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Bahn-Zulieferer Bombardier steht vor radikalem Umbau

Für den Hersteller von Flugzeugen und Bahntechnik wäre es bereits das dritte Sanierungsprogramm in zehn Jahren. Es könnte den Eisenbahnbau treffen.

Einer der großen Lieferanten der Deutschen Bahn, der Lokomotivbauer Bombardier, steht offenbar schon wieder vor einem tief greifenden Umbau. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen könnten bis zu 2500 Beschäftigte des Herstellers von Schienenfahrzeugen davon betroffen sein. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Derzeit beschäftigt Bombardier nach eigenen Angaben 8500 Mitarbeiter in seinen deutschen Werken. Für Bombardier wäre es der dritte Restrukturierungsplan innerhalb dieses Jahrzehnts. Beim Programm zur Effizienzsteigerung aus dem Jahr 2016 fiel ein Großteil der Arbeitsplätze in Deutschland weg. Von damals 5500 weltweit zu streichenden Stellen entfielen 2200 auf die meist in Ostdeutschland gelegenen Fabriken.

Diese Jobs sollten nach einer Betriebsvereinbarung bis 2020 abgebaut werden. Vor gut einem Jahr legte die Konzernführung nach. Im Herbst 2018 kündigte Bombardier Transportation an, bis 2021 weltweit 5000 Stellen zu streichen. Nähere Angaben zu den Auswirkungen in Deutschland, dem lange Zeit größten Produktionsstandort Bombardiers für Schienenfahrzeuge, gab es nicht.

Diesmal stehen möglicherweise Sanierungskonzepte der angeschlagenen Flugzeugsparte des kanadischen Konzerns Pate. Wegen der hohen Verluste wurden ganze Flugzeugprogramme abgegeben, so beispielsweise die C-Serie an Airbus. Jetzt werden zudem Teile der Komponentenfertigung und deren Wartung ausgegliedert und an einen Zulieferer verkauft. Das könnte auch im Eisenbahnbau drohen, heißt es in Firmenkreisen.

Immer mehr Fertigung in Osteuropa

Beim letzten großen Umbauplan ging es darum, die einzelnen Werke Bombardiers auf Kernkompetenzen zu konzentrieren. Im Bombardier-Werk Hennigsdorf bei Berlin, größter Standort des Konzerns, sollte beispielsweise die Fahrzeugentwicklung zusammengefasst werden. Auch das Werk Görlitz, wo Siemens zuvor sein Werk schließen wollte, stand angeblich zur Disposition.

Dagegen opponierten Betriebsräte, Gewerkschaften und auch die sächsische Landesregierung heftig. Die eigentliche Fertigung verlegte Bombardier zunehmend in andere Konzernwerke, unter anderem nach Osteuropa, und schafft sich damit zuweilen Qualitätsprobleme.

So stellte sich im Frühjahr heraus, dass neu angelieferte ICE 4 der Deutschen Bahn Risse im Rohbau aufwiesen. Der wird von Bombardier in Polen gefertigt. Die ICE entstehen in Gemeinschaft mit Siemens. Andere Fertigungsprobleme enden mit Lieferverzögerungen.

Ob Doppelstock-IC der Deutschen Bahn und der Schweizer Bundesbahn SBB oder Triebwagen für den Nahverkehr wie zuletzt im Raum Stuttgart, Bombardier kam häufig seinen vertraglich vereinbarten Lieferterminen nicht nach. Hohe Pönalen sind wohl auch einer der Gründe dafür, dass der Gewinn von Bombardier Transportation zuletzt wegsackte.

In den ersten drei Quartalen 2019 lag das Ebit bei 258 Millionen Dollar, im vergleichbaren Vorjahreszeitraum bei 538 Millionen Dollar. Um die anhaltenden Probleme in den Griff zu bekommen, tauscht die kanadische Gesellschaft immer wieder das Führungspersonal aus, bislang ohne durchschlagenden Erfolg.

2019 trat der dritte Spartenchef seit 2015 an. Danny di Perna löste im Februar überraschend Laurent Troger ab, der zwar 15 Jahre für Bombardier im Dienst, aber auch nur zwei Jahre CEO bei Transportation war. Di Pernas „Erfolg bei der Steigerung der betrieblichen Effizienz, der Verbesserung der Qualität und der Zufriedenstellung von Kunden macht ihn zum geeigneten Nachfolger von Laurent“, teilte der Konzern damals mit. Ein versteckter Hinweis auf die anhaltenden Qualitätsprobleme.