Werbung
Deutsche Märkte schließen in 5 Stunden 34 Minuten
  • DAX

    18.659,78
    -66,98 (-0,36%)
     
  • Euro Stoxx 50

    5.029,06
    -17,93 (-0,36%)
     
  • Dow Jones 30

    39.872,99
    +66,22 (+0,17%)
     
  • Gold

    2.419,10
    -6,80 (-0,28%)
     
  • EUR/USD

    1,0848
    -0,0011 (-0,10%)
     
  • Bitcoin EUR

    64.522,10
    -930,18 (-1,42%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.498,55
    -27,86 (-1,83%)
     
  • Öl (Brent)

    77,96
    -0,70 (-0,89%)
     
  • MDAX

    27.044,21
    -128,15 (-0,47%)
     
  • TecDAX

    3.426,18
    -7,31 (-0,21%)
     
  • SDAX

    15.094,55
    -39,86 (-0,26%)
     
  • Nikkei 225

    38.617,10
    -329,83 (-0,85%)
     
  • FTSE 100

    8.386,75
    -29,70 (-0,35%)
     
  • CAC 40

    8.091,70
    -49,76 (-0,61%)
     
  • Nasdaq Compositive

    16.832,62
    +37,75 (+0,22%)
     

Die Banken-Party kann nicht ewig währen: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Steven Arons über ein zu Ende gehendes Fest. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie Sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Geldhouse-Party

Die neuesten Quartalszahlen der Banken verursachen Partystimmung an den Märkten. Bei der UBS geht es um fast 10% und bei der UniCredit um bis zu 3,5% in die Höhe, nachdem die beiden Banken überraschend gute Ergebnisse vorlegten. Die Marktkapitalisierung der Italiener durchbricht dadurch die Grenze von 60 Milliarden Euro. Sergio Ermotti und Andrea Orcel können zufrieden sein.

WERBUNG

Die zwei Geldhäuser sind keine Ausnahme. Fast alle europäischen Banken haben diese Saison mal wieder höhere Profitabilität berichtet, angetrieben von den Zinserhöhungen der EZB, die seit nun zwei Jahren erfolgen und eine Dekade der Niedriggewinne bei den Banken beendet haben. Die Akienkurse im Sektor sind dadurch so stark gewachsen wie schon sehr lange nicht mehr.

Doch das kann nicht ewig so weitergehen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Aktienrückkaufprogramme ihren Höhepunkt erreicht haben, wie Nick Comfort heute berichtet. Damit dürfte irgendwann der wichtigste Kurstreiber wegfallen.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Alexander Kell und Rainer Bürgin: Rauf & runter, Neuland, noch ne Karte, echt jetzt?, und Entschärft.

Rauf & runter

Einen Kursrutsch um zeitweise 6% gab es an der Börse heute für Siemens Healthineers angesichts von Enttäuschung zum Geschäftsbereich medizinische Bildgebung, der eine Schrumpfung von bereinigtem Ebit und Marge berichtete. “Vor dem Hintergrund eines herausragenden Vorjahresquartals und aufgrund von kundenseitig vorübergehend verzögerten Auftragsvergaben in den vorangegangenen Quartalen war die Umsatzentwicklung in der Region China im niedrigen zweistelligen Prozentbereich rückläufig”, hieß es aus Erlangen. Der Konzernausblick wurde bestätigt. Mehr als 9% aufwärts ging es für die Titel von Infineon, obwohl der Chipspezialist seinen Umsatz- und Margenausblick herabgesetzt hat. Der Schritt wurde jedoch weithin erwartet und die neue Prognose des Managements signalisierte, dass die Talsohle im Geschäftszyklus erreicht ist. An der Wall Street kletterte gestern die Micron-Aktie fast 5% angesichts der Einschätzung von Baird, dass der Speicherchip-Ausblick für die nächsten anderthalb Jahre “einigermaßen beispiellos” sei. Deutsche Unternehmen, die im Ausland tätig sind, sind derzeit so zuversichtlich wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Neuland

Mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Finanzmarktes will die KfW “einen aktiven Beitrag zur Entwicklung des Marktes für digitale Wertpapiere in Deutschland und Europa” leisten und bastelt an ihrer ersten Digitalanleihe auf Blockchain-Basis. Das Kryptowertpapier von Deutschlands größter Förderbank soll im Sommer kommen. Als Ankerinvestor wurde der Fondsriese Union Investment gewonnen, der bereits über “reichliche Erfahrung” mit Kryptowertpapieren verfügt. Die Wall-Street-Bank-JPMorgan derweil nutzt die Blockchain um Kommunalanleihen zu platzieren. Die Distributed-Ledger-Technologie diente so dazu, $10 Millionen für den Bostoner Vorort Quincy zu beschaffen. Hightech-Handelshäuser wie Jane Street und Citadel indessen engagieren sich inzwischen auch im Staatsanleihe-Bereich und bei Firmenbonds als Market Maker. Im Vergleich zu den Aktienmärkten ist der Bondmarkt weitaus komplizierter und es gibt keine zentrale Börsen. Riesige Liquiditätslücken machten den Handel mit Anleihen aller Art lange Zeit zu einer hochprofitable Angelegenheit, die größtenteils zwischen Banken und ihren Kunden per Nachricht abgewickelt wurde, oder am Telefon.

Noch ne Karte

Ein künftiger digitaler Euro würde nach Ansicht der EZB “unser Leben erleichtern”, er könnte “jederzeit und überall” genutzt werden — also all das leisten, was andere bargeldlose Dienste heute bereits tun. Für die Einführung einer digitalen Währung, deren Nutzung besser kontrollierbar wäre als die von Bargeld, werden neben der Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung, Kinderpornographie und Geldwäsche weitere Argumente ins Feld geführt, etwa die Stärkung der “geldpolitischen Souveränität des Euroraums”. Bundesbankpräsident Nagel zufolge ist die Motivation der Notenbanker um Christine Lagarde womöglich profaner: “Wenn man mich vor 20 Jahren gefragt hätte, ob das Geschäftsmodell der Zentralbank zerstörbar ist oder nicht, hätte ich nein gesagt”, erklärte er gestern in Basel. “Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher”. Daher sei die Schaffung des digitalen Euro “eine Notwendigkeit”. Teilnehmern an der BIZ-Veranstaltung zufolge könnten digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) zunächst im Wholesale-Bereich Verwendung finden, also etwa zwischen Banken und Zentralbank. Retail CBDCs würden danach eingeführt. Hello Helikoptergeld, good bye Geldkoffer.

Echt jetzt?

Deutschland ist ein Musterland betrieblicher Mitbestimmung und in den USA herrscht notorischer Marktliberalismus. Hat dieses Klischee den Autobauer Mercedes verleitet, in eigenen Werken jenseits des Atlantiks auf Wild-West-Manier umzuschalten? Wie zu hören ist, hat die US-Regierung gegenüber der Bundesregierung Bedenken wegen einer angeblich gewerkschaftsfeindlichen Haltung von Mercedes-Benz im US-Bundesstaat Alabama geäußert. Dabei geht es um Vorwürfe der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), ein Manager des Konzerns habe ein Treffen einberufen, um von gewerkschaftlicher Organisation abzuraten, und Gewerkschaftsaktivisten seien entlassen worden. Mercedes bestreitet ein Fehlverhalten und erklärte, sich weder in gewerkschaftliche Organisierungsbemühungen eingemischt noch Vergeltungsmaßnahmen ergriffen zu haben. Vergangene Woche indessen hat der Konzern den CEO von Mercedes-Benz US International kurzfristig abgelöst und versetzt. Im Februar hatte er bei einer Mitarbeitersitzung angedeutet, dass eine Gewerkschaft Streiks, teure Beiträge und Hindernisse für die Konfliktlösung bedeuten würde. Mitte Mai sollen rund 5.200 Beschäftigte in den Mercedes-Werken in Vance und Woodstock, Alabama, über den Beitritt zur UAW abstimmen. Im April votierten bereits die Mitarbeiter des Volkswagen-Werks in Tennessee dafür.

Entschärft

Laut einem Bericht der Wochenzeitung Die Zeit ist in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg zusammen — Bundesländer, in denen ein Drittel der deutschen Bevölkerung lebt — die Messerkriminalität zwischen 2019 und 2023 um 10% gestiegen (dank des Föderalismus gibt es keine valide nationale Statistik). Das ist nicht allein eine deutsche Entwicklung und bleibt auch in der Schweiz nicht ohne Folgen. Victorinox, Hersteller des legendären, über 100 Jahre alte Schweizer Taschenmessers, wird das Multiwerkzeug (Korkenzieher, Schere, Pinzette) nun auch ohne Klinge anbieten. „Die Klinge führt in einigen Märkten zu einem Waffen-Image“, sagte Firmenchef Carl Elsener in der gestrigen Ausgabe der Zeitung Blick. Er verwies auf Gesetze in Großbritannien und asiatischen Ländern, die das Tragen von Messern nur für den Beruf oder bei Outdoor-Aktivitäten erlauben. In Berlin trägt laut einem Bericht der Berliner Zeitung jeder fünfte Jugendliche ein Messer. Die — parallel zur Messerkriminalität zunehmende — Regulierung in verschiedenen Ländern stelle eine große Herausforderung für das Unternehmen dar, ergänzte ein Victorinox-Sprecher gegenüber Bloomberg.

Was sonst noch passiert ist

  • Bonddesk-Boni

  • Chip-Ausblick

  • Russischer Gleichmut

©2024 Bloomberg L.P.