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An den Börsen drohen nach dem US-Angriff starke Schwankungen

Die Tötung eines iranischen Generals durch die USA belastet die Märkte. Experten glauben: Mit starken Kursschwankungen werden Anleger länger leben müssen.

In der kommenden Woche dürfte die weitere Entwicklung in der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran auf die Finanzmärkte ausstrahlen. Foto: dpa

Schon am zweiten Handelstag des neuen Jahres wurden die Hoffnungen auf ein gutes Börsenjahr 2020 gedämpft. Ein iranischer General kam bei einem US-Raketenangriff nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad ums Leben. Der Schlag folgte nach Angaben des Pentagons auf Anweisung der US-Präsidenten Donald Trump, um weitere Angriffe auf US-Kräfte zu verhindern. Der Iran drohte mit Vergeltung.

Die Finanzmärkte reagierten am Freitag deutlich auf die Eskalation am Persischen Golf. Anleger flohen aus Risikoanlagen, suchten Schutz in den als sicher erachteten Investments. Das hieß konkret: Die Aktienkurse fielen, nachdem die Wall Street noch am Donnerstag einen Rekordstand gemeldet hatte; dagegen stiegen die Kurse erstklassiger Anleihen, ebenso die Preise von Öl und Gold.

Die europäischen Aktienbörsen verloren meist knapp ein Prozent. In Deutschland fiel der Abschlag etwas höher aus. Der Dax sackte zeitweise unter die Marke von 13.200 Punkten. Die Lufthansa verlor zwischenzeitlich wegen des deutlich höheren Ölpreises fast ein Zehntel an Wert.

Auch die Notierungen anderer Fluggesellschaften sackten ab. Sie sind von steigenden Kerosinpreisen besonders belastet. Die Fraport-Aktie litt unter einer schlechten Prognose für die Zukunft der deutschen Flughäfen, kam aber mit einem geringeren Abschlag davon.

Die Zuspitzung des Disputs zwischen Iran und den USA schlug bei den Rohstoffpreisen am stärksten auf das Öl durch. Anleger fürchten Lieferausfälle – denn die Straße von Hormus vor der iranischen Küste ist eine entscheidende Schiffsroute für Öltanker. Der wichtigste Energieträger verteuerte sich am Freitag um rund vier Prozent. Öl der Marke Brent kostete zeitweise knapp 70 Dollar je Barrel.

Schutz suchten Investoren etwa in US-Staatsanleihen. Entsprechend fiel die Rendite der zehnjährigen Papiere auf rund 1,8 Prozent. Die entsprechende Bundesanleihe rentierte mit etwa -0,3 Prozent. Als sicherer Hafen gilt auch Gold. Zeitweise wurden für die Feinunze mehr als 1500 Dollar gezahlt.

Dramatische Wendung der Anlegerstimmung

Nach den dramatischen Ereignissen ist die Frage: Wie groß ist die Gefahr einer weiteren Zuspitzung der Lage? Fachleute kommentierten zumindest, dass in der Rückschau Spannungen zwischen Iran und den USA bisher nicht in echten Eskalationen gemündet seien. Und die Börsen schienen diesen ersten Bewertungen recht geben zu wollen. In den späten Handelszeiten am Freitag entspannte sich die Lage an den Märkten ein wenig.

Wei Li, Top-Manager beim größten Vermögensverwalter Blackrock, hat eine eigene Deutung der Ereignisse. Er erkennt eine dramatische Wendung der Anlegerstimmung in nur 24 Stunden. Diese sei durch die Situation im Nahen Osten gekippt. Nach Ansicht von Li könne das ein Vorgeschmack auf das neue Jahr sein, mit zahlreichen kurzfristiger und heftiger Börsenbewegungen trotz etwas besserer Fumentaldaten.

In der kommenden Woche dürfte die weitere Entwicklung in der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran auf die Finanzmärkte ausstrahlen. Anhaltend starke Schwankungen der Preise und Kurse wären keine Überraschung. Je nach geopolitischer Lage werden jedoch die anstehenden Wirtschaftsdaten die Märkte mehr oder weniger stark beeinflussen.

Auf der Konjunkturseite dürfte laut den Experten der Commerzbank vor allem der US-Arbeitsmarktbericht und die Daten aus der deutschen Industrie auf Interesse stoßen. „Wir erwarten, dass die US-Wirtschaft weiterhin kräftig neue Jobs schafft und sich die deutsche Industrie stabilisiert hat“, heißt es. Die Daten aus Übersee kommen am Mittwoch, Dienstag und Freitag, die deutschen Zahlen zur Industrieproduktion am Donnerstag.

Es werden noch weitere Daten veröffentlicht. Am Dienstag steht die Inflationsrate für den Euroraum an. Die Analysten der Deka rechnen für den Dezember mit 1,3 Prozent, was immer noch deutlich unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent liegen würde. Angaben zum Wirtschaftsvertrauen in der Eurozone sind für den Mittwoch vorgesehen, am Tag darauf folgt die Arbeitslosenquote für die Region.