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„Belästigungskultur“, Beurteilungssysteme und Entlassungsquoten: So ist es wirklich, bei Amazon zu arbeiten

·Lesedauer: 5 Min.

Amazon ist der zweitgrößte Arbeitgeber in den USA und immer noch einer der am schnellsten wachsenden im Land. Es bietet Einkommen und Sozialleistungen für weit über eine Million Menschen und war während der Pandemie eine Quelle für Arbeitsplätze und Einkaufskomfort.

Aufgrund dieses Einflusses sind die Abläufe bei Amazon unter intensive Beobachtung geraten, was zu einer landesweiten gewerkschaftlichen Organisierung geführt hat. Im Folgenden erfahrt ihr, wie es ist, beim Online-Riesen zu arbeiten.

Wie Amazon seine Belegschaft ausmustert

Amazon hat ein eigenes System zur Verbesserung beziehungsweise Entlassung von Mitarbeitern, die als leistungsschwach gelten. Sobald die Manager ihre Mitarbeiter als schwächelnd einstufen, werden sie in einen „Focus“-Coaching-Plan aufgenommen. Wenn sie dort scheitern, werden die Mitarbeiter in ein anderes Programm namens „Pivot“ versetzt und schließlich vor eine firmeninterne Jury gestellt, die über ihr Schicksal im Unternehmen entscheidet.

Das System wurde von einigen aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern kritisiert, die sagen, dass es unfair und voreingenommen ist und Manager ermutigen kann, guten Mitarbeitern schlechte Bewertungen zu geben. Amazon sagt, dass es Managern Werkzeuge an die Hand gibt, um Mitarbeitern zu helfen, sich zu verbessern und in ihrer Karriere voranzukommen. „Dazu gehören Ressourcen für Mitarbeiter, die die Erwartungen nicht erfüllen und möglicherweise zusätzliches Coaching benötigen. Wenn ein Mitarbeiter glaubt, dass er keine faire Bewertung seiner Leistung erhält, hat er mehrere Kanäle, über die er dies ansprechen kann“, sagte ein Unternehmenssprecher kürzlich.

Amazon hat sich zum Ziel gesetzt, jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Mitarbeitern loszuwerden, was als nicht-bedauerte Fluktuation bezeichnet wird. Einige Manager des Unternehmens verspüren eigenen Angaben zufolge so viel Druck, ihre Quote zu erreichen, dass sie Leute einstellen, die sie innerhalb eines Jahres zu feuern beabsichtigen.

Klagen wegen rassistischer und sexistischer Vorfälle

Es gab eine Reihe von Klagen gegen Amazon, in denen dem Unternehmen geschlechtsbezogene und rassistische Vorurteile unterstellt wurden. Im Mai verklagten fünf derzeitige und ehemalige Mitarbeiterinnen das Unternehmen wegen „missbräuchlicher Behandlung durch überwiegend weiße männliche Manager“. Im Februar reichte Charlotte Newman, eine schwarze Amazon-Managerin, Klage wegen geschlechtsspezifischer Diskriminierung und sexueller Belästigung ein. Und letztes Jahr forderte eine hochrangige Ingenieurin das Unternehmen auf, das zu beheben, was sie als „Belästigungskultur“ erlebt.

„Wir tolerieren keine Diskriminierung oder Belästigung jeglicher Art“, sagte ein Amazon-Sprecher in einer Erklärung. „Wir haben Frau Newmans Vorwurf der sexuellen Belästigung sofort untersucht und den Schuldigen gefeuert.“ Die Untersuchung führte zu „Korrekturmaßnahmen und zusätzlichen Schulungsanforderungen für diejenigen in ihrer Berichtslinie“, fügte die Sprecherin hinzu. „Wir haben auch den Interviewprozess, die Einstufung und das Onboarding von Frau Newman überprüft und festgestellt, dass sie in ihrer Rolle im Unternehmen richtig eingesetzt wurde. Wir untersuchen derzeit die neuen Vorwürfe, die in der Klage enthalten sind.“

Amazons Lagerhäuser zermürben ihre Mitarbeiter

Die sogenannten Fulfillment-Zentren des Unternehmens beschäftigen Hunderttausende Menschen und bieten Löhne und Sozialleistungen, die im Vergleich zu anderen Jobs im Einzelhandel wettbewerbsfähig sind. Aber die Arbeit kann zermürbend sein, manche Mitarbeiter bleiben nicht lange. Nun gibt es immer mehr Bestrebungen, diese moderne Arbeiterschaft gewerkschaftlich zu organisieren.

Die Amazon-Lager sind zum Teil automatisiert, mit Robotern, die durch die Halle sausen, Paletten mit Waren holen und sie zu den Mitarbeitern bringen. Die wählen dann die richtigen Artikel aus und verpacken sie für den Versand. Das Unternehmen stellt jedes Jahr Tausende zusätzliche Zeitarbeiter ein, um den Bestellanstieg während der Weihnachtszeit zu bewältigen.

Während der Pandemie sind die Online-Bestellungen zu einem für Amazon ungewöhnlichen Zeitpunkt sprunghaft angestiegen. Dies führte zu einer beispiellosen Einstellungswelle im letzten Jahr – verursachte aber auch Spannungen mit Arbeitern, die Sorge vor einer möglichen Ausbreitung des Virus in den Lagerhäusern hatten. Diese Probleme spitzten sich Anfang des Jahres zu, als die Mitarbeiter eines Fulfillment Centers in Bessemer, Alabama, darüber abstimmten, ob sie eine Gewerkschaft gründen wollten. Der Versuch scheiterte, aber es gibt bereits eine größere Gewerkschaftsinitiative, die Fahrt aufnimmt.

In seinem letzten Aktionärsbrief als CEO Anfang des Jahres verteidigte Jeff Bezos die Arbeitsbedingungen bei Amazon, sagte aber, das Unternehmen müsse „einen besseren Job für unsere Mitarbeiter machen.“

Amazons Liefernetzwerk stützt sich auf Tausende Fahrer

Das Unternehmen arbeitet mit UPS, FedEx und dem US Postal Service zusammen, betreibt aber auch eine riesige Flotte eigener Lieferfahrzeuge. Diese Lieferwagen werden von einer Kombination aus Mitarbeitern, externen Kurierdiensten und Vertragsarbeitern gefahren. Amazon ist dafür bekannt, den Fahrern strenge Zeitvorgaben zu machen und zu kontrollieren, wie oft sie anhalten und wie schnell sie fahren. Obwohl das Unternehmen Pausenzeiten einkalkuliert – eine 30-minütige Mittagspause und zwei 15-minütige Pausen – sagen einige Fahrer, dass sie diese nicht einhalten können.

Anfang des Jahres twitterte ein US-Senator, dass Amazon-Mitarbeiter in Flaschen pinkeln müssten. Das Unternehmen dementierte dies, aber mehrere Fahrer bestätigten, dass das Teil ihres Jobs sei. Amazon entschuldigte sich später und sagte, dass die Fahrer aufgrund des Verkehrs und der Tatsache, dass sie auf ländlichen Routen unterwegs sind, Probleme haben, Toiletten zu finden.

Wie man einen Job bei Amazon bekommt

Amazon bleibt ein wichtiger Arbeitgeber, der schnell wächst. Im Gegensatz zu einigen seiner Big-Tech-Konkurrenten bietet das Unternehmen eine Reihe von Positionen an, von hochtechnischen Aufgaben bis hin zu Arbeiterjobs. Die Rekrutierungsmethoden reichen von großen Jobmessen bis hin zu harten Einzelgesprächen.

Das Unternehmen zählt zu den Top-Arbeitgebern unter Technikstudenten. In einer im letzten Jahr veröffentlichten Umfrage unter Ingenieursstudenten belegte Amazon den zehnten Platz und schlug damit Intel und IBM – lag aber hinter Tesla und SpaceX.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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