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Baron von Bechtolsheim verwaltet die Milliarden der reichsten Familien Deutschlands — hier verrät er, wie er diese Vermögen anlegt

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Christian Freiherr von Bechtolsheim in seinem Büro in Frankfurt
Christian Freiherr von Bechtolsheim in seinem Büro in Frankfurt

„Es schläft sich gut“, antwortet Christian Freiherr von Bechtolsheim auf die Frage, ob es nicht seinen Schlaf raube, für so viel Geld verantwortlich zu sein. Der 61-Jährige ist Vermögensverwalter aus Frankfurt und betreut die Finanzen der Superreichen – ein Betrag in Milliardenhöhe.

„Wenn man so viele Wirrungen und Irrungen auf den Märkten gesehen hat, wie ich, ist man entspannt, auch bei dieser Summe“, sagt Bechtolsheim im Gespräch mit Business Insider. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet der Finanz-Experte in dieser Branche. 1999 gründete er gemeinsam mit Andreas Jacobs, dem Erbe der Bremer Kaffee- und Schokoladen-Dynastie die Focam AG. Heute arbeiten rund 25 Anlage-Spezialisten beim renommierten Vermögensverwalter in der Finanzmetropole Deutschlands.

Ein Multi-Family-Office wie die Focam verwaltet das Vermögen von mehreren reichen Familien. Um von Bechtolsheim und seinem Team beraten zu werden, muss das Konto prall gefüllt sein: 30 Millionen Euro sollte ein Family-Office-Mandant mitbringen. Für eine Einzelperson reichen schon fünf Millionen Euro. Seine Kunden sind zum größten Teil namhafte deutsche Unternehmer. Wer genau sich von der Focam beraten lässt, bleibt ein Geheimnis – konkrete Namen darf Bechtolsheim nicht nennen. Er verrät nur so viel: Es seien Personen, die man „natürlich kennt“.

„Ich bin der Dompteur einer Familie"

Aber auch Bechtolsheim selbst ist kein einfacher Mann, aus einfachem Haus. Der Baron stammt aus München, ist Erbe der uradeligen Familie der Freiherren von Mauchenheim genannt Bechtolsheim und ein Nachfahre der Fugger, der reichsten Kaufmannsfamilie Europas im Mittelalter.

Heute kümmert Bechtolsheim sich um das Geld anderer und sei letzten Endes der „Dompteur einer Familie“, wie er selber über die Beziehung zu seinen Kunden sagt. Sollte es unter den Verwandten kriseln, würde er vermitteln. Das gäbe es nicht oft, aber hin und wieder.

Zu dem Baron kommen die wohlhabendsten Familien Deutschlands. Sie vertrauen ihm ihr Geld an, damit er hilft, das Vermögen richtig anzulegen und langfristig zu sichern. Doch bevor es zum Investment kommt, muss er auch manchen Superreichen erst einmal erklären, wie der Finanzmarkt funktioniert. „Es gibt Menschen, die sind hervorragende Unternehmer, aber sobald eine Aktie im Kurs fällt, werden sie verrückt“, erzählt Bechtolsheim. Anfangs müsste er oft unterrichten, dass Kursschwankungen „vollkommen normal“ sind: „Bei Aktien ist eine gewisse Entspannung notwendig.“

Von Kryptowährungen hält Bechtolsheim gar nichts

Seinen Kunden empfiehlt er klassisch und traditionell zu investieren. „Weil wir mit dem Geld anderer Leute agieren, dürfen wir keine Fehler machen“, erklärt Bechtolsheim. Das bedeutet für ihn ganz klar: „Wir investieren auf keinen Fall in Bitcoins. Die ganzen Kryptowährungen sind gar nichts für uns. Das halte ich für sehr gefährlich.“ Das sei ein „hochpolitischer Markt“ und laut Bechtolsheim „sehr betrugsanfällig“. „Da lasse ich vollkommen die Hände davon.“

Auch in einzelne Startups legt der Finanz-Experte keinesfalls Geld an. Die Überprüfung der Startups sei so schwierig, dass eine Investition eher einem Glücksspiel ähnele, so Bechtolsheim. Falls ein Mandant privat investieren will, würde die Focam die Finanzierung begleiten und beispielsweise das eigene Netzwerk fragen, was sie von den Gründern und dem Unternehmen halten. „Da kriegt man dann ein gewisses Gefühl für das Startup“, erklärt Bechtolsheim. „Aber wir würden eine Investition in Startups niemals aktiv empfehlen.“

Stattdessen rät Bechtolsheim in Aktien, Immobilien, Gold und Private Equity zu investieren. „Eine Anlageform muss durch einen gewissen Zeitfilter gegangen sein, erst dann kann ich die Anlage ergründen und die Risiken bewerten“, erklärt der Milliardärs-Verwalter. „Bei Aktien und Immobilien traue ich mir das zu.“ Solange die Zinsen so niedrig bleiben, seien Aktien, Immobilien und Private Equity trotz enormen Preisen „hochinteressant.“

Private Equity, also Unternehmensbeteiligungen, machen es möglich, direkt in eine Firma zu investieren. Diese Anlagemöglichkeit bleibt wohlhabenden Personen aber vorenthalten, da die Einstiegssumme meist mindestens sechsstellig ist. „Die meisten Mandanten, die wir haben, sind entweder Unternehmer oder ehemalige Unternehmer, die ihr Unternehmen verkauft haben“, sagt Bechtolsheim. Diese Kunden hätten ein „sehr gutes Marktgefühl“ für bestimmte Branchen, aus denen sie kommen. Im Zweifelsfall kennen diese sich viel besser aus, als er selbst. „Denen helfen wir bei der Finanzplanung, wenn sie in ein Unternehmen einsteigen oder es übernehmen wollen“, sagt Bechtolsheim.

Investitionen in Wälder überleben alles - „von der Inflation bis hin zum Krieg“

Neben den klassischen Anlagen ist Bechtolsheim auch ein großer Freund, sein Geld in Wälder anzulegen. Das habe einen historischen Grund: „Wenn man sich die Vermögensstrukturen in Deutschland anschaut, dann sehen sie, dass dies die ältesten Vermögensformen sind, die es gibt. Investitionen in Land- und Forstwirtschaft haben alles überlebt, von der Inflation bis hin zum Krieg.“ Es gebe Wälder, die schon seit 1000 Jahren im Besitz derselben Familie sind. „Auf Ländereien beruht das Vermögen von den großen, alten, deutschen, meist adeligen Familien.“

Es sei möglich, international und breit gestreut in die Baum-Branche zu investieren. Seine Kunden könnten in verschiedene Baumarten, wie Eiche, Kiefer und Buche ihr Geld anlegen oder auch Wälder in den USA, Neuseeland oder Deutschland kaufen. Der Preis für einen Wald kann dabei mehrere Millionen Euro betragen, damit sich die Rendite auch lohnt.

Bei solchen Investments hätten Anleger das Risiko, einen Wald in der falschen Lage zu kaufen, sodass eine Trockenheit oder ein Borkenkäfer die Rendite für die nächsten 20, 30 Jahre vernichten kann, erklärt Bechtolsheim. Das sei besonders schlimm für jemanden, der nur von diesem Wald leben müsste. „Auf lange Sicht sind Mandanten mit Ländereien und Wäldern gut bedient, wenn sie zusätzlich noch andere Anlagen haben, von denen sie leben und zur Not eine Krise durchstehen können."

„Ich würde in keine Kondom-Firma investieren“, sagt Bechtolsheim lachend

Auch Bechtolsheim ist Eigentümer eines Waldes, was ihm eine „unglaubliche Nähe zur Natur“ verschaffe. So könne er auch die Entwicklung des Waldes bestimmen. "Ich versuche einen Wald zu fördern, der für alle Menschen zugänglich ist und allen gefällt.“ Er genieße es, um vier Uhr in der Früh auf Jagd zu gehen, anschließend seine Thermoskanne aufzudrehen und die einfallenden Sonnenstrahlen im Wald zu beobachten. „Da geht eine glückliche Seele in einem auf.“

Neben Investitionen in den Wald wachse auch die Sensibilität hinsichtlich nachhaltiger Anlageformen, die die Umwelt nicht schädigen, so Bechtolsheim. „Die meisten achten schon sehr darauf und wir auch“. Vor allem in der jüngeren Generation würde der Klimaschutz-Aspekt in der Geld-Anlage immer wichtiger werden.

Auch eigene ethische Ansichten werden in Bechtolsheim Anlage-Strategie deutlich: In Öl-Unternehmen und die Waffenindustrie legt er kein Geld an. „Das würde nicht zu mir persönlich passen.“ Scherzhaft ergänzt er, dass er auch in keine Kondom-Firma investieren würde, er sei ja „streng katholisch“, sagt Bechtolsheim lachend.

Viele „ökonomische Analphabeten“ in Deutschland

Ein großes Anliegen ist ihm außerdem das Thema Bildung. Ihn ärgert es, dass in der Schule kaum gelehrt werde, wie das Wirtschaftssystem funktioniert. „Da haben manche eine derartige Milchmädchenvorstellung, dass ich sie fast als ökonomische Analphabeten bezeichnen würde.“

Privatanlegern, die sich nicht auskennen, würde Bechtolsheim empfehlen, ihr Geld in ETFs anzulegen. Ein ETF (Exchanged-Traded Funds) ist ein Aktienkorb, der nicht von einem Manager aktiv verwaltet wird, sondern automatisch bestimmten Indizes folgt. „Da haben sie die Breite des Marktes abgedeckt. Das halte ich für was Gutes und Vernünftiges.“ Wenn jemand versteht, wie Märkte funktionieren, könne man sich auch „auf die Suche“ nach Einzelaktien machen. Grundsätzlich rät der Vermögensverwalter bei kleineren Summen ausschließlich in Aktien zu investieren, am besten mit einem langfristigen Ansatz.

In den bekanntesten ETF anzulegen, den MSCI World, welcher 1600 Unternehmen abbildet, hält Bechtholsheim für „irrsinnig breit“. „Für die grobe Bevölkerung macht dies absolut Sinn. Wir haben aber den Anspruch auf Dauer besser als der Markt zu sein.“

Egal welche Anlegeform gewählt wird, sei vor allem die Wahl des Geschäftspartners der wichtigste Faktor für Erfolg, so Bechtolsheim. Genau dafür bezahlen die Kunden Bechtolsheim und sein Team letztlich: „Weil wir die richtigen Menschen kennen."

Wie teuer ist der Rat des Barons? Eine konkrete Vergütungstabelle nennt er nicht. Aber Bechtolsheim sagt, für seine Kunden sei der Preis quasi "gar nichts". "Denn die Fehler, die sie ohne uns machen würden, wären noch teurer.“

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