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BASF IM FOKUS: Chemiekonzern nach Corona-Knick wieder im Aufwind

·Lesedauer: 6 Min.

LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Die Corona-Pandemie hat dem Chemiekonzern BASF <DE000BASF111> zunächst heftig zugesetzt - doch zuletzt lief es aber wieder besser. Was bei dem Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI BASF:

Vor allem die schwache Nachfrage der Auto- und Luftfahrtbranche in den ersten Monaten der Corona-Pandemie hatte BASF große Sorgen bereitet. Zuletzt liefen die Geschäfte dank einer anziehenden Nachfrage vor allem der Autobauer aber wieder besser. Umsatz und operatives Ergebnis (bereinigtes Ebit) legten im Schlussquartal 2020 nach vorläufigen Zahlen im Jahresvergleich deutlich zu.

Allerdings konnte BASF im Gesamtjahr wegen des coronabedingten Einbruchs im zweiten und dritten Quartal beim Ergebnis nicht annähernd den Vorjahreswert erreichen. Im Gesamtjahr 2020 stand vor allem aufgrund von Abschreibungen ein Verlust vor Zinsen und Steuern, nachdem der Konzern im Vorjahr noch einen Milliardengewinn erzielt hatte. Details zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2020 will BASF am 26. Februar vorlegen.

Der Konzern verschärfte wegen der Probleme noch einmal seinen Sparkurs. Bis zu 2000 Stellen weltweit will das Unternehmen in seiner erst Anfang des Jahres entstandenen Dienstleistungseinheit "Global Business Services" bis Ende 2022 abbauen. Mit den Stellenstreichungen will BASF ab dem Jahr 2023 mehr als 200 Millionen Euro jährlich einsparen. Bei der Einheit arbeiten weltweit rund 8400 Beschäftigte, davon rund 1400 in Ludwigshafen. Die Einheit kümmert sich unter anderem um Finanzen, Logistik und Personal.

Konzernchef Martin Brudermüller hatte bereits 2019 ein Sparprogramm mit der Streichung von 6000 Stellen aufgesetzt, um den Konzern profitabler zu machen. Damit will das Management den operativen Gewinn (Ebitda) ab 2021 jährlich um zwei Milliarden Euro verbessern. Der Großteil dieses Stellenabbaus ist bereits abgeschlossen. So beschäftigte der Konzern zuletzt nach Unternehmensangaben 117 000 Mitarbeiter und damit 5000 weniger als Ende 2018.

Derweil will der Konzern mit einem Tankschiff mit geringem Tiefgang ab Ende 2022 gegen Niedrigwasser im Rhein gerüstet sein. Die Verträge für den Bau und die Nutzung des Schiffs sind laut jüngsten Unternehmensangaben unterschrieben. BASF transportiert 40 Prozent der Güter an seinem Stammwerk in Rheinland-Pfalz per Schiff. In der Vergangenheit hatte ein geringer Wasserstand zum zeitweisen Produktionsstopp geführt.

Im Fokus steht auch die BASF-Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea - unter anderem wegen ihrer finanziellen Beteiligung an der vor allem von den USA stark kritisierten Ostsee-Gas-Pipeline Nord Stream 2. Über diese soll Gas direkt von Russland nach Deutschland transportiert werden. Eigentlich wollte Konzernchef Brudermüller die ehemalige Öl-und-Gas-Tochter im zweiten Halbjahr 2020 an die Börse bringen. Doch aufgrund des Ölpreisrutsches musste der Konzern im zweiten Quartal zunächst einmal satte Abschreibungen auf seine Beteiligung hinnehmen.

Am Börsengang hält der Konzern laut Finanzchef Hans-Ulrich Engel trotzdem fest, wie er bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal Ende Oktober noch einmal betonte. Wintershall Dea, an der BASF noch rund 70 Prozent hält, soll 2021 an die Börse gebracht werden. Die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ist politisch hoch umstritten. Die USA fürchten eine zu hohe Abhängigkeit Deutschlands und der EU vom Russland - deshalb drohen die Vereinigten Staaten mit Sanktionen gegen beteiligte Unternehmen und haben diese schon zum Teil umgesetzt. Auch in der EU und hierzulande fordern viele Politiker einen Baustopp.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Von den 15 der seit Oktober im dpa-AFX-Analyser erfassten Experten, die sich mit BASF näher befasst haben, empfehlen derzeit acht die Aktie zum Halten. Sechs raten zum Kauf und einer zum Verkauf der Anteilscheine. Im Schnitt liegt das Kursziel bei rund 71,50 Euro. Aktuell kosten die Papiere 68 Euro.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnen die Analysten im Schnitt wegen milliardenschwerer Abschreibungen mit einem auf die Aktionäre anfallenden Verlust von 1,4 Milliarden Euro. 2019 hatte hier noch ein Gewinn nach Steuern und Minderheiten von 8,4 Milliarden Euro gestanden. Allerdings war hier ein Buchgewinn in Höhe von rund 5,7 Milliarden Euro enthalten. Ohne diesen und im fortgeführten Geschäft hatte der Überschuss 2,55 Milliarden Euro betragen.

Die vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal überraschten die meisten Analysten positiv. Analystin Georgina Iwamoto von der US-Investmentbank Goldman Sachs hob hervor, dass der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) die durchschnittliche Analystenschätzung um fast ein Drittel sowie ihre eigene Erwartung um knapp 20 Prozent übertroffen habe.

Eine wirkliche Überraschung sind die Zahlen ihr zufolge aber nicht, nachdem im Dezember bereits Covestro wegen eines starken vierten Quartals seine Jahresziele außergewöhnlich deutlich angehoben hatte. Jefferies-Analyst Laurence Alexander sprach mit Blick auf BASF ebenfalls von starken vorläufigen Eckzahlen. Sie gäben einen Vorgeschmack auf die Hebelwirkung einer zyklischen Erholung.

Für die einzelnen Segmente verwies Alexander darauf, dass vor allem die Bereiche Materials, Chemicals (Basischemikalien) und Industrial Solutions die Ebit-Erwartungen deutlich übertroffen hätten. Zum ersteren Bereich gehören Vorprodukte wie etwa Isocyanate und Polyamide für die Kunststoffindustrie und die kunststoffverarbeitende Industrie. Der letzte Bereich besteht unter anderem aus dem Geschäft Dispersionen und Pigmente.

Das Geschäft mit Pflanzenschutz und Saatgut dagegen habe enttäuscht. Er rechnet aber mit besseren Ergebnissen in der Sparte auf dem Weg in Richtung zweites Halbjahr 2021 sowie im Jahr 2022. Die Investoren dürfte seiner Ansicht nach angesichts des zyklischen Rückenwinds im Bereich Industrie und auf den Automobil-Märkten ebenfalls über diese kurzfristigen Störungen hinwegschauen.

Wichtige Themen für die Telefonkonferenz für Investoren und Analysten am 26. Februar dürften Alexander zufolge vor allem sein, ob die Nachfrage lediglich ins vierte Quartal vorgezogen worden sei, weil die Kunden leere Lager wieder gefüllt hätten, und ob sich der Rückenwind durch Kosteneinsparungen eher nach hinten hin verlagere.

Nach Ansicht von Analyst Chris Counihan von der Schweizer Bank Credit Suisse startet der Chemiekonzern mit einer positiven Dynamik ins neue Jahr. Insgesamt dürften sich laut Analyst Markus Mayer von der Baader Bank die von ihm beobachteten europäischen Chemiewerte schneller und stärker als derzeit vom Markt erwartet erholen. Dies spiegele sich aber bereits teilweise in den Bewertungen wider. Bei BASF sollten niedrige Marktschätzungen, eine zyklische Erholung und Portfolio-Veränderungen eine Neubewertung 2021 beschleunigen.

DAS MACHT DIE AKTIE:

In der ersten Phase der Corona-Krise vor einem Jahr rutschte der Kurs innerhalb weniger Wochen um mehr als 40 Prozent ab. Mitte März kostete sie mit 37,355 Euro so wenig wie seit 2009 nicht mehr. Inzwischen konnte sich die Aktie wieder von diesem Verlust erholen und liegt aktuell mit rund 68 Euro leicht über dem Niveau, das sie Ende 2019 innehatte.

Mit einem Plus von knapp einem Prozent in diesem Zeitraum schnitt die Aktie allerdings schlechter ab als der Dax, der seit Ende 2019 knapp sechs Prozent zulegen konnte - und auch mittelfristig haben die Aktionäre wenig Freude an dem Papier. Seit dem Rekordhoch von 98,80 Euro Anfang 2018 sank der Kurs um fast ein Drittel.

Über die vergangenen zehn Jahre konnten die Papiere kaum zulegen, während der deutsche Leitindex <DE0008469008> und der europäische Branchenindex Stoxx 600 Chemie <EU0009658608> sich fast verdoppelt haben.

Aktuell beträgt der Börsenwert des Unternehmens 62 Milliarden Euro - damit liegt der Konzern in dieser Rangliste auf dem achten Platz im Dax. Zur Amtsübernahme Brudermüllers im Mai 2018 hatte BASF mit ungefähr 80 Milliarden noch auf dem sechsten Platz gelegen.