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Aufschwung nach dem Corona-Tief: So wollen die Airlines durchstarten

Koenen, Jens
·Lesedauer: 5 Min.

Die Aktien vieler Fluggesellschaften haben zuletzt kräftig zugelegt. Investoren und Airline-Manager sind für die kommenden Monate äußerst zuversichtlich.

Die Zuversicht ist zurück, zumindest ein wenig. Die Chefs einiger Airlines glauben, dass der Höhepunkt der aktuellen Krise erreicht ist. Die Situation in der durch die Corona-Pandemie fast komplett gelähmten Luftfahrtbranche werde im Jahr 2021 wieder deutlich besser aussehen, so die Hoffnung.

„Seit eine konkrete Aussicht auf einen wirksamen Impfstoff besteht, haben sich unsere Buchungen für den nächsten Sommer verdreifacht“, sagte zum Beispiel Lufthansa-Chef Carsten Spohr kürzlich dem Magazin „Wirtschaftswoche“. Er geht davon aus, dass der Konzern 2021 in Summe wieder rund 50 Prozent der Kapazität eines Normaljahres fliegen wird. Aktuell sind es nur rund 20 Prozent. Ab 2022 sollen dann die Ergebniszahlen auch wieder schwarz sein.

Spohr ist nicht der Einzige, der positiv nach vorn blickt. Ralf Teckentrup, der Chef der Ferienfluggesellschaft Condor, erwartet ebenfalls ein starkes Wachstum für 2021. Der Flugplan sehe fast wieder so aus wie vor Beginn der Pandemie, sagte der Manager vor Kurzem.

Die Nachfrage werde anziehen, weil Corona-Impfungen und kostengünstige Schnelltests das Vertrauen zurückbrächten. Rückmeldungen der Reiseveranstalter zeigten zudem, dass die Nachfrage nach Reisen, auch nach Pauschalreisen, groß sei.

Ein ähnliches Bild bietet sich jenseits von Europa – sogar in Australien, wo die Regierung mit besonders harten Maßnahmen und Beschränkungen auf das Virus reagiert hat. „Die Buchungszahlen zeigen, dass es wieder Nachfrage gibt“, sagte Alan Joyce, der Chef von Qantas, vor wenigen Wochen. Noch beschränkt sich die Nachfrage in Australien zwar auf das Inland. Aber im ersten Halbjahr 2021 soll Qantas schon wieder in die Gewinnzone kommen.

Investoren hören solche Nachrichten gerne – und fühlen sich bestätigt. Die Aktien vieler Fluggesellschaften haben in den zurückliegenden Monaten deutlich zugelegt.

Corona belastet Bilanzen noch für Jahre

Die Papiere von Lufthansa, Air France-KLM und IAG (British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus) konnten seit ihrem Tiefpunkt im Frühsommer gut 50 Prozent gewinnen. Die Aktie von Wizz Air notiert sogar fast wieder auf dem Vorkrisenniveau, die von Ryanair mittlerweile sogar darüber.

Doch trotz aller Euphorie: Die Pandemie hat in den Bilanzen der Fluggesellschaften tiefe Spuren hinterlassen, die noch auf Jahre hinweg sichtbar sein werden. Die weltweite Airline-Organisation IATA geht davon aus, dass die Airlines rund um den Globus im abgelaufenen Jahr einen addierten Verlust von 118 Milliarden Dollar (umgerechnet 97 Milliarden Euro) einfliegen werden.

In diesem Jahr werde der Verlust mit 39 Milliarden Dollar immer noch hoch sein. „Die Branche wird in der ersten Hälfte des Jahres 2021 weiter mit einer monatlichen Rate von sieben Milliarden Dollar Geld verbrennen“, heißt es in der Prognose der IATA. Die Schulden der Airlines seien während der Krise bisher um gut 51 Prozent auf addierte 651 Milliarden Dollar angewachsen.

Zwar hätten die Regierungen die Branche bisher mit Finanzhilfen in Höhe von 173 Milliarden Dollar unterstützt, schreiben die Experten der IATA. Angesichts der trüben Aussichten auch für die kommenden Monate reiche das aber nicht aus. Man brauche weitere Hilfen der Regierungen, vor allem solche, die den Schuldenberg nicht weiter anwachsen ließen – also etwa Grenzöffnungen und Lockerungen der Reisebeschränkungen.

Hinter solchen Aussagen verbirgt sich natürlich immer auch eine gehörige Portion Lobbyismus. Doch tatsächlich gibt es keinen Grund, angesichts einer steigenden Buchungsnachfrage in Euphorie zu verfallen. Die IATA geht davon aus, dass die europäischen Anbieter auch im gerade begonnenen Jahr noch einen Verlust von 11,9 Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 9,8 Milliarden Euro einfliegen werden.

Eine Lufthansa etwa, die 2021 vielleicht 50 Prozent der normalen Kapazität fliegt, arbeitet immer noch nahe an der Grenze zum Geldverbrennen. Nur wenn es Konzernchef Spohr und seinem Team gelingt, alle Sparmaßnahmen wie geplant umzusetzen, dürfte der Konzern in der Lage sein, mit diesem Programm beim Cashflow zumindest etwas oberhalb der Nulllinie zu landen.

Thomas Klühr, der Chef der Lufthansa-Tochter Swiss, hat die Situation kürzlich in einem Gespräch mit dem Schweizer Sender SRF so auf den Punkt gebracht: „Es gibt Chancen, aber man muss sich darauf vorbereiten, dass das länger dauert.“ Klühr musste nichts schönreden, er ist mit dem Jahreswechsel bei Swiss ausgeschieden.

Preiskampf erwartet

Hinzu kommt: Der Kampf um die Passagiere, die zurück in die Jets kehren, wird vor allem über die Preise ausgetragen werden. Das wiederum geht zulasten der Marge und erschwert das Tilgen der in der Pandemie aufgenommenen Schulden.

Vor allem Ryanair wird diesen Preiswettbewerb wie schon so oft in der Vergangenheit anheizen. Daran lässt Ryanair-Chef Michael O’Leary keinen Zweifel. Bei einem Branchengespräch der europäischen Flugsicherungs-Organisation Eurocontrol erklärte er vor einigen Tagen, dass die Ticketnachfrage nach der erfolgreichen Einführung eines Impfstoffs nur über günstige Preise wieder auf das Vorkrisenniveau gebracht werden könne.

O’Leary will deshalb das Angebot mit Billigpreisen in ganz Europa ausbauen. Dabei setzt er auch darauf, von den Flughäfen günstige Konditionen zu bekommen. Die Chancen dafür dürften gut sein, denn auch die Airports leiden massiv unter der Pandemie und sind froh über jede Airline, die ein paar Jets hinstellt und Verbindungen anbietet.

Unter dem Strich könnte es – wenn alles gut läuft – 2021 zwar eine Erholung im Luftverkehr geben. Vielleicht wird diese sogar stärker ausfallen, als viele derzeit prognostizieren. Doch der Preiskampf, der entbrennen wird, wird die positiven Effekte auf der Ergebnisseite vieler Airlines zumindest teilweise wieder ausgleichen.