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Wie Baulöwe Jürgen Schneider mit Immobilien und einem simplen Schneeballsystem deutsche Banken um Millionen betrog

·Lesedauer: 3 Min.

„Ja, ich bin es.“ Mit diesen Worten endet am 18. Mai 1995 die spektakuläre Flucht und damit auch die Jagd auf den wohl bekanntesten Baulöwen Deutschlands: Utz Jürgen Schneider.

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Mit seinem Verschwinden reagierte Schneider im Jahr 1994 auf die kurz bevorstehende Pleite seiner Firma. Er hatte über die vergangenen Jahre immer höhere Kredite bei Banken wie der Deutschen Bank aufgenommen. Mit diesem Geld wollte Schneider Traditionsbauten wie die Mädler-Passage in Leipzig oder die Zeilgalerie in Frankfurt sanieren. Doch die Mieteinnahmen genügten nicht, um die Kreditraten zu bedienen. Also betrog Schneider die Banken, indem er sich immer wieder neue Kredite durch gefälschte Mietverträge erschlich.

So hatte er über die Jahre eine scheinbar erfolgreiche Immobilienfirma aufgebaut, aber eben auch ein fragiles Schneeballsystem, das letztendlich zusammenbrach. Er hinterließ Schulden im damaligen Wert von 5,4 Milliarden D-Mark.

Mit seiner Flucht riss der Mann, der in Deutschland bis dato als der größte Alleinschuldner galt, auch andere Menschen in die Krise. Etliche seiner Immobilien befanden sich noch mitten im Bau- oder Sanierungsprozess. Die Handwerkerfirmen, die in diesen Projekten für ihn arbeiteten, verloren nicht nur vorerst ihre Aufträge, sondern wurden auch lange nicht für ihre Arbeit bezahlt. Zeitweise drohten reihenweise Konkurse dieser Unternehmen, die vor allem in Ostdeutschland für ihn tätig waren. Später kündigte die Deutsche Bank an, die Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen D-Mark zu übernehmen. Dies seien nur „Peanuts“, wie der damalige Vorstandsvorsitzende Hilmar Kopper sagte – ein Moment, der die deutsche Sprache und die Mediengeschichte prägte.

In der aktuellen Folge unseres True-Crime-Podcasts „Macht und Millionen“ zeichnen wir die Geschichte des Betrügers Jürgen Schneider nach. Wie konnte er sein System aufbauen? Wohin flüchtete er? Und wie wurde er aufgespürt? Außerdem kommt ein Journalist zu Wort, der nach Schneiders Verhaftung als erster in seiner Wohnung war – und ihn auch als erster im Gefängnis interviewte.

Über den Podcast:

Bei „Macht und Millionen“ sprechen Solveig Gode (28) und Kayhan Özgenc (52) alle zwei Wochen über die spannendsten Verbrechen und Skandale der deutschen Wirtschaft. In jeder Folge unseres True-Crime-Podcasts beleuchten die beiden Business-Insider-Journalisten einen Fall, den sie anhand eigener Recherchen und Original-Dokumente neu aufrollen. Sie erzählen von schillernden Millionären und tief gefallenen Managern, aber auch von Menschen von nebenan, die zu Tätern und Opfern wurden – wahre Wirtschaftskrimis, die genau so passiert sind.

Ihr findet die neueste Folge von „Macht und Millionen“ auf Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Podimo oder Deezer. Wenn ihr uns unterstützen und neue Episoden schon eine Woche vorher hören wollt, könnt ihr bei Apple Podcasts oder Spotify dem „Macht und Millionen Club“ beitreten. Dort erhaltet ihr außerdem exklusiv die erste Staffel sowie weitere Bonusinhalte. Das Abo kostet 3,99 Euro im Monat.

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