Deutsche Märkte schließen in 44 Minuten
  • DAX

    15.280,94
    -124,55 (-0,81%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.132,99
    -34,38 (-0,82%)
     
  • Dow Jones 30

    33.783,38
    -223,50 (-0,66%)
     
  • Gold

    1.925,70
    -10,90 (-0,56%)
     
  • EUR/USD

    1,0588
    -0,0007 (-0,06%)
     
  • Bitcoin EUR

    24.720,89
    +40,62 (+0,16%)
     
  • CMC Crypto 200

    559,97
    -3,84 (-0,68%)
     
  • Öl (Brent)

    90,17
    +0,49 (+0,55%)
     
  • MDAX

    25.740,84
    -389,02 (-1,49%)
     
  • TecDAX

    2.971,33
    -25,13 (-0,84%)
     
  • SDAX

    12.627,14
    -159,87 (-1,25%)
     
  • Nikkei 225

    32.315,05
    -363,57 (-1,11%)
     
  • FTSE 100

    7.633,69
    +9,70 (+0,13%)
     
  • CAC 40

    7.077,97
    -45,91 (-0,64%)
     
  • Nasdaq Compositive

    13.158,24
    -113,08 (-0,85%)
     

Hohe Inflation: Fed dreht trotz Bankenkrise an Zinsschraube

Washington (dpa) - Die US-Notenbank Fed hat trotz der Krise im Bankensektor ihren Kampf gegen die hohe Inflation fortgesetzt und den Leitzins moderat erhöht. Fed-Chef Jerome Powell machte deutlich, die Notenbank werde die Zinsen falls nötig auch weiter anheben.

Gleichzeitig erwarte man, dass die jüngsten Bankenausfälle die Nachfrage ausbremsen könnten und so einen ähnlichen Effekt wie Zinserhöhungen haben könnten. «Das bedeutet im Prinzip, dass die Geldpolitik weniger Arbeit zu erledigen hat», sagte Powell. Im Moment gebe es aber noch eine große Unsicherheit. Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen erfüllte die Federal Reserve (Fed) nicht.

Die Notenbank der größten Volkswirtschaft der Welt erhöhte ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte - er liegt nun in einer Spanne von 4,75 bis 5,0 Prozent. Es ist die neunte Zinsanhebung in Folge. Mit dem Schritt setzt die Fed ihren Kampf gegen den Anstieg der Verbraucherpreise fort, nimmt aber von einer aggressiveren Zinspolitik Abstand, um die Märkte wegen der Unruhe im Bankensektor nicht zu sehr zu verunsichern.

Fed zog sogar Pause bei Zinsschritten in Erwägung

Noch Anfang März hatte Powell deutlich andere Töne angeschlagen und klar gemacht, dass die Fed bereit sei, das Tempo der Zinsschritte wieder deutlich zu erhöhen. Im vergangenen Jahr hatte die US-Notenbank den Leitzins mehrmals um beachtliche 0,75 Prozentpunkte angehoben, aber das Tempo zuletzt verlangsamt. Der Kollaps mehrerer kleinerer US-Banken führte nun aber dazu, dass die Fed Powell zufolge sogar eine Pause bei den Zinserhöhungen in Erwägung zog.

Doch letztlich kam es anders. Powell betonte, die hohe Inflationsrate sei hartnäckiger als erwartet. Die Fed erwartet in ihrer jüngsten Prognose für dieses Jahr im Schnitt eine Inflationsrate von 3,3 Prozent - das ist sogar etwas mehr, als noch vor drei Monaten angenommen. Und es ist immer noch weit entfernt von der angestrebten Inflationsrate der Fed von durchschnittlich 2 Prozent.

Die Inflation im Zaum zu halten, ist die klassische Aufgabe der Notenbanken. Steigen die Zinsen, müssen Privatleute und Wirtschaft mehr Geld für Kredite ausgeben - oder leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht einfach weitergeben - und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Der jüngste Bankenkollaps könnte einen ähnlichen Effekt auf die Kreditvergabe haben. Das erhöht allerdings auch das Risiko, dass die Wirtschaft ausgebremst wird. Die Fed prognostiziert für das laufende Jahr nur ein Wirtschaftswachstum um 0,4 Prozent.

Bankensystem in den USA «solide und widerstandsfähig»

Die Bankenkrise rund um die Silicon Valley Bank stellte klar ein Hemmnis für weitere deutliche Zinsanhebungen dar. Die stark gestiegenen Zinsen gelten als ein Grund für die Probleme in Teilen des amerikanischen Bankensektors. Powell betonte, dass es vor dem Bankenkollaps noch so ausgesehen habe, dass die Fed die Zinsen stärker anheben würde, als noch Ende des vergangenen Jahres prognostiziert. Die aktuellen Entwicklungen hätten aber dazu geführt, dass man nun weniger auf fortwährende Zinsschritte setze und mehr auf «einige zusätzliche».

Auslöser der Bankenkrise Anfang März war die Abwicklung des auf die Kryptobranche ausgerichteten US-Finanzkonzerns Silvergate Capital. Ein paar Tage später wurde das auf Start-up-Finanzierungen spezialisierte US-Geldhaus Silicon Valley Bank unter die Kontrolle der US-Einlagensicherung FDIC gestellt und geschlossen. Weitere kleine Banken gerieten ins Straucheln. In Europa geriet die Schweizer Großbank Credit Suisse in die Krise.

Powell versicherte nun, dass das Bankensystem in den USA «solide und widerstandsfähig» sei. Er zeigte sich zuversichtlich, dass es keine weiteren Bankausfälle mehr geben werde. Powell musste sich aber auch kritischen Fragen stellen lassen, denn die Fed hatte die Aufsicht über die gescheiterte Silicon Valley Bank. Powell nannte ein Scheitern des Managements der Bank als einen Grund für den Kollaps des Geldhauses. «Die Bank wuchs sehr schnell, es setzte die Bank einem erheblichen Liquiditäts- und Zinsrisiko aus», sagte er.

Weitere Zinserhöhung wird erwartet

Man müsse nun aber herausfinden, was genau passiert sei und dann entsprechende Maßnahmen ergreifen. Aufsicht und Regulierung müssten gestärkt werden. Powell sagte auch, dass die Fed bereit sei, «alle Instrumente» einzusetzen, um die Sicherheit des Bankensystems zu gewährleisten. Finanzministerin Janet Yellen mahnte am Mittwoch allerdings, dass die US-Regierung keine Pauschalversicherungen für Bankeinlagen in Erwägung ziehe. Diese sind bislang im Normalfall nur bis zu einer Höhe von 250.000 US-Dollar versichert.

Die Prognose der Fed signalisiert noch eine weitere Erhöhung des Leitzinses in diesem Jahr. Die Entscheider der Fed rechnen zum Jahresende im Mittel mit einem Leitzins von 5,1 Prozent. Zinssenkungen ab Sommer, auf die einige spekuliert hatten, sind damit wohl vom Tisch. Für 2024 werden im Mittel 4,3 Prozent erwartet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich vergangene Woche trotz der Unsicherheit im Bankensektor ebenfalls für eine Anhebung des Leitzins entschieden - dabei allerdings auf einen größeren Schritt um 0,50 Prozentpunkte auf gesetzt.