Riss ist nicht mehr zu kitten.

Nach all den Jahren gesteht der Mann, der 1996 als Assistent von Berti Vogts Europameister wird, dass die Wunde nie ganz verheilt ist. Noch 2020 sagt Rutemöller bei DFB.de: "Ein bisschen ärgere ich mich immer noch im Stillen. Man hat mir danach Blauäugigkeit und Naivität vorgeworfen und da war ja auch was Wahres dran. Es ist halt so aus mir rausgesprudelt, ich wollte auch nicht lügen. Danach war die ganze Freude über den Finaleinzug weg."

Bei "Otze" sowieso und es ist natürlich auch kein Trost, dass es noch anderen so ähnlich ergehen wird, bis der DFB seine Statuten 2002 ändert. Künftig gelten Sperren nur im Wettbewerb, in dem sie sich ein Spieler "verdient" hat. Es ist auch kein Trost, dass er beim Finale als "Maskottchen" dabei ist, zumal es gegen Ex-Klub Werder im Elfmeterschießen verloren wird. Dabei hatte sich Rutemöller damals vorgenommen, ihm im Falle des Siegfalles eine Miniatur des Pokals zu schenken. Auch dieser Plan ging schief.

"Würden Sie es wieder machen, Otze?"

Das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler hat immerhin nie gelitten. Rutemöller: "Wer es am besten verkraftet hat, das war der Otze, wir haben noch heute ein gutes Verhältnis. Er hat es mir nie übel genommen." Der bestätigt das, "wer ihn kennt, kann ihm gar nichts Böses unterstellen." Erst neulich kam wieder ein Paket aus Köln, ein Geschenk für "Otzes" Sohn, ein FC-Fan in Bremer Land. Absender: Rutemöller.

In Köln lebt die Erinnerung an den Mai-Tag vor 30 Jahren noch. Ein Hobby-Team, ein Kegelclub und eine Facebook-Gruppe tragen mittlerweile den Namen "Mach et, Otze". Und wäre Corona nicht, hätte es in der Domstadt auch eine "Mach et Otze-Party" gegeben in diesem Mai, eingeladen waren Weggefährten aus Kölner und Bremer Zeiten - und natürlich Erich Rutemöller. Eine Location war schon avisiert.

"Das holen wir nach", verspricht Ordenewitz, dem SPORT1 zum Schluss noch eine Frage stellen muss: Nach 30 Jahren, würden Sie es wieder machen, Otze? "Na sicher. Da muss man einfach ehrlich sein. Jeder will doch in einem Finale dabei sein."