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Zur Baufinanzierung per Videokonferenz

Seit Beginn der Corona-Pandemie laufen viele Beratungen über Immobilienkredite digital ab. Für Kunden muss das kein Nachteil sein.

Die Corona-Krise beschleunigt den digitalen Wandel. Kunden müssen nicht mehr in die Filiale gehen, um sich über eine Immobilienfinanzierung beraten zu lassen. Der Berater kommt per Video ins Haus.

Berlin (dpa/tmn) - Wer eine Immobilienfinanzierung sucht, geht meist in die Bankfiliale. «Ein Immobilienkredit ist ein komplexes Produkt mit viel Erklärungsbedarf», sagt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

«Zwar gibt es schon seit einigen Jahren für Kunden zahlreicher Banken die Möglichkeit, online Fragebögen dazu auszufüllen. Aber die letzten Feinheiten wurden dann doch im persönlichen Gespräch in der Bank geklärt.»

All das geht nicht mehr, wenn die Beratung ausschließlich am Computer stattfindet. Da spielt es kaum eine Rolle, wie das Büro in der Bank oder das Homeoffice des Mitarbeiters aussieht. Entscheidend sind die reinen Informationen und Fakten. «Für den Kunden hat das durchaus Vorteile», so Herte.

Schub durch Corona-Krise

Die Corona-Krise, vor allem die Zeit der Kontaktbeschränkungen, gab dem Ausbau der digitalen Kanäle einen ordentlichen Schub. Fabian Nadler vom Digitalverband Bitkom stellt fest, dass nach Angaben der Unternehmen die digitale Beratung stark angestiegen ist. «Und wir rechnen damit, dass dieser Trend nachhaltig ist, sich also auch nach der Pandemie fortsetzt.»

Auch das Vergleichsportal Check24 beobachtet diese Entwicklung. «Die Kunden nehmen das Angebot gern an. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die digitale Beratung teilweise verdoppelt», sagt Ingo Foitzik von Check24. «Auch nach Lockerung der Einschränkungen, als die Kunden wieder in die Filialen gehen konnten, lagen die Zahlen nach einem kurzen Rückgang schnell wieder hundert Prozent über dem Vorjahreszeitraum.»

Kunden füllen Fragebogen aus

Und so geht es: Nachdem der Kunde seine Eckdaten zum Finanzierungsvorhaben in einen Online-Fragebogen eingegeben hat, vereinbart er einen Termin mit einem Mitarbeiter des Geldinstituts, der ihn über den gesamten Prozess begleitet. «Der Kunde bekommt telefonisch einen neunstelligen PIN-Code mitgeteilt, mit dem er dann Zugang zum Screensharing erhält. Dafür muss er keine Software herunterladen, wir schicken ihm nur einen Link», erklärt Foitzik.

«So oder ähnlich funktioniert es bei vielen Unternehmen», sagt Fabian Nadler. Der Kunde kann von seinem Computer, Laptop oder Smartphone aus alle Details zur Baufinanzierung mit dem Berater durchgehen. Es ist möglich, mehrere Finanzierungsvarianten durchzuspielen oder Sondertilgungen zu vereinbaren. Diese Videochats dauern manchmal länger als die Beratung per Telefon oder in der Bank, sind aber oft effektiver, weil weniger Folgeberatungen vereinbart werden müssen.

Ein großer Vorteil der digitalen Beratung ist die zeitliche Flexibilität. Statt nach Feierabend noch in die Stadt zur Bank zu fahren, kann der Kunde den Termin so legen, wie es ihm und seiner Familie passt. «Es gibt sogar die Möglichkeit, zwei Darlehensnehmer für denselben Kredit gleichzeitig zu beraten, auch wenn sie nicht zusammen vor dem Computer sitzen», so Ingo Foitzik.

Verbraucher haben Anspruch auf Informationen

Ein wichtiges Thema ist der Datenschutz. «Banken müssen aufgrund neuer Vorschriften das Gespräch aufzeichnen.», betont Fabian Nadler. «Sie müssen sich aber selbstverständlich auch online an die Datenschutzvorgaben halten.»

«Zu beachten ist ebenfalls, dass die Darlehensverträge formal korrekt geschlossen werden», sagt Michael Herte. «Verbraucher haben Anspruch auf verpflichtende Informationen wie die Angabe der Darlehenshöhe, des effektiven Jahreszinssatzes, einen Tilgungsplan oder den Hinweis auf das Widerrufsrecht.»

Der Abschluss der online ausgehandelten Darlehensverträge erfolgt in den meisten Fällen noch auf Papier. «Aber auch das wird sich ändern» prophezeit Foitzik. «Oft wird heute schon das OnlineIdent-Verfahren genutzt, um die Identität gegenüber der Bank zu verifizieren. Und innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre wird sich die digitale Signatur etablieren, die die analoge Unterschrift ablöst.»