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Befreiungsschlag bei Bertelsmann

Gütersloh (dapd). Bertelsmann-Chef Thomas Rabe plant einen Befreiungsschlag. Um Europas führendem Medienkonzern Spielraum für mehr Wachstum zu verschaffen, will er sich von einem großen Aktienpaket am TV-Imperium des Konzerns, der RTL-Group, trennen. Das könnte fast zwei Milliarden Euro in die Kassen des Medienriesen spülen.

Der Bertelsmann-Aufsichtsrat habe bereits grundsätzlich grünes Licht dafür gegeben, die Beteiligung an der RTL Group von derzeit 92,3 Prozent auf "ungefähr 75 Prozent" zu senken, erklärte Rabe am Donnerstagabend im Intranet des Konzerns. Zwar steht die endgültige Entscheidung über den Teilverkauf von RTL noch aus, doch für die Anleger ist die Umsetzung offenbar nur noch eine Frage der Zeit. An der Luxemburger Börse verlor die RTL-Aktie über Nacht mehr als zehn Prozent an Wert.

Auch nach dem Verkauf des Aktienpaktes behielten die Gütersloher eine deutliche Mehrheitsbeteiligung an der RTL Group. Dennoch hätte der Schritt Symbolwert. Das TV-Imperium ist derzeit mit Abstand der wichtigste Gewinnbringer des Gütersloher Konzerns und erwirtschaftete zuletzt rund 60 Prozent des operativen Ergebnisses.

Umsatzplus im Geschäftsjahr 2012

Doch gibt es Zweifel, ob die Gewinne auf Dauer so üppig fließen werden in einer Welt, in der das Internet einen immer größeren Teil des Medienkonsums auf sich zieht. Rabe will sich also von einem lukrativen Stück Gegenwart trennen, um Zukunft zu erkaufen.

"Bertelsmann soll in den nächsten Jahren wachstumsstärker, digitaler und internationaler werden. Die geplante Transaktion würde den Rahmen dafür schaffen", erklärte der Konzernchef im Intranet des Unternehmens. Chancen sieht Rabe in den Schwellenländern China, Indien und Brasilien, aber auch im Musikrechtegeschäft, im Bildungsbereich oder im E-Commerce.

Milliardenschwere Kaufgelegenheiten könnten sich schon bald ergeben. Medienberichten zufolge hat Bertelsmann ein Auge auf den zum Verkauf stehenden Wissenschaftsverlag Springer Science geworfen. Auch beim dem gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR in den vergangenen Jahren aufgebauten Musikrechteanbieter BMG Rights Management strebt Rabe mehr Einfluss an. "Sollte KKR ausscheiden wollen, dann werden wir wohl die Mehrheit an BMG anstreben, gegebenenfalls mit anderen Partnern", sagte der Konzernchef kürzlich in einem Interview. KKR hält derzeit noch 51 Prozent an BMG.

Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern nach vorläufigen Zahlen den Konzernumsatz um rund fünf Prozent auf 16 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 1,7 Milliarden Euro allerdings nur auf Vorjahresniveau.

dapd

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