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Börsenexperte: „DAX bis Ende des Jahres bei 16.000 Punkten!“

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
DAX 30 Kurs

Der DAX ist weiterhin konstant auf einem hohen Niveau. Auch wenn es in den letzten Tagen immer mal wieder etwas Volatilität gegeben hat, befindet sich unser heimischer Leitindex noch auf einem Punktestand von über 12.000 Zählern. Das bedeutet, dass die alten Bestwerte von ca. 13.800 Punkten noch immer quasi in Griffweite sind.

Das wiederum führt dazu, dass so mancher Investor skeptisch auf die momentane Bewertung und Ausgangslage blickt. Das Coronavirus ist nicht gebannt, eine zweite Welle an Infektionen definitiv nicht vom Tisch. Solange kein Impfstoff gefunden ist, sollte man die Gefahr jedenfalls nicht unterschätzen.

Ein bekannter Börsenexperte lehnt sich jetzt jedoch weit aus dem Fenster: Er prophezeit bis Ende dieses (!) Jahres einen DAX-Zählerstand von 16.000 Punkten. Eine Prognose, die zwar zunächst weit hergeholt scheint, allerdings realistisch sein könnte. Zumal sie alles andere als blauäugig gefällt worden ist. Lass uns das im Folgenden einmal etwas näher beleuchten.

Jens Erhardt ist besagter Börsenprofi

Ist dir der Name Jens Erhardt ein Begriff? Es könnte jedenfalls sein, dass dir der erfahrene Investor und Fondsverwalter zumindest unbewusst über den Weg gelaufen ist. Der in meinen Augen generell sehr gemäßigte und überlegt agierende Investor hat jetzt jedenfalls mit einer solchen Prognose ein wenig auf sich aufmerksam gemacht. Und das, wie gesagt, mit einigen Gründen, die dafürsprechen.

Seiner Ansicht nach werde ein solches Kurspotenzial letztlich durch die aktuelle Geld- und Fiskalpolitik erreicht. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte der Vermögensverwalter, dass die momentan selbst auferlegte Krise mit der stärksten monetären und fiskalpolitischen Maßnahme bekämpft werde. Des Weiteren gebe es noch einen zweiten Faktor, der die Kurse weiter treiben dürfte: Den Anlegern würde letztlich kaum etwas anderes übrig bleiben, als Aktien zu kaufen. Andere Anlagen würden kaum über ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis verfügen, so sinngemäß der Vermögensverwalter.

Anleihen würden beispielsweise auf Dauer mehr Risiken als Chancen auf Zinsen und Rendite beinhalten. Aktien seien die erste Wahl. Insbesondere in Europa und Deutschland würde noch einiges an Potenzial bestehen. Der US-Markt würde hingegen nicht mehr die Stütze der milliardenschweren Aktienrückkäufe sein. Eine latente Positionierung für den europäischen Markt? Ich lese das hier zumindest heraus.

All das würde unterm Strich dazu führen, dass der DAX bis Ende des Jahres auf 16.000 Punkte steige. Wir Fools nehmen es nicht so ernst mit konkreten Prognosen. Die Beweggründe erscheinen jedoch plausibel. Zumal Erhardt hier kein Gute-Laune-Gesamtpaket skizziert, sondern über diesen Punktestand hinaus auch Worte der Skepsis kennt.

Gefährliche Abhängigkeit von der Geldmarktpolitik

Sobald der DAX nämlich dieses vermeintliche Endspiel der Fiskal- und Geldmarktpolitik gespielt hat, befänden sich die Märkte in einer gewissen Abhängigkeit von der Geldpolitik. Der Weg zurück sei verbaut. Man sei förmlich verdammt dazu, die Wirtschaft weiterhin zu stimulieren. Ja, womöglich sogar überzustimulieren. Dadurch werde man mehr Zinskontrolle erleben, vielleicht sogar mehr Planwirtschaft. Trotz der positiven Prognose skizziert Erhardt hier entsprechend ein negatives Bild.

Gleichzeitig beobachtet Erhardt, wie die Geldmenge konsequent ansteigt, gleichsam mit der globalen Verschuldung. Diese würden seiner Einschätzung nach nicht zurückgezahlt, sondern weiter hinter den jeweiligen Staaten hergeschoben werden. Die Rettung der Märkte könnte daher einen hohen Preis besitzen.

Bei all der insgesamt positiven Prognose sollten Investoren daher die Schattenseite bedenken. Vielleicht bereiten die Märkte gerade jetzt, in Zeiten des Coronavirus, ihr finales geldmarktpolitisches Spiel vor. Eine sehr fundierte, fundamentale Einschätzung von Erhardt, mit der man sich als Foolisher Investor durchaus auseinandersetzen kann. Nicht unbedingt mit Blick auf die 16.000 Punkte. Sondern vielleicht eher mit Blick auf die Risiken, die die Geldpolitik nach sich zieht.

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