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Autozulieferer Benteler bekommt einen Chief Restructuring Officer

Mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro ist die Benteler-Gruppe ein Schwergewicht unter deutschen Autozulieferern. Der Familienkonzern kämpft mit operativem Gegenwind. Restrukturier Arno Haselhorst soll das nun ändern.

Der Sanierungsexperte Arno Haselhorst wird als Chief Restructuring Officer Vorstandsmitglied des Paderborner Autozulieferers Benteler. Das Unternehmen bestätigte entsprechende Informationen der WirtschaftsWoche. Haselhorst werde dazu beitragen, „die Restrukturierungsmaßnahmen zu intensivieren und weiter zu beschleunigen“, teilte Benteler-Chef Ralf Göttel mit. Ziel sei es, das Unternehmen gestärkt in die Zukunft zu führen.

Haselhorst, Gründer der Unternehmensberatung Haselhorst Associates in Starnberg und früherer Mitarbeiter bei Roland Berger, bringt viel Restrukturierungerfahrung mit. Zuletzt war er beim angeschlagenen Autozulieferer Ifa in Sachsen-Anhalt als Chefsanierer im Einsatz und verhandelte dort unter anderem mit Banken, Schuldscheingläubigern und den Autoherstellern ein Sanierungspaket.

Bei Benteler dürfte nun ähnliche Aufgaben auf Haselhorst zukommen, wenn auch in größerem Maßstab. Der in Familienbesitz befindliche Konzern mit fast 27.000 Mitarbeitern - davon rund ein Drittel in Deutschland - und einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro stellt neben Fahrwerks-Komponenten und Abgas-Systemen auch Stahlrohre her und ist schwer vom Einbruch der Autoproduktion infolge der Corona-Krise getroffen. Schon zuvor hatte das Unternehmen ein Umbauprogramm gestartet. So hatte sich die Gruppe mit der Expansion in die USA verhoben und landete 2018 gerade noch in der Gewinnzone.

2019 trennte sich Benteler vom Stahlrohrhandel. Ziel des Umbauprogramms ist es laut Benteler, „Kostenstrukturen zu verbessern, profitabel zu wachsen und die finanzielle Zukunft langfristig zu sichern“. Nun soll Sanierer Haselhorst dabei helfen, die Restrukturierungsmaßnahmen zügig umzusetzen und für Vertrauen bei den Finanzgläubigern zu sorgen.

Im Mai hatte die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet, die Investmentbank Rothschild arbeitet an „strategischen Optionen“ für Benteler, während die Juristen von Ashurst mit den 30 Gläubigerbanken über die zwei Milliarden Euro verhandeln, die sich das Unternehmen Insidern zufolge bei ihnen geliehen hat. Die führenden Institute, darunter Commerzbank, DZ Bank, LBBW, NordLB und Erste, haben demnach die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins mandatiert. „Wir stehen ganz am Anfang der Gespräche. Wir rechnen vor dem Herbst nicht mit einer Lösung“, sagte einer der Insider gegenüber „Reuters“. Bisher hätten die Banken immerhin darauf verzichtet, Kredite mit Abschlägen an Investoren zu verkaufen, die nur darauf lauern, sie in Eigenkapital umzuwandeln.

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