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Abt-Audi: "Bauchweh" vor Angststrecke, Chance für Rast

Sven Haidinger
·Lesedauer: 5 Min.

Saison-Halbzeit der DTM auf dem Nürburgring: Und in der Meisterschaft hat sich nach acht von 18 Läufen ein Dreikampf zwischen den beiden Abt-Audi-Piloten Nico Müller (164 Punkte) und Robin Frijns (138) sowie Rosberg-Audi-Pilot und Titelverteidiger Rene Rast (118) herauskristallisiert. Doch während Rast 2018 in der Eifel beide Poles und beide Siege und 2019 den Titel holte, ist der Kurs für das dominierende Abt-Team die Angststrecke.

"Der Nürburgring war in der Vergangenheit definitiv nicht unsere Lieblingsstrecke", bestätigt Abt-Sportdirektor Thomas Biermaier im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Wir mögen zwar die Gegend, haben aber auch immer ein bisschen Bauchweh wegen der Performance."

Tatsächlich schwächelte ausgerechnet Rasts Herausforderer Müller im Vorjahr und zog nur acht Punkte an Land - so wenige wie an keinem anderen Wochenende. Der Titel war damit dahin. "Es hat bei ihm einfach nicht gepasst", meint Biermaier.

Biermaier über Nürburgring: "Oft schlecht ausgesehen"

Aber warum tut sich die Mannschaft aus Kempten in der Eifel so schwer? "Ich kann es nicht sagen", antwortet der Sportdirektor. "Aber das war mit Timo Scheider schon so, auch mit Mattias Ekström. Wir haben da oft schlecht ausgesehen, haben falsche Entscheidungen mit dem Wetter getroffen. Die Performance im Qualifying war nicht so da. Wir haben uns echt schwer getan. Aber nicht nur in den vergangenen Jahren, sondern schon wirklich lange."

Daher nutzte man den viertägigen ITR-Test vor dem Saisonstart, um an den Problemen zu arbeiten. "Wir haben eine gewisse Zeit bei diesem Test genutzt, um die Liebe zum Nürburgring zu finden", schmunzelt Biermaier. "Und ich hoffe, dass das genauso gut klappt wie die restliche Testzeit, als wir versucht haben, ein gutes Standard-Set-up für die Saison zu finden. Die Testtage haben uns auf jeden Fall gutgetan."

Ihm ist bewusst, wie wichtig es ist, dass die Truppe mit dem Nürburgring klarkommt, da auch eine Woche später - diesmal auf der Sprintstrecke - in der Eifel gefahren wird. "Es stehen noch zehn Rennen bevor - und wir müssen auf dem Nürburgring gut sein, wenn wir den Titel holen wollen, denn 40 Prozent aller Rennen finden ab jetzt dort statt. Robin hätte aber im Vorjahr beinahe seinen ersten Sieg geholt, es sollte also schon klappen."

Erstmals seit 2001 auf der Grand-Prix-Strecke

Fakt ist, dass die beiden Piloten des Teams vollmotiviert sind. "Hoffentlich können wir das Maximum aus dieser Zeit herausholen", sagt Müller. "Ich sitze derzeit sehr oft links oder rechts, aber ich würde gerne wieder mal in der Mitte sitzen", peilt der Schweizer nach fünf sieglosen Rennen den dritten Saisonsieg an.

"Wir haben lange gepusht, dass wir endlich einmal die lange Version der Strecke fahren können", verweist er darauf, dass die DTM seit 2001 nicht mehr auf der Grand-Prix-Strecke gastierte, sondern stets die Kurzanbindung nutzte. "Darauf freue ich mich also sehr." Teamkollege Frijns stimmt ihm zu und ist gespannt auf den zusätzlichen Streckenabschnitt im DTM-Auto: "Das ist ein sehr schneller Sektor mit der Dunlop-Kehre und dieser Schikane. Ich weiß noch nicht, ob sie voll geht."

 

Auch bei BMW ist man nach der Angststrecke Assen, auf der man nach durch den Regensieg von Sheldon van der Linde mit einem blauen Auge davonkam, guter Dinge, dass man bei trockenen Bedingungen nicht die nächste Ohrfeige kassiert.

Was für einen BMW-Formanstieg spricht

"Nach dem ITR-Test vor ein paar Wochen wissen wir, was wir dort brauchen, um schnell zu sein", sagt der frischgebackene DTM-Sieger aus Südafrika. "Wir sollten dort bessere Chancen haben, denn langsame Strecken liegen dem BMW besser. Das haben wir auch auf dem Lausitzring gesehen, wo wir viel konkurrenzfähiger waren. Wir haben aber noch Arbeit vor uns, denn unser Renntempo bei trockenen Bedingungen ist weniger stark als im Nassen."

Tatsächlich hat der M4 seine Stärke bei der Traktion aus langsamen Ecken - vor allem die Mercedes-Arena, die Dunlop-Kehre und die NGK-Schikane kommen den Münchnern also entgegen.

Spa-Francorchamps und Assen: BMW erkennt Muster

Noch ein weiterer Faktor könnte BMW helfen: Auf dem Nürburgring ist nicht davon auszugehen, dass der üblicherweise auf 1,3 bar festgelegte Mindestreifendruck von Reifenhersteller Hankook angehoben wird. Denn immer dann, wenn das - wie in Spa-Francorchamps mit 1,45 bar und in Assen mit 1,35 bar - passierte, war BMW bei trockenen Bedingungen völlig von der Rolle.

"Wenn wir uns die ersten vier Rennwochenenden anschauen, dann hatten wir bei zwei einen höherem Minimumreifendruck. Und an diesen zwei Wochenenden haben wir schlechter ausgesehen", bestätigt auch Timo Glock, in der Meisterschaft als bester BMW-Pilot Sechster ist. "Das scheint uns ein bisschen mehr weh zu tun."

Schlechte BMW-Form als Luxus?

Wie die Konkurrenz BMW in der Eifel einschätzt? "Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung", zuckt Audi-Pilot Loic Duval mit den Schultern. "Wir sind ohne große Erwartungen nach Spa gereist, aber dann waren wir viel besser als sie. Auf dem Lausitzring waren sie dran an uns - und jetzt hatten sie wieder Probleme. Wir bleiben konstant und bei ihnen geht es auf und ab", wird der Franzose aus der BMW-Form nicht schlau.

"Für die Show wäre es natürlich besser, wenn alle miteinander kämpfen, aber es ist nicht unsere Aufgabe, auf sie zu schauen." Duval ist aber bewusst, dass die in der Meisterschaft chancenlosen Münchner einen großen Vorteil haben. "Wenn sie so weit weg sind, haben sie den Luxus, dass sie bei der Strategie pokern können", sagt er. "Und manchmal geht es eben auf, auch wenn der Audi auch in Assen das beste Auto war."

Auf dem Nürburgring ist im Gegensatz zum Assen-Sonntag relativ stabiles Wetter mit Höchstwerten von 22 Grad angesagt. Wer aber die Eifel kennt, der weiß, dass diese diesbezüglich stets für eine Überraschung gut sein könnte. Und dann könnte BMW beim Strategiepoker erneut alles auf eine Karte setzen - und gewinnen.

Mit Bildmaterial von Audi AG.