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Ausblick für die US-Wirtschaft bleibt trotz Haushaltsdeal trübe

Washington (dapd). Amerikas schwer gebeutelter Immobilienmarkt kommt langsam wieder auf die Beine, die Privathaushalte bauen ihre gigantischen Schulden ab, und schließlich ist der Sturz der weltgrößten Volkswirtschaft über die Fiskalklippe zumindest vorerst abgewendet. Doch bedeutet all dies kaum, dass die US-Konjunktur 2013 nun durchstartet. Das hat auch damit zu tun, was der Kongress getan hat - nämlich die Sozialabgaben anzuheben. Und damit, was das Parlament nicht getan hat - nämlich künftigen politischen Scharmützeln über die Staatsfinanzen vorzubeugen.

Schmerzhafte Kürzungen wurden auf die lange Bank geschoben, zudem droht noch diesem Winter eine neue Konfrontation über die Anhebung der Schuldengrenze. Bis endlich Klarheit herrscht, dürften sich viele Unternehmen mit Einstellungen erst einmal zurückhalten. Immerhin: Ökonomen sind sich einig, dass das Wachstum in der zweiten Hälfte 2013 durchaus Fahrt aufnehmen könnte, falls die Unwägbarkeiten in den nächsten Monaten ausgeräumt werden.

"Es sieht schon besser aus als noch vor noch ein paar Tagen", meinte der Chefökonom des US-Verbandes der fertigenden Industrie, Chad Moutray, nachdem der Kongress in der Nacht zum Mittwoch den Kompromiss im Haushaltsstreit durchgewunken hatte. Allerdings: "Bislang wurden die Schuldenobergrenze, die Steuerreform oder die Ausgaben für die Sozialsysteme noch nicht angepackt."

Fünf Jahre nach Beginn der "Großen Rezession" in den USA dümpelt die Wirtschaft immer noch einigermaßen blutarm vor sich hin. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass dieses Jahr magere zwei Prozent Wachstum zu erwarten sind, wenn überhaupt. Voriges Jahr waren es noch 2,2 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 7,7 Prozent, und kaum jemand rechnet mit einer wirklichen Besserung in diesem Jahr.

Hoffnungssignale sind sichtbar

Doch gibt es hier und da durchaus Zeichen der Genesung. Die Firmen haben in der Krise knallhart Kosten reduziert und sensationelle 1,7 Billionen Dollar (1,3 Billionen Euro) an Bargeld angehäuft. Die Hausverkäufe ziehen an, wie auch der Bausektor. Und der Arbeitsmarkt scheint wieder zum Leben zu erwachen, langsam aber stetig.

Bernard Baumohl, der für das US-Wirtschaftsinstitut Economic Outlook Group die globale Konjunktur im Blick hat, sieht eine prinzipiell gesunde Wirtschaft, die von den politischen Kämpfen ums Geld stetig einen Dämpfer verpasst bekommt. "Wie Schade", schrieb Baumohl erst am Mittwoch in einer Analyse. "Firmen wollen in Kapital investieren und Leute einstellen. Die Haushalte stehen bereit, ihre seit fünf Jahren blockierte Nachfrage zu befriedigen." Nach Einschätzung des Ökonomen Ethan Harris vom Investmenthaus Bank of America Merrill Lynch könnte die US-Wirtschaft derzeit aufs Jahr hochgerechnet um drei Prozent wachsen, gäbe es nicht die stete Bedrohung durch plötzliche und tiefe Einschnitte bei den Ausgaben sowie Steuererhöhungen.

Das erwarten Ökonomen 2013 für Schlüsselbereiche der US-Wirtschaft:

- Jobs: Der US-Arbeitsmarkt wird sich angesichts vieler ungeklärter Fragen wie zur künftigen Schuldenobergrenze wohl nur langsam erholen. Ökonomen rechnen mit einem monatlichen Zuwachs von lediglich 150.000 bis 175.000 Jobs, also in etwa so viele wie in den vergangenen beiden Jahren. Das ist zu wenig, zum die Arbeitslosenquote schnell zu senken. Die US-Notenbank rechnet im besten Fall mit einer Quote von 7,4 Prozent bis Jahresende. Als "normal" für US-Verhältnisse gelten höchstens 6 Prozent.

- Verbraucherausgaben: Die US-Wirtschaft hängt zu 70 Prozent vom privaten Konsum ab, doch ist kaum zu erwarten, dass der Kompromiss im Haushaltsstreit die Amerikaner dazu verleitet, ihre Brieftaschen zu öffnen. Für 80 Prozent der Bevölkerung steigen nämlich die Sozialabgaben. Seit dem offiziellen Ende der Rezession im Juni 2009 haben die Einkommen kaum mit der Inflation Schritt gehalten, und die Lage auf dem Arbeitsmarkt dürfte Firmen kaum dazu bringen, Lohnerhöhungen zu beschließen. Immerhin haben die privaten Haushalte ihren Schuldenstand auf 113 Prozent ihres Nachsteuer-Einkommens abgeschmolzen - der niedrigste Stand seit Mitte 2003, rechneten Experten von Haver Analytics aus. Die Saat zu einem neuen Kaufrausch ist das noch lange nicht.

- Immobilienmarkt: Ökonomen sind sich einig - der Immobilienmarkt, wo das Drama der US-Finanzkrise ihren Anfang nahm, sieht besseren Zeiten entgegen. Inzwischen heißt es sogar, es gebe eine neue Knappheit an Häusern. Ende November seien gerade einmal 149.000 neue Häuser zum Verkauf auf dem Markt gewesen, so wenig wie seit 1963 nicht. "Wir müssen wieder anfangen zu bauen", sagt Patrick Newport vom US-Wirtschaftsinstitut IHS Global Insight dazu.

- Industrieproduktion: In den Fabriken scheint es nach einer Delle im Herbst wieder aufwärtszugehen. Auch wird erwartet, dass die Amerikaner in diesem Jahr wieder mehr Autos kaufen - mit einem Plus von sieben Prozent und einem Anstieg auf 15,3 Millionen Wagen wird gerechnet. 2009 waren es gerade einmal 10,4 Millionen Autos - der niedrigste Stand seit mehr als 30 Jahren.

(Christopher Rugaber und Paul Wiseman sind Korrespondenten der AP)

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