Blogs auf Yahoo Finanzen:

Bahn muss für Verspätungen wegen höherer Gewalt zahlen

Verspätung ist Verspätung: Auch wenn ein Zug wegen Hochwassers, Eis oder Schnee zu spät ankommt, muss die Bahn ihren Fahrgästen künftig den Fahrpreis teilweise erstatten. Bei Fällen höherer Gewalt gelten die gleichen Regeln wie bei selbst verschuldeten Verspätungen, wie der Europäische Gerichtshof in einem Urteil entschied.

Die Höhe der Rückerstattung des Fahrpreises richtet sich nach der EU-Verordnung über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr. Demnach kann ein Fahrgast 25 Prozent des Fahrpreises zurückverlangen, wenn die Verspätung 60 bis 119 Minuten beträgt. Bei Verspätungen von mehr als zwei Stunden hat er Anspruch auf die Hälfte des gezahlten Fahrpreises.

Das Urteil des EuGH erging auf Vorlage eines österreichischen Gerichts, betrifft aber europaweit alle Bahnunternehmen: Klauseln in Beförderungsbedingungen, die Fahrpreisentschädigungen bei höherer Gewalt ausschließen, sind demnach ungültig.

Das Gericht wies allerdings ausdrücklich darauf hin, dass die Bahnunternehmen den Reisenden keinen individuellen Schadenersatz für die Folgeschäden einer Verspätung erstatten müssen, wie etwa einen verpassten Urlaubsflug. Zur Begründung hieß es, die pauschalierte Teilerstattung eines Fahrpreises diene als Kompensation einer nicht erbrachten Dienstleistung des Bahnunternehmens.

Die Deutsche Bahn erklärte nach der Urteilsverkündung, die Entscheidung werde "unverzüglich" umgesetzt. Es sei zu begrüßen, dass mit dem Luxemburger Urteil Rechtssicherheit für die Verbraucher und Eisenbahnen geschaffen worden sei. Einer Sprecherin zufolge zeigte sich die Bahn schon in der Vergangenheit Kunden gegenüber in Fällen von Verspätungen wegen höherer Gewalt kulant und machte von dem nun als unzulässig erklärten Haftungsausschluss "eher zurückhaltend Gebrauch".

Die Erstattungspflicht gilt nicht für Verspätungen im Flug-, Schiffs-, oder Omnibusfernverkehr, wie der EuGH betonte. Die jeweiligen Nutzungsbedingungen seien nicht austauschbar.

Die Grünen-Fraktion im Bundestag bezeichnete das Urteil als "Meilenstein für die Bahnkunden in ganz Europa". Dass die Entscheidung auch für Reisen im Nahverkehr gelten soll, sei ein Fortschritt, erklärten die zuständigen Sprecher Valerie Wilms und Markus Tressel.

Kritik kam dagegen vom ökologische Verkehrsclub VCD. Dass die Rückerstattungspflicht nicht auch für den Flug- oder Schiffsverkehr gilt, sei "eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten des Eisenbahnverkehrs und zu Gunsten der anderen Verkehrsträger", erklärte der VCD-Vorsitzende Michael Ziesak. Er befürchte, dass die Bahn nun zum Fahrplanwechsel im Dezember die Fahrpreise anheben werde, um die Mehrkosten zu kompensieren.

Meistgelesene Artikel - Yahoo Finanzen

  • Sparda Bank in Baden-Württemberg streicht Überziehungszinsen
    Sparda Bank in Baden-Württemberg streicht Überziehungszinsen

    Die Sparda-Bank in Baden-Württemberg schafft im Juli die Zinsen für die Überziehung des Dispokredits ab. «Der Zusatzzins ist nicht mehr zeitgemäß», sagt Sparda-Bank-Chef Martin Hettich der Nachrichtenagentur dpa.

  • Keine Chance für Albigs Autofahrer-Sonderabgabe
    Keine Chance für Albigs Autofahrer-Sonderabgabe

    Die von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) vorgeschlagene Sonderabgabe aller Autofahrer zur Reparatur maroder Straßen hat vorerst keine Chance.

  • Albig fordert Sonderabgabe von allen Autofahrern
    Albig fordert Sonderabgabe von allen Autofahrern dpa - Mo., 21. Apr 2014 20:29 MESZ
    Albig fordert Sonderabgabe von allen Autofahrern

    Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig will die deutschen Autofahrer über eine Sonderabgabe für den Unterhalt von Straßen zur Kasse bitten. «Am Ende werden wir in irgendeiner Form alle Nutzer heranziehen müssen», sagte der SPD-Politiker der Zeitung «Die Welt». «Wir müssen den Bürgern dieses Landes klar sagen, …

  • Commerzbank-Chef für «Dispo-Nutzungsbremse»
    Commerzbank-Chef für «Dispo-Nutzungsbremse»

    Verbraucher mit einem Girokonto im Minus sollen künftig besser vor einem möglichen Sturz in die Schuldenfalle geschützt werden. Dieses Vorhaben der Bundesregierung erhält nun erstmals Unterstützung eines Topbankers.

  • «Zielgerade»: Fuchsbergers Blick auf die Welt
    «Zielgerade»: Fuchsbergers Blick auf die Welt dpa - Mo., 21. Apr 2014 15:21 MESZ
    «Zielgerade»: Fuchsbergers Blick auf die Welt

    Joachim Fuchsberger hat viel erlebt. Eine Kindheit unter Hitler, als 16-Jähriger zum Kriegsdienst eingezogen, dann Gefangenschaft, nach 1945 sein Aufstieg in Film und Fernsehen und lange Jahre in Australien.

 

Vergleichsrechner

  • Finanzglossar

    Finanzglossar

    Möchten Sie einen Finanzbegriff nachschlagen? Das Yahoo Finanzglossar hat die Antwort! … Mehr »