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Banken wappnen sich für neuen Minuszins-Gegenwind durch die EZB

Yuko Takeo und Nicholas Comfort
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Banken wappnen sich für neuen Minuszins-Gegenwind durch die EZB

(Bloomberg) -- Je weiter die Europäische Zentralbank die Leitzinsen in den negativen Bereich drückt, desto stärker wird der Gegenwind für Europas Finanzbranche.

Nach fünf Jahren mit negativen Zinsen stellen sich Kreditinstitute wie Deutsche Bank AG und UBS Group AG auf eine weitere Belastung ihrer Rentabilität ein.

Die EZB versucht, Wachstum und Inflation durch Senkung der Finanzierungskosten für Unternehmen und private Haushalte anzukurbeln. Der damit einhergehende Druck auf die Banken droht diese jedoch in ihrer Fähigkeit zu beeinträchtigen, die Kredite bereitzustellen, die die Wirtschaft beflügeln sollen.

Die Zinspolitik sei eine enorme Belastung, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing vergangene Woche auf einer Konferenz in Frankfurt. “Langfristig ruinieren diese Niedrigzinsen das Finanzsystem.”

Aufhalten lassen wird sich die EZB durch solche Kritik kaum. Um auf Risiken wie Protektionismus seitens der USA und den Brexit zu reagieren, dürfte die Notenbank an konjunkturstützenden Maßnahmen arbeiten.

Mit Blick auf die am Mittwoch beginnende zweitägige Sitzung zur Geldpolitik können Sewing und seine Kollegen lediglich auf Begleitmaßnahmen hoffen, die den zu erwartenden neuen Rückschlag für die Rentabilität abfedern könnten.

In der Vergangenheit gab der Einlagensatz der EZB an, wieviel die Banken dafür erhalten, ihr überschüssiges Bargeld über Nacht bei der Zentralbank zu parken. Jetzt, bei -0,4%, ist er zu einer Gebühr geworden, von der die Deutsche Bank sagt, dass sie dieses Jahr Hunderte von Millionen Euro betragen könnte.

Viele Kreditgeber reichen die Kosten bereits an Firmenkunden und institutionelle Kunden weiter. Privatkunden hingegen dürften durch Negativzinsen verschreckt werden, sodass eine wichtige Quelle für die Bankfinanzierung bedroht wäre. „Retail ist wirklich ein schwieriger Bereich, weil es dann um Vertrauen geht“, sagte Kees van Dijkhuizen, Vorstandschef der ABN Amro Bank NV.

Die Banken nehmen den Kostenanstieg somit erst einmal auf ihre Kappe. Sinkt ihre Rentabilität dadurch allerdings so stark, dass sie sich aus Geschäften zurückziehen müssen, würde das auch der Wirtschaft insgesamt schaden. Die so genannte Reversal Rate wird von Volkswirten genau beobachtet.

“Die Banken müssten das bei Einlagen berücksichtigen, und das würde natürlich zu einer großen Gegenreaktion führen”, sagte der frühere EZB-Vizepräsident Vitor Constancio gegenüber Bloomberg Television in der vergangenen Woche. “Meiner persönlichen Ansicht nach sind wir schon nahe am Limit.”

Seit Beginn der Negativzinsen im Jahr 2014 dürften sich diese bei den Banken im Euroraum auf 23 Milliarden Euro summiert haben, wie Scope Ratings schätzt. Derzeit zahlen sie fast 7 Milliarden Euro pro Jahr. Die Eigenkapitalrendite ist vor diesem Hintergrund um rund 40 Basispunkte gesunken.

Die EZB hält die Kosten für die Kreditinstitut indessen für gering - Direktoriumsmitglied Benoit Coeure nannte sie “Peanuts”. Die Notenbank verweist darauf, dass in einer stärkeren Konjunktur mehr Darlehen vergeben würden, sodass der Gewinn bei der Kreditvergabe anziehe.

Dieses Argument könnte an seine Grenzen stoßen. EZB-Chef Mario Draghi sagte nach der geldpolitischen Sitzung im Juli, “noch nicht bei der Reversal Rate” angekommen zu sein, das Risiko aber “sicherlich besteht.” Deshalb würden Erleichterungen in Betracht gezogen. Einige Einlagen könnten zum Beispiel von der Belastung durch negative Zinsen befreit werden. Eine solche Staffelung - das sogenannte Tiering - hat die Schweizerische Nationalbank bereits eingeführt.

Überschrift des Artikels im Original:Banks Wince as ECB Prepares to Inflict More Sub-Zero Rate Pain

--Mit Hilfe von Catherine Bosley.

Kontakt Reporter: Yuko Takeo in Tokyo ytakeo2@bloomberg.net;Nicholas Comfort in Frankfurt ncomfort1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Malcolm Scott mscott23@bloomberg.net, Paul Gordon

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