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Baerbock will nicht Kanzlerin werden: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Christoph Rauwald über Kanzlerträume einer 11%-Partei. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Verzicht in schweren Zeiten

Die internationale Bühne des Nato-Gipfels in Washington war für die Außenministerin ein ungewöhnlicher Rahmen, um in einem CNN-Interview ein innenpolitisches Thema zu setzen. Doch mit ihrem Verzicht auf eine erneute Kandidatur fürs Kanzleramt im kommenden Jahr hat Annalena Baerbock damit zumindest in dieser Hinsicht für Klarheit gesorgt.

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Die Entscheidung kommt nicht ganz überraschend, nachdem Robert Habeck ihr im letzten Bundestagswahlkampf den Vortritt lassen musste und das Ergebnis infolge einiger Stockfehler auch von Baerbock selbst am Ende hinter den Erwartungen zurückblieb. Nach zwischenzeitlich bis zu 28% landeten die Grünen am Ende unter 15%. Inzwischen liegen sie in Umfragen bei 11%.

Habeck hatte sich in den vergangenen Monaten mit staatsmännischen Auftritten mal mehr, mal weniger diskret als Kanzlerkandidat in Stellung gebracht. Doch Baerbocks Begründung für ihren Verzicht enthielt auch eine Fußangel für ihn.

Sie wolle sich “mit voller Kraft” auf ihr Amt als Außenministerin konzentrieren. Angesichts turbulenter Zeiten sehe sie es als ihre “staatspolitische Verantwortung” an, “statt in einer Kanzlerkandidatur gebunden zu sein, meine Kraft weiterhin voll und ganz meiner Aufgabe zu widmen, Vertrauen, Kooperation und verlässliche Strukturen zu bilden — für und mit so vielen Partnern weltweit und in Europa, die darauf bauen.”

Natürlich wird es sich auch Wirtschaftsminister und Vizekanzler Habeck kaum leisten können, seine Amtsführung zugunsten von Wahlkampfterminen hintanzustellen — und an Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft herrscht kein Mangel.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Alexander Kell und Celine Imensek: Schuldig, große Bank will kleine Bank, desertierende Demokraten, aggro, und flüchtige Millionäre.

Schuldig

Der Strafprozess gegen Bill Hwang, der die Wall Street zwei Monate in Atem hielt, hat mit einem Schuldspruch geendet. Der Gründer des kollabierten Investmenthauses Archegos Capital Management habe wie sein ehemaliger Finanzvorstand Patrick Halligan Archegos-Geschäftspartner wie Credit Suisse und UBS betrogen, urteilten die Geschworenen in Manhattan. Über die Handelsaktivitäten der Firma und das Risikoniveau im Portfolio hätten beide gelogen. Hwang wurde zudem für schuldig befunden, Aktienkurse manipuliert zu haben. Die Höchststrafe liegt in den Anklagepunkten bei jeweils 20 Jahren Gefängnis. Das Strafmaß soll Ende Oktober verkündet werden. Erst einmal bleiben Hwang und Halligan gegen Kaution auf freiem Fuß. Wie der Zusammenbruch von Archegos seinen Anfang nahm, protokollierte Bloomberg Ende Juni in einer Reportage: Die Aktie von ViacomCBS war von Hwang in solche Höhen katapultiert worden, dass sich der Medienkonzern entschloss, die Gunst der Stunde für eine Kapitalerhöhung zu nutzen. Was folgte war ein Kurssturz, dem Bill Hwang mit einem fast milliardenschweren Aktienkauf entgegenzuwirken suchte. Der Erfolg blieb aus, stattdessen hagelte es Nachschussforderungen von den Banken.

Große Bank will kleine Bank

Die Hamburger Hanseatic Bank steht vor einem Besitzerwechsel. Noch ist das Institut, das manch einem seinen Grundig-Fernseher finanzierte, im Mehrheitsbesitz der Pariser Société Générale. Dem Vernehmen nach befindet sich diese jedoch in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem Lokalrivalen Crédit Agricole, der für die Bank der wahrscheinlichste Käufer ist, nachdem andere Interessenten abgesprungen sind. Wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr, steht eine Preismarke oberhalb der 600 Millionen Euro im Raum. Ein Deal könnte jedoch auch scheitern, wenn sich die Preisvorstellungen letztlich nicht treffen. Dann könnte SocGen Hanseatic auch behalten, hieß es. Wie zu hören ist, kommt das Institut mit mehr als 550 Mitarbeitern auf eine Eigenkapitalrendite von 15%. Die First Abu Dhabi Bank indessen hat informierten Kreisen zufolge ein Auge auf die indische Yes Bank geworfen. Eine knappe Mehrheit am Institut könnte rund 5 Milliarden Dollar kosten. Im Rennen sind dem Vernehmen nach auch die japanischen Finanzriesen Mitsubishi UFJ Financial und Sumitomo Mitsui Financial.

Desertierende Demokraten

Neben demokratischen Kongressabgeordneten aus dem Repräsentantenhaus hat es nun auch ein Senator getan: Präsident Biden öffentlich aufgefordert, das Handtuch zu werfen. Peter Welch aus Vermont zieht damit die Konsequenzen aus Bidens desaströsem Auftritt in der Debatte mit Donald Trump. „Zum Wohle des Landes” solle sich Biden aus dem Präsidentschaftsrennen zurückziehen. Dessen Umfeld dementierte sofort jegliche Kapitulationspläne des 81-Jährigen. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, ist laut der Nachrichten-Webseite Axios offen dafür, dass Biden als Kandidat ersetzt wird. Zwar konnte Biden bislang eine Revolte einflussreicher Parteimitglieder verhindern, die jüngsten Rückzugsforderungen aus dem eigenen Lager und prominenter Hollywood-Spender zeigen jedoch, wie fragil seine politische Position nach wie vor ist. Die Eröffnungsrede zum 75. Nato-Geburtstag in Washington hat Biden zwar pannenfrei absolviert, aber das reichte nicht aus, um europäische Zweifler zu überzeugen. Die streckten diskret die Fühler zu Beratern und anderen Personen aus, die Verbindungen zu Trump haben. Der trifft sich heute übrigens in Florida mit Viktor Orbán.

Aggro

Ein europäisches Werte-Startup für intelligenteres Töten, bei dem der Mensch im Mittelpunkt der Entscheidung steht? Welcher Investor kann da schon Nein sagen!? Zumindest fanden sich genug, um Helsing mit weiteren 450 Millionen Euro Risikokapital auszustatten, was den Münchner Militär-KI-Entwickler mit knapp 5 Milliarden Euro bewertet. Die Helsing-Software soll nun dabei helfen, die Nato-Ostflanke besser gegen mögliche russische Aggressionen zu sichern. Ob die russische Aggression wohl zu- oder abnimmt, wenn die USA zur Freude von Bundesverteidigungsminister Pistorius ab 2026 wieder Langstreckenwaffen mit mehr als 2.000 Kilometer Reichweite in der Bundesrepublik stationieren? Russland hat jedenfalls schon einmal militärische Maßnahmen angekündigt. Beim Washingtoner Treffen haben die Nato-Chefs in ihrer bisher schärfsten Erklärung auch die militärische Unterstützung Russlands durch China angeprangert. Peking sei ein “entscheidender Ermöglicher” des Krieges wegen der Lieferung von Dual-Use-Gütern. Derweil hat China eine Rekordzahl von Kampfflugzeugen über die von den USA gezogene Grenze in der Straße von Taiwan entsandt.

Flüchtige Millionäre

Wie reich ist die Welt und wo tummelt sich das Vermögen? Diese Fragen hat die UBS in ihrem jährlichen Global Wealth Report beantwortet. Das weltweite Vermögen ist im vergangenen Jahr laut Bericht rund 4% gestiegen, wobei die Mobilität des Geldes auch in den nächsten Jahren zunehmen wird. Vor allem für reiche Taiwanesen läuft es gut: Auf der Insel wird auf Sicht bis 2028 der größte Zuwachs an Dollar-Millionären prognostiziert. Durchwachsen sind die Nachrichten dagegen für Deutschland. Obwohl das Vermögen im Land in Dollar betrachtet um mehr als 3% gestiegen ist, geht es pro Kopf in Euro bergab. In der Schweiz verkehrt sich ein vergleichbarer Zuwachs in Dollar in ein Franken-Minus von fast 6%. Ein Zäsur signalisiert der Bericht für Großbritannien. Während die Zahl der Millionäre in fast allen Ländern zunehmen soll, rechnet die UBS im Land des Brexits mit der größten Millionärsflucht. Doch wer weiß. Vielleicht kann ja die frisch gewählte Labour-Partei das Ruder noch herumreißen.

Was sonst noch passiert ist

  • Standort-Chef

  • Strom-Panne

  • Nix Huawei

--Mit Hilfe von Arne Delfs und Michael Nienaber.

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