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Belästigungsvorwürfe überschatten die Bank der EU, Angst regiert

Stephanie Bodoni und Gavin Finch
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Die Nachricht kam wie ein Schock - ein weiterer Selbstmord in der Luxemburger Zentrale der Europäischen Investitionsbank, der zweite auf dem Gelände innerhalb von sieben Jahren.

Diesmal, an einem kalten, nassen Morgen im Dezember, handelte es sich um eine beliebte 51-Jährige, die als Back-Office-Assistentin bei der Bank der Europäischen Union arbeitete. Die Polizei nannte keine Gründe, warum die ehemalige Halbprofi-Basketballspielerin sich von einem Balkon der Bank gestürzt hatte. Personalvertreter aber, die in Gesprächen mit der Geschäftsführung bereits seit Jahren auf die psychische Belastung in der Institution hingewiesen hatten, waren alarmiert. Das Problem war bekannt, noch bevor 2013 eine Praktikantin sich im Atrium eines anderen Gebäudes auf dem Gelände in den Tod gestürzt hatte.

“Jeder Selbstmordfall ist einer zu viel”, schrieb die Arbeitnehmervertretung in einem Brief vom 12. Januar an Bankpräsident Werner Hoyer. Aber zwei Selbstmorde auf dem Gelände der EIB “in einer so relativ kurzen Zeitspanne ist ein klares Warnsignal, das die Bank nicht länger ignorieren kann.” Sie forderten eine Untersuchung, um “die tieferen Ursachen zu analysieren, die bestimmte Mitarbeiter dazu bringen, Selbstmord in Betracht zu ziehen.”

Die Vertreter vermuteten nicht ohne Grund einen Zusammenhang zwischen den beiden Todesfällen und den Arbeitsbedingungen: 2016 hatten zwei Psychologen, die von der Bank mit der Betreuung von Mitarbeitern beauftragt worden waren, in einem internen Bericht vor “Suizidgefahr” unter den Mitarbeitern gewarnt. Sie beschrieben in dem Bericht, in den Bloomberg Einblick hatte, auch weit verbreitete Vorwürfe der Belästigung und ein “ungesundes Klima der Angst”, das Beschwerden unter der Decke halte.

Interviews mit mehr als zwei Dutzend aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern, Gerichtsakten und interne Dokumente zeichnen das Bild einer Institution, in der Vorwürfe von sexueller Belästigung, Mobbing und Diskriminierung weitgehend ungestraft im Sande verlaufen. Es ist eine Erzählung, die in den letzten Jahren auch in anderen Finanzinstitutionen in Europa und den USA zu hören war.

Die Gesprächspartner, von denen etwa die Hälfte noch in der Bank arbeitet, sagten, sie seien entweder Zeugen oder Opfer von Belästigungen geworden, einschließlich dessen, was sie als psychologischen Missbrauch betrachten. Einige sagten, sie hätten unangemessene Kommentare und unaufgeforderte sexuelle Annäherungsversuche erlebt. Die meisten baten darum, nicht namentlich genannt zu werden, aus Angst vor Repressalien.

Frauen, die etwa die Hälfte der 3.500 Mitarbeiter ausmachen, zögen manchmal bei Beförderungen gegenüber weniger qualifizierten männlichen Kollegen den Kürzeren oder würden in ihren Karrieren behindert, nachdem sie Kinder bekommen hatten, hieß es. Einige berichteten von anderen Mitarbeitern, die außerhalb des Campus durch Selbstmord gestorben seien; diese Behauptungen konnten nicht unabhängig verifiziert werden.

In einer 17-seitigen Antwort auf Fragen von Bloomberg erklärte die Bank, dass es keine Belege gebe, die einen der beiden Todesfälle mit arbeitsbezogenen Problemen in Verbindung brächten, und dass sie sich nicht zu Selbstmorden äußern könne, die anderswo stattgefunden haben könnten und von denen sie nichts wisse. In den letzten Jahren seien “beträchtliche Fortschritte in Bezug auf die Gleichberechtigung der Geschlechter” gemacht und Richtlinien und Verfahren geändert worden, einschließlich der Schulung von Managern, der Bereitstellung von Beratung und dem Angebot externer Mediation zur Lösung von Mitarbeiterkonflikten.

Eine “psychosoziale Risikobewertung” der Mitarbeiter sei für dieses Frühjahr geplant, so die Bank, bevor ein neues Programm zur psychischen Gesundheit, einschließlich eines Suizidpräventionstrainings, später in diesem Jahr eingeführt werde.

Von Bloomberg befragte derzeitige Mitarbeiter beklagen, dass sich in den letzten Jahren nicht viel zum Positiven verändert habe, obwohl 2016 ein Bericht von Personalpsychologen das Bild einer von Konflikten geprägten Arbeitsatmosphäre zeichnete. Mitarbeiter, denen der Umfang ihres Zuständigkeitsbereichs häufig nicht klar war, wurden demnach von schlecht ausgebildeten Managern geführt, die kaum imstande waren, strenge Produktivitätsziele zu erfüllen. Das trug zu Fällen von Burnout, schwerem Stress und anderen psychischen Problemen bei, so der Bericht, der nicht veröffentlicht wurde.

Obwohl sie einer der größten Arbeitgeber Luxemburgs ist, unterliegt die EIB nicht den lokalen Arbeitsgesetzen. Sie ist eine EU-Einrichtung, die von einem Gremium geleitet wird, das hauptsächlich aus Finanzministern besteht. Mitarbeiter, die rechtliche Ansprüche geltend machen wollen, sind gezwungen, diese vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. Dies kann leicht Zehntausende von Euro an Anwaltsgebühren kosten, wenn der Kläger verliert.

Diesen Schritt ging eine Mitarbeiterin im Jahr 2016, nachdem die Bank ihre Beschwerde wegen sexueller Belästigung durch einen männlichen Chef abgewiesen hatte. Ein Gremium aus drei externen Fachleuten mit juristischem oder medizinischem Hintergrund, das von der EIB mit der Untersuchung beauftragt wurde, sagte, dass es keine Zeugen für die angeblichen Handlungen gebe und empfahl, die Beschwerde abzulehnen, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht, die weder das Opfer noch ihren Manager namentlich nennen.

Das Gremium, das eingerichtet wurde, um Beschwerden über Belästigung nachzugehen, beschrieb die Frau als motiviert durch den Wunsch, in ihrer Karriere voranzukommen, wie aus den Akten hervorgeht. Es bezeichnete ihr Verhalten als manipulativ, sagte, dass eine traumatische Trennung sie labil gemacht haben könnte und regte an, dass sie eine positivere Einstellung annehmen sollte.

Der Präsident der EIB hat das letzte Wort, und Hoyer, 69, der 2012 nach einer Karriere als Bundestagsabgeordneter zur Bank kam, folgte der Empfehlung des Gremiums. Der Europäische Gerichtshof hob die Entscheidung 2019 auf und stellte fest, dass das Recht der Frau auf eine faire Anhörung verletzt worden sei. Er entschied nicht über den Inhalt ihrer Beschwerde. Die Frau arbeitet immer noch bei der Bank.

Die EIB teilte in einer Antwort auf schriftlich eingereichte Fragen mit, dass sie nie jemanden entlassen habe, der der Belästigung beschuldigt wurde. Von den 21 formellen Beschwerden über Belästigung, die seit 2013 von Mitarbeitern eingereicht wurden, wurden fünf abgewiesen, weil man der Meinung war, dass es sich nicht um Belästigung handelte, keine Beweise dafür vorlagen, dass Belästigung stattgefunden hatte oder in einem Fall die Bank nicht involviert war. Die anderen wurden von externen Gremien untersucht.

Überschrift des Artikels im Original:Harassment Claims and Fear Haunt EU’s Investment Bank: Big Take

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