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Bemerkenswerter Aufstieg von Stefanie Münz: Bei der LBBW rückt erstmals eine Frau in den Vorstand

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Stefanie Münz startet Anfang 2021 als Finanz- und Strategiechefin bei der Stuttgarter Landesbank. Der Weg der 40-Jährigen ist noch aus einem anderen Grund besonders.

Die Landesbank Baden-Württemberg stockt ihren Vorstand auf. Mit Stefanie Münz und Anastasios Agathagelidis rücken zwei Führungskräfte, die seit Langem für die LBBW arbeiten, in das Spitzengremium auf. Münz wird Finanzchefin und zudem für Strategie, Digitalisierung und Operations sowie Prozesse zuständig, Agathagelidis ist ab Januar Risikovorstand. Der langjährige Risikochef Volker Wirth geht in den Ruhestand.

Besondere Bedeutung hat dabei Münz’ Aufstieg an die Konzernspitze. Die 40-Jährige ist die erste Frau im LBBW-Vorstand überhaupt. Auch in den anderen großen Landesbanken BayernLB, Helaba und NordLB ist bisher kein einziger Vorstandsposten mit einer Frau besetzt.

Der Frauenanteil in den Chefetagen der Banken ist generell gering. Doch bei den größten deutschen Geldhäusern, Deutsche Bank, DZ Bank und Commerzbank, gehören seit einiger Zeit Frauen dem Vorstand an. Das gilt beispielsweise auch für den Versicherer Allianz.

Nicht nur die Landesbanken haben Nachholbedarf, sondern die öffentlich-rechtliche Finanzgruppe generell. Nur auf etwa sechs Prozent Vorstandsposten bei den knapp 380 Sparkassen sitzen Frauen – und das, obwohl zwei Drittel der Beschäftigten weiblich sind.

Der Grünen-Finanzexperte Danyal Bayaz kritisierte jüngst den geringen Frauenanteil. Der Bundestagsabgeordnete fordert, dass gerade die staatsnahen Landesbanken und öffentlich-rechtliche Institute wie die Sparkassen „ihrer Vorreiterrolle“ gerecht werden sollten. Die LBBW, mit einer Bilanzsumme von fast 290 Milliarden Euro die größte Landesbank, gehört dem Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart und dem baden-württembergischen Sparkassenverband.

Der Weg der Finanz- und Controlling-Expertin Münz ist noch aus einem anderen Grund bemerkenswert. Sie hat die LBBW nie verlassen. 1999 startete sie mit einem dualen Studium bei der Landesbank. Nach einem Abstecher zur Tochter Südleasing stieg sie bei der Bank rasch auf.

Rasanter Aufstieg bei der LBBW

2009 wurde Münz Teamleiterin, 2014 übernahm sie die Bereichsleitung Finanzcontrolling, also in der Führungsebene unmittelbar unterhalb des Vorstands. 2016 kam das Thema Konzernstrategie dazu, 2018 wurde Münz Bereichsvorständin für Finanzen und Strategie. Dass sie es bis in den Vorstand schafft, hat sich laut LBBW-Kennern schon seit Längerem abgezeichnet.

Vorstandschef Rainer Neske habe Münz in den vergangenen Jahren bereits gefordert wie gefördert, heißt es bei der Bank. Für die Mitglieder des Aufsichtsrats jedenfalls ist sie keine Unbekannte. Als Bereichsvorstand für Finanzen und Strategie hat Münz dem Kontrollgremium schon öfter berichtet.

Von Neske, der seit vier Jahren an der LBBW-Spitze steht, übernimmt Münz auch die Zuständigkeit für Finanzen. Die neue Finanzchefin dürfte schon bald nach ihrem Start gefordert sein. Noch ist unklar, wie sehr die Folgen der Coronakrise die deutschen Banken belasten. Doch viele Beobachter sowie Aufsichtsbehörden warnen vor einem Anstieg der Firmenpleiten und der Kreditausfälle, die zuletzt auf niedrigem Niveau lagen.

Diese Frage wird auch den neuen Risikovorstand Agathagelidis stark bewegen. Der gebürtige Esslinger hat, nach einem Wirtschaftsstudium, seine Karriere 1993 als Trainee bei der SüdwestLB begonnen, einem Vorgängerinstitut der LBBW. Zuletzt war der 53-Jährige Bereichsleiter im Risikomanagement. Er muss auch die möglichen Risiken aus dem vergleichsweise großen Autoportfolio der Bank steuern, wobei der Anteil an Autokrediten zuletzt bereits geschrumpft ist.

LBBW-Aufsichtsratschef Christian Brand freute sich bei der Berufung im vergangenen Sommer, dass mit Agathagelidis und Münz „zwei Eigengewächse“ der Bank in den Vorstand einziehen. Die beiden neuen Vorstandsmitglieder kennen sich bereits seit Jahren.

Münz, die von vielen in der Bank geschätzt wird, gilt nicht nur mit Blick auf ihre Karriere als beständig. Sie ist in Bruchsal nahe Karlsruhe aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Vor genau einem Jahr allerdings widmete die neue Finanzchefin sich einem ganz anderen Thema. Sie besuchte, mit dem angesammelten Urlaub der vergangenen Jahre, den indischen Zweig der Karl Kübel Stiftung, die unter anderem arme Menschen in Entwicklungsländern unterstützt – in Indien beispielsweise durch die Ausbildung von Entwicklungshelfern. Münz verbrachte fünf Wochen in Südindien und half danach, eine strategische Ausrichtung zu erarbeiten, damit sich das Projekt möglichst eigenständig finanzieren kann.