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Bald 86 Millionen: Rekord-Zuwanderung treibt Deutschlands Einwohnerzahl – mit Folgen für Wirtschaft, Arbeit und Umwelt

 - Copyright: Winfried Rothermel / picture alliance
- Copyright: Winfried Rothermel / picture alliance

Die Bevölkerung in Deutschland dürfte in den kommenden Jahren in einem historischen Ausmaß wachsen. Im Jahr 2030 könnten in Deutschland bereits nahezu 86 Millionen Menschen leben, fünf Millionen mehr als 2011. Dies sei ein "historischer Anstieg der Einwohnerzahl", schreiben die Ökonomen der Deutsche Bank Research in ihrem Monatsbericht August. Der starke Zuwachs habe "bedeutende ökonomische Folgen". Wirtschaftlich dürfte der Zuzug für Deutschland langfristig Vorteile haben. Für Klima und Umwelt falle die Bilanz dagegen negativ aus.

Bereits im vergangenen Jahr waren 329.000 mehr Menschen nach Deutschland gezogen, als das Land verließen. Die Einwohnerzahl erhöhte sich durch den gegenläufigen Trend höherer Sterbe- als Geburtenzahlen um gut 100.000.

In diesem Jahr nun führt Russlands Angriff auf die Ukraine zu einer starken Zunahme der Zuwanderung. Die Deutschen Bank erwartet, dass allein 1,3 Millionen Menschen aus der Ukraine in Deutschland Schutz suchen. Hinzu kämen Flüchtlinge aus Russland, Belarus, Georgien und Moldau. Gemeinsam mit einem unveränderten Zuzug aus anderen Ländern erwartet die Deutsche Bank für dieses Jahr einen Nettozuzug von 1,7 Millionen Menschen nach Deutschland. Für das kommende Jahr sei mit einer Zahl von 600.000 zu rechnen. Die Einwohnerzahl erhöhe sich damit von 83,3 Millionen im Jahr 2021 auf 85,4 Millionen 2023. "Damit wäre die Flüchtlingswelle deutlich größer als im Jahr 2015. Sie wird wohl nur von der Zuwanderung nach dem 2. Weltkrieg übertroffen."

"Dies hat bedeutende ökonomische Folgen"

Die Bank-Experten rechnen damit, dass die Netto-Zuwanderung auch über 2023 hinaus auf einem Niveau von über 300.000 Menschen im Jahr verharrt. "Den in vielen Studien unterstellten Rückgang auf jährlich nur 200.000 oder 200.000 Personen halten wir für falsch." Die Einwohnerzahl in Deutschland steige in der Folge bis zum Jahr 2030 auf nahezu 86 Millionen.

Die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland bewerten die Ökonomen insgesamt positiv. Es gebe aber auch Risiken und kurzfristige finanzielle Lasten. Auf der negativen Seite verlängere der Anstieg der Einwohnerzahl den Wohnungsmangel, belaste kurzfristig die Staatshaushalte und erschwere es, die Ziele beim Klimaschutz einzuhalten. Dies gelte nicht nur für Deutschland selbst.

"Auch die globalen CO2-Emissionen und der globale Ressourcenverbrauch erhöhen sich tendenziell, insbesondere, wenn der Zuzug aus Ländern mit deutlich geringerem Lebensstandard und folglich geringerer Klima- und Umweltbelastung pro Kopf erfolgt".

Auf der positiven Seite würden Konsum und Wirtschaftswachstum angeregt, der Mangel an Arbeits- und Fachkräften gemildert und die negativen Folgen der alternden Gesellschaft gedämpft. Langfristig dürfte sich der starke Zuzug auch für öffentlichen Finanzen lohnen, wenn gut ausgebildete Schüler und Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt kämen. "Insgesamt dürften mittelfristig die positiven Aspekte überwiegen", folgern die Bank-Ökonomen.

Deutliche Belege sehen die Autoren in den jüngsten Zahlen für den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Migration. So habe die EU-Binnenwanderung in jüngster Zeit stark abgenommen. "Hier bremst wohl hauptsächlich der auf breiter Front verbesserte Arbeitsmarkt in Süd- und Osteuropa." In der EU habe die Arbeitslosenrate mit 6,1 Prozent ein Allzeittief erreicht. "Europa steuert damit trotz der vielen aktuellen Krisen tendenziell auf Vollbeschäftigung zu", schreiben die Ökonomen. Insbesondere viele Länder in Süd- und auch Osteuropa böten Menschen aktuell viel bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und damit geringere Anreize, ihre Heimat zu verlassen. Dies gelte für Portugal oder Italien, aber auch für Slowenien und Kroatien und besonders für Bulgarien und Rumänien.

Auf der anderen Seite nimmt die Zuwanderung aus Nicht-EU- und außereuropäischen Ländern weiter zu. Die Deutsche Bank rechnet damit, dass der Ukraine-Krieg und seine krisenhaften Folgen über die Ukraine hinaus gerade außerhalb der EU die Zuwanderungsdynamik erhöhen.

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