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Baerbock punktet, Laschet greift an, Scholz wartet ab: Die wichtigsten Momente des Kanzler-Triells

·Lesedauer: 4 Min.
Laschet, Baerbock und Scholz diskutierten fast zwei Stunden miteinander
Laschet, Baerbock und Scholz diskutierten fast zwei Stunden miteinander

Es war das erste TV-Triell in der heißen Wahlkampfphase. Die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) stellten sich bei RTL den Fragen der Moderatoren. Das waren die wichtigsten Momente des Triells.

Die Ausgangslage

Olaf Scholz hat Rückenwind, seit einigen Wochen geht es für ihn und die SPD nach oben. Armin Laschet steuert derweil auf das schlechteste Ergebnis der Union aller Zeiten hin, das TV-Duell ist seine Chance, eine Trendwende zu starten. Da in den letzten Wochen besonders auf die Auseinandersetzung zwischen Scholz und Laschet geschaut wurde, muss Annalena Baerbock sich in Erinnerung rufen, dass auch sie bei dem Rennen ums Kanzleramt mitmischt.

Der beste Start

Laschet hatte sich offenbar viel vorgenommen und trat am Anfang angriffslustig auf. Zum Einsatz in Afghanistan sagte er, das sei ein „Desaster des Westens – auch der Bundesregierung“ und schlug einen nationalen Sicherheitsrat vor. Und Laschet machte weiter: „Wir müssen auch ohne die Amerikaner in der Lage sein, einen Flughafen wie Kabul zu sichern.“ Dann griff er Scholz für seinen Zickzack-Kurs beim Thema Kampf-Drohnen an. Der Grünen-Kandidatin Baerbock warf er vor, sich im Bundestag bei wichtigen außenpolitischen Abstimmungen stets zu enthalten: „Nennen Sie das klare Kante in der Außenpolitik?“, fragte Laschet. Zu Beginn war er auch er der Kandidat mit der meisten Redezeit, der Einstieg saß.

Der Debattenverlauf

Der furiose Einstieg von Laschet blieb eine der wenigen überraschenden inhaltlichen Debatten des Triells. Meist wurden bereits bekannte Positionen wiederholt, das aber immer wieder mit Lust an der Diskussion. Dabei entwickelte sich besonders zwischen Laschet und Baerbock inhaltlicher Zwist, die beiden unterbrachen sich mehrfach und versuchten die Argumente des anderen zu kontern. Scholz hielt sich hingegen oft raus.

Spannendster Corona-Moment

Laschet und Scholz sagten klar, einen neuen Lockdown und auch eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen sollte es nicht geben. Nach der Impfpflicht für Erzieher gefragt, zögerte Baerbock kurz und sagte „Stand heute nein“. Es wird deutlich, hier lässt sie sich eine Hintertür offen.

Floskel des Abends

„Die Menschen draußen im Land wollen wissen...“ So leitete RTL-Moderator Peter Klöppel viele seiner Fragen ein.

Der schmerzhafteste Fehler

Die Union nimmt für sich in Anspruch, die Bürger vor höheren Steuern zu schützen und bestenfalls zu entlasten. Doch ausgerechnet bei diesem Thema konnte Laschet nicht konkret werden. Zunächst legte Baerbock dar, wie sie Alleinerziehende mit Kindern entlasten würde und versprach 2000 Euro weniger Abgaben im Jahr. Vom Moderator darauf angesprochen, wie hoch der Betrag laut Unionsprogramm sein sollte, sagte Laschet lediglich, Entlastungen seien „in ähnlicher Dimension“ geplant wie bei den Grünen.

Metapher des Abends: der Schulranzen

Einen weiteren Punkt machte Baerbock beim Thema Kinderarmut. Sie berichtete aus der Schule ihrer Tochter, dass sich dort nicht jede Familie einen neuen Schulranzen leisten könnte. Daher argumentierte sie, Kinder sollten künftig besser gegen Armut geschützt sein. Laschets antwortete, er wolle durch Förderung dafür sorgen, dass ein Kind später selbst den Aufstieg durch Bildung schaffen kann. Baerbock entgegnete: „Und wenn das nicht klappt, haben die Kinder Pech gehabt und sollen ohne Schulranzen in die Schule gehen? Das kann doch nicht Ihre Antwort sein.“

Versprecher des Abends

Als es um die Frage ging, ob SPD und Grüne eine Regierung mit der Linkspartei bilden würden, forderte Laschet von Scholz eine Absage: „Ich mach' es nicht. Punkt. Drei Worte, ist doch nicht so schwer.“ Doch der CDU-Politiker korrigierte sich sogleich.

Körpersprache und Mimik

Wäre das Triell eine Pokerrunde gewesen, Rheinländer Armin Laschet hätte wohl keine Chance gehabt. Er verzog oft den Mund, schüttelte den Kopf, schaute zu Boden, wenn seine Kontrahenten etwas sagten, dass ihm nicht passte. Anders Baerbock und Scholz: Die beiden hörten jeweils mit meist unbewegtem Gesichtsausdruck zu.

Rätsel des Abends

In seinem Schlussstatement sagte Armin Laschet. „Gegenwind habe ich immer wieder gespürt, auch jetzt.“ Und er fuhr fort: „Aber spüren wir nicht alle den Wind der Veränderung, der uns ins Gesicht bläst?“ In solchen Momenten brauche man Standhaftigkeit und Verlässlichkeit. Was wollte er damit sagen? Soll man sich der Veränderung etwa in den Weg stellen?

Leerstellen des Abends

Für Diskussionen um Gendersprache und mögliche Regierungsbündnisse nach der Wahl nahmen sich die Moderatoren viel Zeit. Digitalisierung, Wohnen oder Pflege? Darüber wurde nicht geredet.

Fazit

Inhaltlich erfuhr der Zuschauer nicht viel Neues, interessant war die Runde dennoch. Laschet bemühte sich zu Beginn in die Offensive zu kommen, musste aber besonders von der gute argumentierenden Baerbock ein paar harte Treffer hinnehmen. Olaf Scholz spielte seine Karte als erfahrener Staatsmann und kam damit bei den Zuschauern offenbar an: In einer Umfrage unter den TV-Zuschauern gaben 36 Prozent an, dass Scholz die TV-Debatte "alles in allem gewonnen" habe. 30 Prozent votierten für Baerbock, Laschet landete mit 25 Prozent auf Platz drei. Die nächste TV-Debatte findet am 12. September statt, diesmal ausgerichtet von ARD und ZDF.

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