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Münchener Flughafen wächst langsamer – auch wegen der bayerischen Politik

Airport-Chef Kerkloh prognostiziert ein deutlich langsameres Wachstum für Deutschlands zweitgrößten Flughafen. Dafür macht er auch Bayerns Landesregierung verantwortlich.


Michael Kerkloh kann nicht ganz verheimlichen, dass es ihn wurmt: Der Ende des Jahres scheidende Chef des Flughafen München kann zwar glänzende Zahlen für das vergangene Jahr vorlegen, doch die Aussichten sind eher trübe. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Wachstumskurve bei uns in den kommenden Jahren kontinuierlich abflachen wird, weil die Spielräume für mögliche Verkehrszunahmen immer kleiner werden“, sagte Kerkloh am Vormittag bei der Jahrespressekonferenz des Airports in München.

Allzu gerne hätte Kerkloh seinem Nachfolger eine dritte Bahn am zweitgrößten deutschen Airport hinterlassen, wenn er Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Doch die Politik in Bayern spielt nicht mit. Die Koalition aus CSU und Freien Wählern verhängte im vergangenen Jahr ein Moratorium.

Demnach wird nicht vor 2023 über den Bau einer weiteren Bahn entschieden. Mehr noch: Bis dahin soll der Flughafen auch die Planungen dafür nicht weiter vorantreiben und darf keine Grundstücke erwerben, die notwendig wären. Bei Kerkloh, der es in seiner Karriere stets gut verstand, mit den zuweilen schwer nachzuvollziehenden politischen Entscheidungen umzugehen, stößt die Entscheidung auf Unverständnis.

Kurz vor seinem Abschied als Airport-Chef macht er daraus auch keinen Hehl: „Selbst wenn es nach Ablauf des Moratoriums zu einer schnellen Realisierungsentscheidung für die dritte Startbahn käme, wäre eine Inbetriebnahme nicht vor 2030 möglich. Die wenigen noch bestehenden Reserven an freien Zeitfenstern für zusätzliche Starts und Landungen dürften aber sehr viel früher aufgebraucht sein“, warnte er eindringlich.

Die dritte Bahn bleibe für den Flughafen München ein zentrales Zukunftsprojekt. Was Kerkloh umtreibt, sind Prognosen, dass der Luftverkehr in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen wird. Schon die Nachfrage im vergangenen Jahr hatte Experten überrascht – und die Branche überfordert, die mit ihren vielen Systempartnern wie der Bundespolizei für die Sicherheitskontrollen, der Flugsicherung, Flughäfen und Fluggesellschaften eine komplex strukturiert ist.


Verspätungen und Flugausfälle waren die Folge. Allein in München hat es laut Kerkloh im vergangenen Jahr 8800 annullierte Flüge gegeben. Denn auch in der bayerischen Metropole war das Wachstum ansehnlich: 46,3 Millionen Passagiere nutzten den Flughafen im vergangenen Jahr. Das ist ein Plus von knapp vier Prozent und ein neuer Rekordwert.

Der Wegfall der 2017 insolvent gegangenen Air Berlin sei vor allem durch Easyjet mehr als aufgefangen worden. Air Berlin war auch in München stark vertreten.

Auch die neue Hochgeschwindigkeitsstraße der Bahn von München nach Berlin habe dem Wachstum keinen Abbruch getan, betonte Kerkloh.

Flughafenmanagement setzt auf zwei Themen

Doch je mehr der Flughafen München zulegt, desto weniger kann er künftig am Wachstum partizipieren, fürchtet der Chef: „Mit jeder zusätzlichen Verbindung werden Zeitfenster geschlossen, die für andere Starts und Landungen dann nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Man werde also nicht mehr in der Lage sein, den steigenden Mobilitätsbedarf der Reisenden in vollem Umfang zu befriedigen.

Um den Airport dennoch weiter nach vorne zu bringen, setzt das Management auf zwei Themen: Zum einen soll die Qualität weiter verbessert werden, um für Airlines wie Passagiere trotz der überschaubaren Expansionsmöglichkeiten attraktiv zu bleiben. Dazu investiert der Flughafen etwa in die Modernisierung und Erweiterung des Terminal 1, das seit 27 Jahren in Betrieb ist.

So werden ein neuer Flugsteig errichtet und die Non-Schengen-Verkehre, also Verbindungen jenseits der EU, auf der einen und die Schengen-Verkehre auf der anderen Seite noch besser gebündelt. Das soll etwa die Effizienz bei den Sicherheitskontrollen deutlich erhöhen. 455 Millionen Euro hat der Flughafen hierfür veranschlagt.

Zum anderen konzentriert man sich auf Interkontinentalverbindungen und damit vor allem auf das Premium-Segment. „Viele Flughäfen wachsen in erster Linie über das Low-Cost-Geschäft. Das streben wir in München nicht an“, räumte Kerkloh ein. Vielmehr solle München als „Gateway“ im interkontinentalen Reiseverkehr weiter gefestigt werden.


Dazu passt die Ankündigung von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, zu den bereits fünf in München stationierten Super-Jumbos A380 zwei weitere zu stellen. Laut Kerkloh hat sich gezeigt, dass es kein Problem sei, die Riesen-Jets in München ausreichend zu füllen.

Wirtschaftlich kann es sich der Flughafen offensichtlich leisten, sich vom Billig-Boom abzukoppeln. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf über 1,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichte mit 535 Millionen Euro einen neuen Höchstwert.

Die Eigenkapitalquote bezifferte Kerkloh auf mehr als 41 Prozent. Lediglich das Jahresergebnis wird nach vorläufigen Berechnungen wohl um 150 Millionen Euro unter Vorjahreswert landen, was aber auf Bewertungseffekte zurückzuführen sein soll, also keine Rückschlüsse auf eine eventuelle Schwäche des operativen Geschäfts erlaube.

Daraus habe man vielmehr einen Mittelzufluss (operativer Cashflow) von 565 Millionen Euro erwirtschaftet. „Dem stehen Investitionen von rund 200 Millionen Euro gegenüber. Wir haben also ein beachtliches Polster“, erklärte der Flughafenchef.