Deutsche Märkte schließen in 2 Stunden 12 Minuten
  • DAX

    13.437,72
    +102,04 (+0,77%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.537,11
    +9,32 (+0,26%)
     
  • Dow Jones 30

    29.910,37
    +37,87 (+0,13%)
     
  • Gold

    1.774,30
    -13,80 (-0,77%)
     
  • EUR/USD

    1,2002
    +0,0032 (+0,26%)
     
  • BTC-EUR

    16.000,72
    +670,80 (+4,38%)
     
  • CMC Crypto 200

    376,70
    +6,19 (+1,67%)
     
  • Öl (Brent)

    45,64
    +0,11 (+0,24%)
     
  • MDAX

    29.654,82
    +280,19 (+0,95%)
     
  • TecDAX

    3.186,91
    +58,39 (+1,87%)
     
  • SDAX

    13.930,49
    +95,14 (+0,69%)
     
  • Nikkei 225

    26.433,62
    -211,09 (-0,79%)
     
  • FTSE 100

    6.362,39
    -5,19 (-0,08%)
     
  • CAC 40

    5.595,77
    -2,41 (-0,04%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.205,85
    +350,85 (+2,96%)
     

Autobranche im Umbruch: „Wir bringen die E-Autos jetzt auf die Straße“

·Lesedauer: 5 Min.

VW, BMW und Daimler sehen ihre Zukunft als Elektroautobauer und Softwarekonzerne. Beim Handelsblatt Auto-Gipfel haben die CEOs ihre Pläne vorgestellt.

Es ist wahrscheinlich der größte Wandel in der Geschichte der Branche, den die Chefs der drei großen deutschen Autokonzerne derzeit bewältigen müssen. Das jahrzehntealte Credo, dass sich immer stärkere, schnellere und größere Autos besser verkaufen, gilt nicht mehr.

„Was sich dramatisch geändert hat: Nachhaltigkeit ist kein Kaufgrund, sondern fehlende Nachhaltigkeit ist ein Nicht-Kaufgrund“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse am Freitag beim Handelsblatt Auto-Gipfel, der in diesem Jahr virtuell stattfand. „Menschen werden beginnend in Europa und dann im Rest der Welt Autos nicht mehr kaufen, die aus einer nicht nachhaltigen Firmenkultur und nicht nachhaltigen Prozessen stammen.“

Das Thema Nachhaltigkeit, jahrelang eher ein begleitendes, werde bei BMW jetzt auf Top-Ebene gehoben. „Wir machen nicht eine Nachhaltigkeitsstrategie bei BMW, sondern wir machen BMW nachhaltig.“ In dieselbe Richtung will Daimler-Chef Ola Källenius den Stuttgarter Autobauer lenken. „Wir brauchen keine separate Nachhaltigkeitsstrategie, sondern eine nachhaltige Geschäftsstrategie.“

Und auch VW-Chef Herbert Diess ist vom neuen Trendthema in der Autoindustrie überzeugt. „Die Klimaziele sind unser Hauptfokus. Und wir bringen die dafür erforderlichen E-Fahrzeuge jetzt auf der Straße“, sagte Diess.

Die Chefs der größten deutschen Autobauer lassen keine Zweifel mehr daran, dass BMW, Daimler und Volkswagen ihre Zukunft als Elektroautobauer und Softwarekonzerne sehen. Die verschärften EU-Klimaschutzziele und innovative Konkurrenten wie Tesla oder Googles Roboterautotochter Waymo lassen ihnen auch keine andere Wahl mehr.

Podcast Handelsblatt Today: Klasse statt Masse – Hören Sie hier die Ausführungen von Daimler-Chef Källenius auf dem Handelsblatt-Autogipfel, warum er auf Luxus setzt.

Daimler-Chef Källenius glaubt, dass dieser Wandel nur gelingt, wenn sich der Autobauer wieder auf sein Kerngeschäft besinnt. Daimler werde nicht mehr in den Wettbewerb mit den Volumenherstellern treten. „Dafür fehlt uns auch im Grunde die entsprechende Kostenstruktur.“

Stattdessen werde sich der Autobauer auf seine alten Stärken fokussieren. Diese seien schon immer eine Kombination aus Ästhetik und Hightech gewesen. Oder anders gesagt: Daimler wird zum grünen Luxusautokonzern. „Was unsere Kunden erwarten, ist, dass das Auto genauso vernetzt und eingebettet ist, wie wir es daheim oder bei der Arbeit erleben“, sagte Källenius: „In diese Richtung wollen wir mehr und mehr inhouse machen.“

Konkret stellt Daimler in diesem Bereich schon seit einigen Jahren Hunderte von Software-Entwicklern ein. Das Ziel: Bis Ende 2024 will der Stuttgarter Autobauer ein eigenes Betriebssystem namens MB.OS für die Mercedes-Flotte programmieren. „Dieses System ist das Gehirn und zentrale Nervensystem des Autos“, erklärte Källenius. Die eigene Softwareplattform soll künftig die zentrale Instanz für Motor, Klima oder Infotainment sein.

Auf Basis der eigenen Softwareplattform hofft der Manager, künftig verstärkt wiederkehrende Umsätze und Gewinne erzielen zu können. Statt Kunden nur alle paar Jahre ein neues Auto zu verkaufen, will Daimler in den kommenden Jahren auch mit Software-Updates Geld verdienen, mit denen Mercedes-Fahrer nachträglich verbesserte Fahrassistenzsysteme oder Dienstleistungs-Abos erwerben können. Bis zu eine Milliarde Euro sollen derlei Dienste bis Mitte der Dekade zum jährlichen Betriebsgewinn beisteuern.

„Für uns ist Tesla ein wichtiger Benchmark“

Vorbild dabei ist Tesla. VW-Chef Herbert Diess sieht im Elektroautobauer aus den USA das größte fahrende neuronale Netz, das Woche für Woche das Autofahren besser lernt – und gibt sich selbstkritisch. Denn die deutschen Autobauer und Zulieferer hätten dem bislang kaum etwas entgegenzusetzen.

Als Bedrohung nimmt Diess Tesla aber nicht wahr. „Tesla kommt eher aus dem Softwarebereich und hat deswegen andere Ansätze und Lösungen“, sagt Diess. „Für uns ist Tesla ein wichtiger Benchmark. Ich finde es gut, dass es sie gibt und dass Tesla nach Deutschland kommt.“

Mit ambitionierten Plänen versucht VW daher, im Softwarebereich Tesla Paroli zu bieten. In ihrer Software-Einheit Car.Software.Org entwickeln die Wolfsburger, ähnlich wie Daimler, eine eigene Softwareplattform, auf deren Basis alle künftigen Betriebssysteme für Fahrzeuge des VW-Konzerns entwickelt werden.

„VW wird sich wandeln, von einer Sammlung wertvoller Marken hin zu einem Digitalunternehmen, das Mobilitätsdevices anbietet, die ständig in Kontakt mit dem Kunden bleiben“, sagt Diess.

Diess setzt Zulieferer unter Druck

Auch bei der Elektromobilität geht VW einen mutigen Weg. Zusammen mit dem schwedischen Batterieunternehmen Northvolt zieht Europas größter Autobauer derzeit eine eigene Batteriezellfertigung hoch. Ab 2024 sollen dann in Salzgitter die ersten eigenen Batteriezellen vom Band laufen.

Enttäuscht zeigte sich Diess dabei vom Zaudern der deutschen Autozulieferer. „Die Batteriezellfertigung wäre eigentlich ein Betätigungsfeld für die deutsche Zuliefererindustrie“, sagte Diess. Damit sendet er ein klares Signal an Bosch und Continental.

Die beiden größten deutschen Zulieferer haben sich gegen eine Batteriezellfertigung entschieden. „Die Batteriezellfertigung ist noch immer eine Chance für die Zulieferer. Wir stehen in der Zellfertigung am Anfang eines dramatischen Wachstums“, so Diess.

Aber damit sich die Elektromobilität am Ende auch durchsetzt, reiche es nicht, nur die Kaufprämien zu verlängern, wie es CSU-Ministerpräsident Markus Söder am ersten Tag des Auto-Gipfels vorgeschlagen hatte. Es müsse ebenso eine entsprechende Ladeinfrastruktur bereitgestellt werden, wenn die Zahl der elektrifizierten Fahrzeuge steigt.

Hier sehen die drei Autobosse großen Nachholbedarf. „Ich plädiere sehr dafür, den Blick von den Fahrzeugen zu der dafür notwendigen Infrastruktur zu lenken“, sagte BMW-Chef Zipse. Der Kunde könne nur von den Vorteilen der Elektrofahrzeuge überzeugt werden, wenn es auch genügend Lademöglichkeiten im Land gibt. Zudem müsse der Strom, mit dem diese Autos betankt werden, CO2-neutral erzeugt werden, so Diess.

Daher sei der in letzter Zeit stark kritisierte Plug-in-Hybrid durchaus eine sinnvolle Technologie. „Der Plug-in-Hybrid – richtig eingesetzt – ist eine gute Technologie, vor allem in einer Phase, in der der Strom noch nicht CO2-neutral ist“, erklärte Diess.