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BASF IM FOKUS: Chemiekonzern auf Erholungskurs

·Lesedauer: 6 Min.

LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Die Geschäfte des Chemiekonzerns BASF <DE000BASF111> liefen zuletzt dank einer anziehenden Nachfrage vor allem der Autobauer wieder deutlich besser. 2020 konnte der Dax <DE0008469008>-Konzern wegen des coronabedingten Einbruchs im zweiten und dritten Quartal beim Ergebnis nicht annähernd den Vorjahreswert erreichen. Was bei dem Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI BASF:

Im vergangenen Jahr machte dem Unternehmen vor allem die schwache Nachfrage der Auto- und Luftfahrtbranche in den ersten Monaten der Corona-Pandemie zu schaffen. Seit dem Schlussquartal 2020 läuft es für BASF dank einer anziehenden Nachfrage insbesondere aus der Autoindustrie wieder deutlich besser. Im laufenden Jahr peilt der Konzern Zuwächse bei Umsatz und operativen Ergebnis an.

"Wir hatten einen guten Januar, wir hatten einen guten Februar", sagte Finanzchef Hans-Ulrich vor gut einem Monat im Rahmen des Kapitalmarkttages. Auch der März laufe bislang ähnlich gut wie die beiden ersten Monate. Sollten sich die Geschäfte bis zum Jahresende weiter so entwickeln, dann werde BASF das obere Ende der im Februar ausgegebenen Jahresziele 2021 erreichen.

2021 peilt das Unternehmen einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von 4,1 bis 5 Milliarden Euro an. 2020 ging das operative Ergebnis um 23 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz soll 2021 auf 61 bis 64 Milliarden Euro steigen nach rund 59 Milliarden Euro im Vorjahr.

BASF habe bei den Prognosen breite Spannen angegeben, um auch das Risiko von erneuten Unterbrechungen der globalen Lieferketten sowie die damit verbundenen negativen Effekte auf die gesamte Wirtschaft zu berücksichtigen, hatte BASF-Chef Martin Brudermüller bei Vorlage der Jahresbilanz 2020 im Februar gesagt. "Wir sind aber zuversichtlich, dass wir ohne solche negativen Auswirkungen ein Ergebnis erwirtschaften können, das am oberen Rand unseres Prognoseintervalls liegt", hatte er damals angefügt.

Der Konzern hatte im vergangenen Jahr wegen der coronabedingten Probleme noch einmal seinen Sparkurs verschärft. Bis zu 2000 Stellen weltweit will das Unternehmen in seiner erst Anfang 2020 entstandenen Dienstleistungseinheit "Global Business Services" bis Ende 2022 abbauen. Mit den Stellenstreichungen will BASF ab dem Jahr 2023 mehr als 200 Millionen Euro jährlich einsparen. Bei der Einheit arbeiten weltweit rund 8400 Beschäftigte, davon rund 1400 in Ludwigshafen. Die Einheit kümmert sich unter anderem um Finanzen, Logistik und Personal.

Konzernchef Martin Brudermüller hatte bereits 2019 ein Sparprogramm mit der Streichung von 6000 Stellen aufgesetzt, um den Konzern profitabler zu machen. Damit will das Management den operativen Gewinn (Ebitda) ab 2021 jährlich um zwei Milliarden Euro verbessern. Der Großteil dieses Stellenabbaus ist bereits abgeschlossen. So beschäftigte der Konzern zuletzt nach Unternehmensangaben 117 000 Mitarbeiter und damit 5000 weniger als Ende 2018.

Im Fokus steht auch die BASF-Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea - unter anderem wegen ihrer finanziellen Beteiligung an der vor allem von den USA stark kritisierten Ostsee-Gas-Pipeline Nord Stream 2. Über diese soll Gas direkt von Russland nach Deutschland transportiert werden. Eigentlich wollte Konzernchef Brudermüller die ehemalige Öl-und-Gas-Tochter im zweiten Halbjahr 2020 an die Börse bringen. Wintershall Dea, an der BASF noch rund 70 Prozent hält, soll nun im laufenden Jahr 2021 aufs Parkett gehen.

Ab 2050 will BASF klimaneutral sein und plant dafür Milliardeninvestitionen. Bis 2025 sind Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro sowie bis 2030 von weiteren zwei Milliarden bis drei Milliarden Euro geplant. "Der Klimawandel ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts", sagte Unternehmenschef Brudermüller auf dem Kapitalmarkttag. BASF werde verstärkt auf den Einsatz erneuerbarer Energien setzen und die Entwicklung und den Einsatz neuer CO2-freier Verfahren für die Herstellung von Chemikalien beschleunigen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Von den 15 der seit Anfang des Jahres im dpa-AFX-Analyser erfassten Experten, die sich mit BASF näher befasst haben, empfehlen derzeit neun die Aktie zum Kauf. Fünf raten zum Halten und einer zum Verkauf der Anteilscheine. Im Schnitt liegt das Kursziel bei rund 76 Euro. Aktuell kosten die Papiere gut 71 Euro.

Laut Analyst Thomas Wrigglesworth von der US-Bank Citigroup <US1729674242> befindet sich BASF in einem starken Aufschwung. Bei über den Konzernzielen für 2021 liegenden Markterwartungen sei der Optimismus aber zunächst eingepreist. Nach Ansicht von Analyst Markus Mayer von der Baader Bank erholten sich die zyklischen Geschäftseinheiten des Chemiekonzerns BASF schneller als vom Markt erwartet. Ein starkes erstes Halbjahr 2021 und eine mögliche Erhöhung der Jahresziele hält Mayer bereits für eingepreist.

Die Zahlen der BASF-Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea für das erste Quartal sind Mayer zufolge sehr stark ausgefallen. Seiner Ansicht nach gehört das Unternehmen wegen des großen Gas- und wachsenden Wasserstoff-Portfolios, der niedrigen Produktionskostenkurve und der damit verbundenen starken Cashflow- und Dividendengenerierung zu den interessantesten Gas- und Ölkonzernen. Der geplante Börsengang des Kasseler Unternehmens dürfte zum Auslöser für eine Neubewertung des Preises und Rating der BASF-Aktie führen.

Analyst Peter Spengler von der DZ Bank erwartet, dass sich der starke Erholungstrend der Öl- und Gasmärkte im ersten Halbjahr 2021 fortsetzen wird. Unter der Voraussetzung, dass die Kapitalmarktbedingungen günstig bleiben, sei der Börsengang von Wintershall Dea für Ende 2021 avisiert. Die Aktionäre der BASF würden von einem Börsengang der Sparte indirekt profitieren, da die Bilanz von der dann zufließenden Liquidität gestärkt werde.

Mit der Erhöhung des Klimaziels haben Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan <US46625H1005> zufolge die Ludwigshafener zu anderen europäischen Produzenten aufgeschlossen, die den Ausstoß des Gases in diesem Zeitraum in absoluten Zahlen reduzieren wollen. Zu der Realisierung des Klimaziels wird BASF nach Ansicht von Analyst Tim Jones von der Deutschen Bank <DE0005140008> das Unternehmen aber tiefer in die eigenen Taschen greifen müssen. Auf längere Sicht aber dürften die Ergebnisse und der Cashflow von den Maßnahmen profitieren.

DAS MACHT DIE AKTIE:

In der ersten Phase der Corona-Krise vor gut einem Jahr rutschte der Kurs innerhalb weniger Wochen um mehr als 40 Prozent ab. Mitte März 2020 kostete die BASF-Aktie mit 37,36 Euro so wenig wie seit 2009 nicht mehr. Inzwischen konnte sich die Aktie wieder von diesem Verlust erholen und liegt aktuell mit rund 71 Euro leicht über dem Niveau, das sie im November 2019 innehatte.

Mit einem Plus von fast 10 Prozent seit Anfang des Jahres schnitt die Aktie allerdings etwas schlechter ab als der Dax, der seitdem um gut 11 Prozent zulegen konnte. Mittelfristig haben die Aktionäre wenig Freude an dem Papier. Seit dem Rekordhoch von 98,80 Euro Anfang 2018 sank der Kurs um gut ein Viertel.

Über die vergangenen zehn Jahre konnten die Papiere kaum zulegen, während der deutsche Leitindex <DE0008469008> und der europäische Branchenindex Stoxx 600 Chemie <EU0009658608> sich fast verdoppelt haben.

Aktuell beträgt der Börsenwert des Unternehmens knapp 66 Milliarden Euro - damit liegt der Konzern in dieser Rangliste auf dem achten Platz im Dax. Zur Amtsübernahme Brudermüllers im Mai 2018 hatte BASF mit ungefähr 80 Milliarden noch auf dem sechsten Platz gelegen.