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Bahn kündigt Preiserhöhung im Fernverkehr an

·Lesedauer: 2 Min.
ICE-Züge der Bahn in München
ICE-Züge der Bahn in München

Die Deutsche Bahn erhöht die Preise im Fernverkehr. Sie steigen zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember im Durchschnitt um ein Prozent, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Damit falle die Preiserhöhung "moderat" aus, fügte das Unternehmen hinzu. Verbraucherschützer nannten die höheren Ticketpreise hingegen "unverschämt".

Nach Konzernangaben steigen die Flexpreise zum Fahrplanwechsel um durchschnittlich 1,5 Prozent und die Streckenzeitkarten sowie die BahnCard 100 um durchschnittlich 1,9 Prozent. Die Super Sparpreise und Sparpreise blieben hingegen "so niedrig wie bisher", erklärt die Bahn. Auch die beiden BahnCards 25 und 50 seien nunmehr das sechste Jahr in Folge zum gleichbleibenden Preis erhältlich.

Zudem lägen die Preise auch nach der Erhöhung "weiterhin unter Vorjahresniveau", erklärte die Bahn. Zum 1. Januar 2020 hatte das Unternehmen im Zuge der Mehrwertsteuersenkung für Fernverkehrstickets ihre Preise um rund zehn Prozent gesenkt. Wer bis einschließlich 12. Dezember seine Reise bucht, fährt nach Unternehmensangaben noch zu den alten Preisen.

Der Konzern betonte, er erhöhe gleichzeitig auch sein Angebot und den Komfort in den Zügen: Bis Ende dieses Jahres sollen im Fernverkehr 13.000 zusätzliche Sitzplätze geschaffen werden; bis 2026 investiere die Bahn 8,5 Milliarden Euro in neue und modernisierte ICE und Intercity-Züge.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die angekündigte Preiserhöhung  - sie "passt nicht richtig in die Zeit", sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der Nachrichtenagentur AFP. In Zeiten der Corona-Pandemie "gewinnt man die Leute nicht, indem man mehr Geld fordert". 

Gleichzeitig äußerte Naumann Verständnis für den von der Corona-Krise stark betroffenen Konzern. "Ich kann verstehen, dass die Bahn mehr Geld braucht." Denn die Corona-Pandemie hat die Deutsche Bahn laut Konzernchef Richard Lutz "in die schlimmste finanzielle Krise seit ihrem Bestehen gestürzt". Im ersten Halbjahr verbuchte die Bahn 3,7 Milliarden Euro Nettoverlust, der Umsatz ging um knapp zwölf Prozent auf 19,4 Milliarden Euro zurück.

Mit scharfen Worten kritisierte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Klaus Müller, die Preiserhöhung: "Auf der einen Seite erhält das Unternehmen dieses Jahr eine fünf-Milliarden-Finanzspritze vom Steuerzahler. Auf der anderen Seite werden die Züge immer unpünktlicher, gibt es wenig Kulanz für die Kunden, versagt die Bahn bei der Digitalisierung." Er monierte, dass die Bahn "nun ausgerechnet die treuesten Kunden zur Kasse bittet, in dem sie Flexpreise, Streckenkarten und die Bahncard 100 teurer macht". 

Die Bahn wies den Vorwurf der Unpünktlichkeit zurück: "Wir hatten im ersten Halbjahr 2020 die beste Pünktlichkeit im Fernverkehr seit 2008", erklärte das Unternehmen. 83,5 Prozent aller Fernverkehrszüge waren nach Unternehmensangaben von Januar bis Juni pünktlich - auch wegen der geringeren Auslastung während der Corona-Krise. 

ilo/jm