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Auswertung zum Neun-Euro-Ticket: Jeder Zehnte wäre ohne den Billigfahrschein ins Auto gestiegen

Einen solch günstigen Fahrschein wird es in Deutschland voraussichtlich nicht mehr geben. Das Neun-Euro-Ticket war eine einmalige Aktion der Bundesregierung. - Copyright: 1take1shot/Shutterstock
Einen solch günstigen Fahrschein wird es in Deutschland voraussichtlich nicht mehr geben. Das Neun-Euro-Ticket war eine einmalige Aktion der Bundesregierung. - Copyright: 1take1shot/Shutterstock

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) will erst harte Fakten, ehe er über eine Neuauflage des Neun-Euro-Tickets nachdenkt. Die lieferte ihm an diesem Montag der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der gemeinsam mit der Deutschen Bahn rund 78.000 ÖPNV-Nutzer befragt hat. Damit liegt eine erste Gesamtbilanz zur Nutzung des Neun-Euro-Tickets vor. Pro Woche wurden 6000 Menschen befragt.

Rund 52 Millionen Tickets seien demnach über den gesamten Zeitraum bundesweit verkauft worden, teilte der VDV mit, der über 600 Verkehrsunternehmen in Deutschland vertritt. „Hinzu kommen mehr als zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die das vergünstigte Ticket jeweils monatlich über den Aktionszeitraum automatisch erhalten haben“, hieß es. Jeder fünfte Käufer war demnach zuvor noch nie mit dem ÖPNV unterwegs gewesen. Jeder zehnte Nutzer des Tickets hat mindestens eine Fahrt mit dem ÖPNV gemacht, die er ohne das Ticket mit dem Auto zurückgelegt hätte.

Unterschiedliche Ergebnisse gibt es zudem beim Thema Verkehrsverlagerung. Der VDV-Umfrage zufolge haben rund zehn Prozent der Nutzerinnen und Nutzer des Neun-Euro-Tickets mindestens einmal ihr Auto zugunsten von Bus oder Bahn stehen lassen. 1,8 Millionen Tonnen CO2 seien auf diese Weise eingespart worden, rechnet der Verband weiter aus. Doch andere Studien kommen zu deutlich niedrigeren Werten. Das RWI-Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen etwa hat für den gleichen Zeitraum eine mindestens dreimal niedrigere CO₂-Ersparnis errechnet.

Die Erhebung zeigte auch, dass das Neun-Euro-Ticket vor allem in Ballungsgebieten genutzt wurde, also dort, wo der Nahverkehr besser ausgebaut ist. In ländlichen und strukturschwächeren Gebieten sei der Anteil der Neun-Euro-Ticket-Besitzer nur halb so hoch wie in städtischen Gebieten, teilte der VDV mit.

Diese Nachfolger favorisieren SPD, Grüne und FDP

Die Debatte um eine Nachfolge des Neun-Euro-Tickets geht unterdessen weiter. Dabei liegen SPD und Grüne auf einer Linie: Ein bundesweites Ticket für den Nahverkehr zum Preis von 49 Euro im Monat können sich die Regierungspartner vorstellen. Diese Idee hatten die Grünen Anfang August aufgebracht, sie findet sich auch in einem Beschlussentwurf der SPD-Bundestagsfraktion wieder.

FDP-Chef Christian Lindner erteilte dem Vorschlag allerdings eine harte Absage, denn auch das 49-Euro-Ticket sei nicht gegenfinanziert: „Die SPD entwickelt sich jetzt in der Debatte in die richtige Richtung. Das 9-Euro-Ticket fortzusetzen hätte 14 Milliarden Euro gekostet.“ Zudem lüde ein so günstiges Ticket möglicherweise auch dazu ein, im Sinne einer Flatrate mehr Fahrten zu unternehmen, als eigentlich ökologisch geboten wären. „Also: 49 Euro ist besser als 9 – aber es bleibt dabei: Im Bundeshaushalt sind keine Mittel eingeplant“, sagte Lindner.

Offen ist jedoch, ob es in manchen Regionen mit einem vergünstigten Ticket weitergehen soll. So gibt es etwa in Berlin die Überlegung, das Neun-Euro-Ticket bis zum Jahresende fortzuführen. Möglich, dass auch andere Bundesländer nachziehen.

Mit Material der DPA / cri