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Unter Auflagen: Londoner Börse darf Refinitiv übernehmen

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Grünes Licht aus Brüssel: Die Kartellwächter haben einer Übernahme von Refinitiv zugestimmt. Nun fehlen nur noch wenige Schritte zum Vollzug.

Die LSE hat der EU-Kommission bestimmte Zusagen gemacht. Foto: dpa
Die LSE hat der EU-Kommission bestimmte Zusagen gemacht. Foto: dpa

Die Londoner Börse LSE hat von der EU grünes Licht für die 27 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Datendienstleisters Refinitiv erhalten. Die Genehmigung der Wettbewerbshüter ist allerdings an Bedingungen wie den bereits vereinbarten milliardenschweren Verkauf der Mailänder Börse geknüpft, wie die EU am Mittwoch mitteilte.

Mit der Übernahme baut die Londoner Börse das lukrative Datengeschäft aus und wird zu einem der wichtigsten Anbieter in diesem Bereich. Zugleich verringert sie ihre Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Aktienhandel weiter. Refinitiv ist eine Gemeinschaftsfirma des US-Finanzinvestors Blackstone und des Datenanbieters Thomson Reuters, zu dem die Nachrichtenagentur Reuters gehört.

Die Europäische Union hatte Bedenken gegen die Refinitiv-Übernahme, weil sie fürchtete, dass die LSE damit die gesamte Wertschöpfungskette von der Entstehung bis zur Verbreitung von Finanzdaten kontrolliert und die Preise für die wertvollen Zahlen verteuern könnte.

Zudem störte sie sich an Überschneidungen im Staatsanleihen-Handel: Die LSE-Tochter Borsa Italiana betreibt neben der Mailänder Börse auch die Handelsplattform MTS, die zusammen mit der Refinitiv-Sparte Tradeweb Marktführer beim Handel von europäischen Staatsanleihen ist.

Um die Bedenken auszuräumen, verkauft die LSE die Borsa Italiana für 4,3 Milliarden Euro an die Mehrländerbörse Euronext, wie Anfang Oktober vereinbart wurde. Die Euronext hatte sich im Buhlen um die LSE-Tochter gegen die Deutsche Börse und die Schweizer Börse SIX durchgesetzt.

Zudem verpflichtete sich die LSE, Wettbewerbern unter anderem Zugang zu den Daten der Londoner Börse und den Finanzindizes von FTSE für das Vereinigte Königreich zu gewähren. Zudem versprach sie einen diskriminierungsfreien Zugang zu den weltweiten Clearingdiensten von LCH Swapclear für außerbörslich gehandelte Zinsderivate.

Erlaubnis sorgt für Kritik

In trockenen Tüchern ist die Refinitiv-Übernahme aber noch nicht ganz. Es fehlten noch wenige Genehmigungen durch Wettbewerbshüter und Finanzaufseher, erklärte die LSE. Die Transaktion solle in Kürze abgeschlossen werden.

Kritik an der Entscheidung kam vom binnenmarktpolitischen Sprecher der EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU gehören. „Es erstaunt, dass die EU-Kommission gerade dabei ist, mit der LSE und Refinitiv ein neues Finanz-Datenoligopol zu genehmigen“, hieß es in einer Mitteilung von Andreas Schwab (CDU).

Auch der handelspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, Sven Simon (CDU), schloss sich der Kritik an. Gemeinsam warnten sie mit Blick auf den Brexit vor einer neuen „Datenkrake“, die es europäischen Unternehmen schwierig mache, wettbewerbsrelevante Daten zu bekommen.