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BASF streicht 2000 Stellen in der Verwaltung

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Der Chemiekonzern stutzt seine Servicetochter um ein Viertel und will die Kosten um 200 Millionen Euro senken. Viele Aufgaben werden digitalisiert.

Schon vor einem Jahr hatte BASF angekündigt, weltweit 6000 Stellen zu streichen. Foto: dpa
Schon vor einem Jahr hatte BASF angekündigt, weltweit 6000 Stellen zu streichen. Foto: dpa

BASF wird im Zuge der Neuausrichtung mehr Stellen abbauen als bisher geplant. Der weltgrößte Chemiekonzern kündigte am Dienstag an, in seiner neu gegründeten internen Dienstleistungstochter Global Business Services bis zu 2000 Arbeitsplätze abzubauen.

Schon das bisherige Sparprogramm, das bis Ende 2020 umgesetzt werden soll, sieht konzernweit einen Wegfall von 6000 Stellen vor. Der nun angekündigte Umbau bei der Service-Tochter ist darin noch nicht enthalten, wie ein Sprecher bestätigte.

Die Tochter Global Business Services wurde erst Anfang dieses Jahres geschaffen. Sie übernimmt als interner Dienstleister Verwaltungsaufgaben für einzelne operative Einheiten in aller Welt.

Dazu gehören etwa Finanzbuchhaltung, Personalwesen, Gesundheits- und Sicherheitsmanagement, Kommunikation und Logistik. In der neuen Einheit waren beim Start 8400 Menschen beschäftigt. Bis Ende 2022 soll sie also um rund ein Viertel verkleinert werden.

BASF erwartet von dem Schritt weitere Kostensenkungen in Höhe von 200 Millionen Euro, die ab 2023 erreicht werden sollen. Das bisherige Effizienzprogramm hatte bereits Einsparungen über 300 Millionen Euro zum Ziel. Der Konzern kämpft aktuell mit den Folgen der Corona-Pandemie. Im zweiten Quartal ist der Betriebsgewinn um 80 Prozent eingebrochen, und auch im laufenden dritten Quartal könnte es einen Rückgang in dieser Größenordnung geben.

Komplizierte Organisation über die Jahre gewachsen

Konzernchef Martin Brudermüller unterstrich im Juli: „Es besteht ein erhebliches Risiko, dass sowohl die wirtschaftliche Erholung als auch die mittel- und langfristige gesamtwirtschaftliche Entwicklung langsamer verlaufen als vor der Corona-Pandemie.“

Hinter dem nun erweiterten Sparprogramm steckt aber mehr als nur eine Reaktion auf die momentane Konjunkturschwäche. BASF will seit geraumer Zeit seine strukturellen Probleme angehen – und die liegen vor allem in der Komplexität. Der Konzerns vereint eine Vielzahl von Chemiegeschäften unter einem Dach, was auch an seiner integrierten Produktionskette von der Basischemie bis zu Spezialprodukten liegt.

Über die Jahre hinweg hat sich bei den Ludwigshafenern daraus eine weit verzweigte und komplizierte Organisation ergeben, die nach Ansicht des heutigen Managements nicht nah genug am Kunden arbeitet. BASF will dies ändern und hat dafür bereits die Sparten neu zugeschnitten und verkleinert. Jetzt setzt der Konzern bei der Verschlankung der Verwaltung an.

Dazu sollen die Dienstleistungen von Global Business Services von vielen einzelnen Standorten abgezogen und in wenigen globalen Zentren gebündelt werden, wie der Konzern mitteilte. Klar ist, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung bei dem Stellenabbau eine große Rolle spielen. „Wir wollen über eine grundlegende Vereinfachung der Prozesse und die Nutzung digitaler Lösungen flexibel und wettbewerbsfähig auf die Anforderungen der BASF-Geschäftseinheiten eingehen“, sagte sagt Marc Ehrhardt, Leiter des Bereichs Global Business Services.

In vielen Konzernen übernehmen nach und nach Robotersysteme einfache Verwaltungsjobs. Das ist beispielsweise im Finanzwesen der Fall, wo simple wiederkehrende Tätigkeiten besser und schneller von Software erledigt werden können.

Experten gehen davon aus, dass mit der Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz der Einsatz dieser Prozessautomatisierung noch zunehmen wird, beispielsweise in der Steuerung der Logistik und in der Personalverwaltung. Was konkret BASF an Digitalisierung von Verwaltungsaufgaben plant, gab der Konzern am Dienstag noch nicht bekannt.