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Benteler einigt sich mit Banken auf milliardenschwere Refinanzierung

Tyborski, Roman
·Lesedauer: 5 Min.

Rund zwei Milliarden Euro beträgt die Schuldenlast. Jetzt hat sich Benteler mit den Gläubigerbanken geeinigt. Der Weg dorthin war alles andere als einfach.

Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Branche. Trotz drohendem Zulieferersterben und Coronakrise hat sich der wirtschaftlich angeschlagene Autozulieferer und Stahlrohrspezialist Benteler auf eine Refinanzierung seiner gesamten Schuldenlast in Höhe von 1,8 Milliarden Euro geeinigt. Die rund 30 beteiligten Gläubigerbanken garantieren Benteler und dem Vorstandsvorsitzenden Ralf Göttel damit für vier weitere Jahre finanzielle Stabilität.

„Die Refinanzierung ist ein Vertrauensbeweis der Banken in uns als Firma und in unsere Positionierung“, sagte Benteler-CEO Göttel dem Handelsblatt. Neben der Refinanzierung der Schulden haben die Banken Benteler eine zusätzliche Kreditlinie in Höhe von 225 Millionen Euro eingeräumt. Auf staatliche Hilfen, beispielsweise KfW-Kredite, sei Benteler nicht angewiesen.

„Wir haben positive Cashflows, die Liquidität entwickelt sich entsprechend unserer Planung. Wir haben zusätzliche Kreditlinien, die wir aber derzeit nicht für das Betreiben unseres Geschäfts benötigen. Wir leben also nicht auf Pump“, stellte Göttel klar. „Und wir haben die definierten Ziele für 2020 trotz Covid-19 erreicht.“

Die Refinanzierung ist an einen Sanierungsplan gebunden, den Benteler 2018 angestoßen hat und den Restrukturierungsvorstand Arno Haselhorst überwacht. Die Einigung mit den Banken ist deswegen so bemerkenswert, da das Verhältnis zwischen den Banken und Firmenerbe und Hauptanteilseigner Hubertus Benteler, der 50 Prozent an dem Unternehmen hält, nicht gerade als harmonisch bezeichnet werden kann. Wegen der 1,8 Milliarden Euro, die im Feuer standen, nahmen die Banken offenbar stärker Einfluss auf das Unternehmen, als es Benteler lieb war.

Der 74-Jährige bewies in seinen letzten Jahren als Benteler-Chef kein glückliches Händchen. Mit einer Investition in ein Rohrwerk in den USA 2015 tat er sich keinen Gefallen. Gelockt hatte Benteler die Aussicht auf das Geschäft mit Rohren für die dortige Fracking-Industrie. In das Werk hat Benteler knapp eine Milliarden Euro investiert, Gewinne schreibt es keine.

Als Ralf Göttel den Vorstandsposten übernahm und Benteler in den Aufsichtsrat wechselte, lief es schlecht für das Unternehmen. 2018 stand einem Umsatz von acht Milliarden Euro ein Konzernergebnis von gerade einmal 31 Millionen Euro gegenüber. Gleichzeitig wuchsen die Schulden immer weiter an. Irgendwann hatten die Banken genug gesehen.

Gutachten bescheinigt Benteler die Sanierungsfähigkeit

Auf Initiative der Banken wurde Haselhorst in den Vorstand berufen. Später wurde der langjährige Finanzchef Guido Huppertz entlassen, offenbar ebenfalls eine Forderung der Banken.

Es folgten harte Verhandlungen mit den Gläubigerbanken, unter anderem der Commerzbank, der DZ Bank, der LBBW, der NordLB und der österreichischen Erste, bei denen sich Benteler die rund zwei Milliarden Euro geliehen hat. Dabei wurden auch „die Konsequenzen aufgezeigt, die gefolgt wären, wenn man sich nicht auf eine Refinanzierung geeinigt hätte“, sagte Göttel. Die Konsequenz wäre eine Insolvenz gewesen, die eine Rückzahlung der Schulden in Gefahr gebracht hätte.

Letztlich sorgten Haselhorst und ein Gutachten des Beratungsunternehmens PwC, das Benteler die Sanierungsfähigkeit bescheinigt, für den Vertrauensvorschuss der Banken. Ausschlaggebend dafür seien laut Göttel zwei Elemente: Zum einen die Positionierung des Geschäfts und die angepasste Strategie. „Wir sind jetzt weniger ein Mischkonzern. Als Metallprozessspezialist konzentrieren wir uns stärker auf das Automobilgeschäft“, sagt der Benteler-Chef. Zum anderen sei Benteler dank des Restrukturierungsprogramms zukunftsfähiger.

Das umfasste eine Kombination aus Stellenabbau, verstärkter Digitalisierung und einer Verlagerung von Arbeitsplätzen in Länder mit niedrigeren Löhnen. Dadurch konnte Benteler die Kosten senken und die Organisation verschlanken. Konkret sollen im Stahlrohrgeschäft 600 Stellen bis Ende 2022 abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen soll es dabei aber nicht geben. Darüber hinaus wird ein Schweißrohrwerk in Bottrop geschlossen. Das Stahlrohrgeschäft steht für etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes der Benteler-Gruppe.

„Über den bereits bekannten Abbau wird es weitere Stellenanpassungen dort geben, wo es die Auftragslage erforderlich macht“, fügte Göttel hinzu. „Weitere Standortschließungen planen wir nicht.“

Hoffnungswert „Rolling Chassis“

Vor allem aber das Autogeschäft stimmt Göttel optimistisch. Hier hilft einerseits China, wo die Autokonjunktur derzeit auf Hochtouren läuft. Etwa ein Fünftel der Geschäfte entfallen auf den asiatischen Markt. Andererseits seien eigenen Angaben zufolge 85 Prozent der Benteler-Produkte antriebsunabhängig und nicht vom Strukturwandel betroffen.

Dazu konnte sich das Familienunternehmen Aufträge für Metallleichtbau-Batteriewannen sichern. Der Leichtbau gewinnt in Zeiten der Elektromobilität an Bedeutung, da jedes gesparte Gramm Gewicht die Reichweite von Elektroautos erhöht. Mit einem deutschen Autohersteller besteht bereits ein Liefervertrag. Mit einem weiteren deutschen und einem französischen Hersteller laufen derzeit die Verhandlungen.

Auch an ein Gemeinschaftsprojekt mit Bosch und Pininfarina knüpft Benteler große Hoffnungen. Das Zulieferer-Trio hat mit dem „Rolling Chassis“ eine Elektroplattform entwickelt, die es Autobauern erlaubt, ohne großen Entwicklungsaufwand neue Elektromodelle zu bauen.

Man könnte es sich wie eine Art Skateboard vorstellen. Von Benteler kommen das Crash-Management, das Fahrwerk und die Batteriesysteme. Von Bosch sind Antriebsstrang, Lenkung, Bremsen und Elektronik samt Steuerung. Die italienischen Spezialisten stülpen für Fahrzeugdesign und Integration eine Hülle über die rollenden Elektrobretter.

Bentelers Wertschöpfungsanteil am Rolling Chassis schätzt Göttel auf 25 bis 40 Prozent. Potenzielle Kunden, Aufträge oder Umsatzziele nennt der Benteler-Chef allerdings nicht. Nur so viel: „Wir schätzen, dass E-Mobilitätsangebote in den nächsten zwei Jahren einen zweistelligen Prozentanteil an unserem Gesamtumsatz ausmachen werden.“

Laut Göttel sei es Benteler insgesamt gelungen, den Break-even-Point – also den Zeitpunkt, ab dem ein Unternehmen Gewinne macht – zu senken. Das heißt: Trotz 15 Prozent weniger Umsatz kommt Benteler auf ein ähnliches Ergebnis. Der 54-Jährige geht davon aus, dass sich die weltweiten Pkw-Absatzzahlen bis 2023 wieder von den Folgen der Krise erholen werden. „Bis dahin dürfte die Benteler-Gruppe zu einem Umsatzniveau zwischen sieben und acht Milliarden Euro zurückkehren“, sagt Göttel.