Deutsche Märkte schließen in 6 Stunden 4 Minuten

Bayers teurer Glyphosat-Deal: Fünf Fragen und Antworten

Nie zuvor musste Bayer so viel Geld für die Beilegung einer Klagewelle in den USA bezahlen. Was man über den teuren Deal wissen sollte.

Am Mittwochabend hat die Bayer AG die Einigung mit den Klägern in den USA verkündet, die den Unkrautvernichter Glyphosat für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen.

Warum lässt sich Bayer auf so einen teuren außergerichtlichen Vergleich ein?
Mit einer Summe von mehr als zehn Milliarden Dollar ist der Vergleich einer der teuersten in der US-Rechtsgeschichte und ein Rekordbetrag für die Bayer AG, die im etwa Pharmabereich schon viele außergerichtliche Vergleiche eingegangen ist. Anders als über diesen Weg wäre der Konzern die Glyphosat-Klagewelle in den USA aber nicht losgeworden. Die Alternative wäre gewesen, jahrelang Prozesse zu führen – mit all der damit verbundenen negativen Öffentlichkeit und den Rechtskosten.

Bedeutet der Vergleich, dass Glyphosat wirklich krebserregend ist?
Nein. Ein außergerichtlicher Vergleich wird in den USA ohne jegliches Schuldeingeständnis abgeschlossen. Es ist lediglich ein Instrument, um ein leidiges juristisches Thema loszuwerden. Über die Gesundheitsgefahren sagt der Vergleich nichts aus. Darüber soll aber eine unabhängige Expertenkommission beraten, auf die sich Bayer und die Klägeranwälte verständigt haben. Sie wird bewerten, welche Risiken von Glyphosat tatsächlich ausgehen. Ihr Urteil wird darüber entscheiden, ob auch künftige Klagen gegen Bayer wegen des Krebsverdachts bei Glyphosat berechtigt sind.

Ist Bayer nun vor einer erneuten Klagewelle geschützt?
Im Prinzip ja, aber zunächst werden mit dem Settlement drei Viertel der 125.000 anhängenden und angekündigten Klagen fallen gelassen. Die übrigen dürfte Bayer in den kommenden drei Monaten beilegen. An dem Glyphosat-Vergleich sind nahezu alle großen amerikanischen Klägerkanzleien beteiligt. Bayer geht davon aus, dass sie keine neuen Klagen mehr einwerben werden, wie dies zuletzt massiv über TV-Spots und Reklametafeln gemacht wurde. Es ist aber nicht auszuschließen, dass andere Kanzleien noch mal Prozesse anstreben. Ein Problem für Bayer ist, dass eine Krebserkrankung erst Jahre nach der Verwendung von Glyphosat auftaucht. Eine Welle von mehr als 50.000 Klagen dürfte aber nicht mehr entstehen.

Wer bekommt denn jetzt das viele Geld?
Die einzelnen Zahlungen sind gestaffelt nach Art und Schwere der Erkrankung. Dies zu strukturieren war eine der schwierigsten Aufgaben in den Vergleichsverhandlungen. Sie können je nach Einzelfall von wenigen Tausend bis hin zu Millionensummen betragen. Einen großen Teil der Vergleichssumme streichen die Klägeranwälte als Honorar ein. Üblich sind bis zu einem Drittel. Im Fall Glyphosat bedeutet es, dass die mehr als 30 beteiligten Kanzleien drei Milliarden Dollar einstreichen. Bayer wird also viele Anwälte in den USA zu Millionären machen – wenn sie es nicht schon sind.

Woher nimmt Bayer das Geld dafür?
Der Leverkusener Konzern ergreift die Gelegenheit, um alle Rechtslasten loszuwerden, die ihm die Übernahme von Monsanto eingebrockt hat. Zur Beilegung von Klagen wegen des Unkrautvernichters Dicamba sind 400 Millionen Dollar vorgesehen – davon soll ein Teil der Konkurrent BASF tragen, der das Produkt ebenfalls vermarktet. Dazu kommen 850 Millionen Dollar für die Beilegung von Klagen wegen der Chemikalie PCB, die Monsanto bis 1977 herstellte und die in lokalen Abwässern in US-Staaten zu finden ist.

Damit ergibt sich eine Gesamtsumme von maximal 12,1 Milliarden Dollar, die Bayer für die Beilegung der Rechtsstreitigkeiten in den USA aufwenden muss. Ein kleiner Teil davon wird von Versicherungen gedeckt sein. Bayer geht davon aus, in diesem und im nächsten Jahr jeweils fünf Milliarden Dollar aufwenden zu müssen. Finanziert werden soll dies zum einen durch die Einnahmen aus dem bereits eingeleiteten Verkauf der Sparte Tiermedizin, für die der Konkurrent Elanco annähernd 7,6 Milliarden Dollar zahlt. Der Rest soll aus dem Cashflow von Bayer der nächsten Jahre und möglicherweise über die Ausgabe neuer Anleihen finanziert werden.