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Eine Börsenwarnung, die jeder übersieht

Motley Fool Investmentanalyst

Die letzten zehn Jahre und ihre Entwicklungen an den Börsen waren für die Investoren wirklich etwas Besonderes. Sowohl der legendäre Dow Jones Industrial Average als auch der S&P 500 haben ihren Wert seit ihrem Tiefstand während der Wirtschaftskrise im März 2009 mehr als vervierfacht, während der technologielastige Nasdaq Composite um mehr als 500 % zugelegt hat. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass die historische durchschnittliche jährliche Rendite der Aktienmärkte bei etwa 7 % liegt, einschließlich Dividenden und inflationsbereinigt.

Wir befinden uns auch inmitten der längsten wirtschaftlichen Expansion der Neuzeit (die etwa 160 Jahre zurückreicht). Im vergangenen Juli haben wir unser zehntes Jahr der wirtschaftlichen Expansion erreicht und damit die 120 Monate überschritten, die mit dem Platzen der Dotcom-Blase endeten.

Das bedeutet aber nicht, dass es keine Warnschilder am Horizont gibt.

Warnhinweise für eine Rezession sind aufgetaucht

So waren beispielsweise in den letzten Monaten alle Augen auf die invertierte Zinskurve gerichtet. Die Zinskurve ist ein Diagramm, das die Renditen von US-Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten darstellt. Üblicherweise sehen wir diese Grafik gerne nach oben und rechts geneigt. Mit anderen Worten: Wir erwarten, dass Anleihen, die langfristig (in zehn und 30 Jahren) fällig werden, höhere Renditen haben als Anleihen mit kürzeren Laufzeiten (z. B. drei Monate und zwei Jahre). Erst vor Kurzem hat sich diese Kurve umgedreht, was bedeutet, dass kurzfristige Staatsanleihen höhere Renditen hatten als längerfristige Anleihen. Jeder Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging eine Umkehr der Zinskurve voraus, obwohl wir darauf hinzuweisen, dass nicht jeder Umkehr der Renditekurve auch tatsächlich eine Rezession gefolgt ist.

Wir haben auch einen historischen Anstieg der Unternehmensverschuldung beobachtet. Interessanterweise sind es nicht die traditionellen Kredite von Banken und Kreditgenossenschaften, die das Schuldenniveau nach oben treiben. Stattdessen sind es Unternehmen, die ihre eigenen gesicherten und ungesicherten Schulden oder Wandelschuldverschreibungen ausgeben. Während des Höhepunkts der Finanzkrise erreichte diese Verschuldung der Unternehmen 6,6 Billionen US-Dollar oder 44 % des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Bis Juli 2019 waren diese Unternehmensschulden auf fast 10 Billionen US-Dollar angestiegen, was 48 % des US-BIP entspricht.

Auch der ISM Purchasing Managers Index (PMI) gab Anlass zur Sorge. In den letzten drei Monaten war laut den ISM-PMI-Daten ein Rückgang im verarbeitenden Gewerbe zu verzeichnen. So war der Septemberwert der niedrigste seit mehr als einem Jahrzehnt.

Und doch ist keiner dieser Faktoren der schädlichste.

Die Börsenwarnung, die die Wall Street weiterhin übersieht

Die eklatanteste Warnung, dass der Aktienmarkt am Rande eines Problems stehen könnte, ist zu finden, wenn man sich die größten diesjährigen Gewinner genauer ansieht.

Darunter wirst du bestimmt einen ordentlichen Anteil an wachstumsstarken Technologieunternehmen finden, die die 23-prozentige Rendite des S&P 500 im Jahresvergleich übertroffen haben. Aber einige der Topgewinner werden dich überraschen (basierend auf den Renditen der letzten Jahre, einschließlich der Dividenden, bis zum vergangenen Wochenende):

  • Costco Wholesale (WKN:888351): um 50 % gestiegen
  • AT&T (WKN:A0HL9Z): Steigerung um 47 %
  • Southern Company (WKN:852523): Steigerung um 44 %
  • Procter & Gamble (WKN:852062): Steigerung um 34 %
  • NextEra Energy (WKN:A1CZ4H): bis zu 30 % mehr

Erkennst du den Trend?

Das sind moderate bis äußerst defensive Waren- und Dienstleistungsunternehmen, die den Grundbedarf abdecken. Mit anderen Worten, es handelt sich um sehr wenig volatile, hoch profitable und bewährte Unternehmen, die man am treffendsten als „langweilig“ bezeichnen könnte – und sie sind oft die perfekte Investition für Investoren, die davonlaufen und sich verstecken wollen, wenn es auf den Märkten turbulent wird.

Denk mal darüber nach, was jedes dieser Unternehmen mitbringt:

  • Costco ist ein relativ margenschwacher Einzelhändler und Lebensmittelhändler mit einem Geschäftsmodell, das durch sein Abonnementmodell vor einem Einbruch der Nachfrage geschützt ist.
  • AT&T, der Mobilfunk- und Content-Gigant, bietet dank seiner margenstarken Mobilfunkabonnements einen vorhersehbaren Cashflow.
  • Southern Company erbringt Strom- und Gasversorgungsleistungen für rund 9 Mio. Menschen. Der Verbrauch von Strom und Gas ändert sich selten während eines Wirtschaftszyklus.
  • Procter & Gamble liefert Grundbedarfsartikel wie Tide Waschmittel und Crest Zahnpasta. Die Verbraucher benötigen viele der Produkte, die P&G produziert, unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Wirtschaft läuft.
  • NextEra Energy versorgt wie Southern rund 10 Mio. Menschen mit Strom und Erdgas und hat daher einen vorhersehbaren Cashflow. NextEra erzeugt außerdem mehr Strom aus Wind und Sonne als jedes andere Versorgungsunternehmen.

Costco, AT&T, Southern Company, Procter & Gamble und NextEra haben alle ein Beta unter 1 – was bedeutet, dass sie weniger volatil sind als der S&P 500 – und sie zahlen alle eine Dividende.

Wenn sich die Wall Street und die Investoren auf diese bewährten, langsam wachsenden Unternehmen und nicht auf Namen mit höherem Wachstum (z. B. im Gesundheits- oder Tech-Sektor) stürzen, kann das sehr wohl auf eine Verschiebung des wahrgenommenen Risikos hinweisen. Es gibt also definitiv Grund, bei der Bewertung der Aussichten von Aktien vorsichtig zu sein.

So nähert sich beispielsweise das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P 500 – also das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des durchschnittlichen inflationsbereinigten Ergebnisses der letzten zehn Jahre – wieder einem 17-Jahres-Hoch. Die Bewertungen sind nicht gerade billig und durch historisch niedrige Zinsen und Rekordrückkäufe wurde in den letzten Jahren noch jede Menge Öl ins Feuer gegossen.

Ich gestehe ein, dass ich mich schon oft geirrt habe, wenn es darum ging, einen Wendepunkt an der Börse vorherzusagen. Und letztendlich ist es albern, denn die Börse lässt schließlich jede einzelne Korrektur wieder hinter sich, was langfristige Investitionen begünstigt. Aber der aussagekräftigste Indikator dafür, dass die Börse in Schwierigkeiten steckt, ist nicht die Zinskurve oder eine steigende Verschuldung der Unternehmen. Es sind die Wall Street und die Investoren, die ihr Geld bei sehr defensiven Namen in Sicherheit bringen. Daher wäre es keine schlechte Idee, etwas Geld zur Hand zu haben, wenn der Markt unweigerlich auf die Bremse tritt.

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Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 14.11.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt eine Shortposition auf Procter & Gamble. The Motley Fool empfiehlt Costco Wholesale und NextEra Energy und empfiehlt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $115 Calls auf Costco Wholesale und Short Januar 2020 $180 Calls auf Costco Wholesale.

Motley Fool Deutschland 2019