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Bauern- und Jägerverband wollen Jagd auf Wildschweine verstärken

Zur Vorbeugung gegen die Afrikanische Schweinepest haben deutsche Bauern die Tötung von 70 Prozent der Wildschweine gefordert und Bürger zu besonderer Vorsicht an den Grenzen aufgerufen

Aus Angst vor dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest fordern die Bauern eine schärfere Jagd auf Wildschweine und rufen zur Vorsicht beim Grenzübertritt auf. "Wenn wir die Afrikanische Schweinepest einmal haben, werden wir sie so schnell nicht wieder los", warnte Bauernverbands-Vizepräsident Werner Schwarz am Freitag in Berlin. Die Tierseuche breitet sich seit einigen Jahren über Russland und das Baltikum in Richtung Westeuropa aus.

Die Afrikanische Schweinepest ist zwar für den Menschen ungefährlich, aber: "Für unsere Schweinehalter könnten die Verluste zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr bedeuten", schätzt Schwarz. Sobald in einem Betrieb die Infektion mit dem Virus festgestellt werde, müssten unmittelbar alle Schweine getötet und entsorgt werden. Knapp 24.000 deutsche Betriebe halten nach Angaben des Bauernverbands insgesamt rund 25 Millionen Hausschweine.

Der Schweinefleisch-Export in Nicht-EU-Länder sei aber sehr wichtig, "da diese vor allem die Teile vom Schwein nachfragen, die der deutsche Verbraucher nicht verzehrt, wie Pfötchen, Ohren und Schweinespeck". 2016 seien über 800.000 Tonnen Schweinefleisch und Nebenprodukte exportiert worden. Bei einem Ausbruch drohe auch hierzulande ein dramatischer Preisverfall von Schweinefleisch.

Daher forderte der Bauernverband vor allem Menschen, die die Ostgrenzen zu Deutschland überqueren, zu verstärkter Vorsicht auf. Unter anderem Reisende, Pflegekräfte und Saisonarbeiter aus osteuropäischen Ländern sowie Lkw-Fahrer sollen demnach dringend darauf achten, keine Wurst und Fleischwaren nach Deutschland mitzubringen.

Essensreste dürften an Raststätten nicht einfach in der Natur entsorgt werden, da Wildschweine sich sonst anstecken könnten. Der Bauernverband rief dazu auf, an allen Parkplätzen und Raststätten vor Tieren verschlossene und sichere Mülltonnen anzubringen und diese regelmäßig zu entleeren.

Bauernvizepräsident Schwarz erklärte, die Tötung eines Großteils des Wildschweinbestands würde die Ansteckungsgefahr verringern. Er forderte, 70 Prozent der Wildschweine müssten erschossen werden. Im vergangenen Jahr seien über 610.000 Wildschweine erlegt worden. Das habe noch nicht zur Verringerung des Bestands geführt.

Den Gesamtbestand bezifferte Jagdverbands-Vizegeschäftsfüher Torsten Reinwald auf 300.000 Wildschweine im Frühjahr und 900.000 im Herbst - bislang würden im Herbst rund zwei Drittel der Tiere erschossen. "Die Politik muss Möglichkeiten schaffen", forderte Reinwald. Der Jagdverband halte zum Beispiel ein Jagdverbot in bestimmten Naturschutzgebieten für "kontraproduktiv".

Auch bestimmte Schonzeiten bei der Jagd sollten aufgehoben werden, forderte der Bauernverband. Bislang ist etwa die Jagd während bestimmter Monate oder die Jagd auf Muttersäue nicht erlaubt. Natürlich solle auch weiterhin kein Muttertier erschossen werden, deren Nachwuchs sich nicht selbst versorgen könne, betonte Bauern-Vizepräsident Schwarz.

Die Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD) bezeichnete diese Forderung als "blinden Aktionismus". Sie rief Bund und Länder auf, "den Transitverkehr stärker zu kontrollieren, Regelverstöße konsequent zu sanktionieren" und bestehende Wildzäune in den Grenzregionen zu reparieren.