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AT & T verkauft Sendergruppe an tschechischen Multimilliardär

·Lesedauer: 3 Min.

Investor Petr Kellner übernimmt den TV-Konzern CME für 2,1 Milliarden Dollar. Der ehemalige CEO Christoph Mainusch geht – nach umfassender Sanierung.

Der amerikanische Telekomkonzern AT & T hat die Prager Sendergruppe Central European Media Enterprises (CME) für 2,1 Milliarden Dollar verkauft. Neuer Eigentümer ist der tschechische Multimilliardär Petr Kellner, Besitzer des ebenfalls in Prag ansässigen Mischkonzerns PPF. Die EU-Kommission hat der Übernahme durch Kellner ohne Auflagen zugestimmt.

CME ist mit 30 Fernsehkanälen die größte Sendergruppe in Osteuropa. Zum hochprofitablen Konzern gehören Sender in Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Rumänien und Bulgarien. Der Umsatz der Sendergruppe lag im vergangenen Jahr bei 695 Millionen Dollar. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) betrug 248 Millionen Euro. 2014 verbuchte CME noch ein negatives Ebitda von 41 Millionen Dollar. In dieser Woche wurde die Sendergruppe von der Börse genommen.

Der bisherige CEO Christoph Mainusch hat den Chefsessel nach sieben Jahren verlassen, in denen er die Fernsehgruppe saniert hat. Mainusch steht dem Konzern noch bis November als Berater zur Verfügung.

Die Übernahme der Sendergruppe durch Kellner erfolgt in einer schwierigen Zeit. Tschechien ist wie andere osteuropäische Länder von der Pandemie wirtschaftlich schwer getroffen. Anders als in Westeuropa sind die Umsätze im Werbemarkt in Osteuropa aber nicht stark eingebrochen. Während der Pandemie sei sogar mehr TV konsumiert worden.

In seinen TV-Märkten genießt der Konzern eine starke Stellung. Der durchschnittliche Werbemarktanteil von CME in den fünf osteuropäischen Ländern liegt nach Unternehmensangaben bei 60 Prozent.

Die gestiegene Reichweite während der Pandemie lässt sich – trotz der schwierigen Wirtschaftslage in den osteuropäischen Ländern – etwa an der Gewinnmarge ablesen. Nach Unternehmensgaben lag die Ebitda-Marge von CME im ersten Halbjahr bei 33 Prozent. Das ist nur ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahreszeitraum.

Der Umsatz sank insgesamt um zwölf Prozent. Den Rückgang konnte CME durch Einsparungen in Höhe von 30 Millionen Dollar ausgleichen. Die Sendergruppe musste keinen der 2000 Mitarbeiter entlassen.

Nicht immer geliebt, aber respektiert

Die Sender von CME genießen in Osteuropa einen guten Ruf, etwa wegen ihrer professionellen Nachrichtensendungen nach westeuropäischem Vorbild. Bei den Nachrichten sind die CME-Sender nach Unternehmensangaben sogar der Marktführer. Dafür werden die Kanäle zwischen Bratislava und Sofia nicht immer geliebt, aber respektiert.

Künftig wird der osteuropäische Fernsehkonzern vom französischen Manager Didier Stoessel geführt. „Meine Priorität ist es, die digitale Transformation des Unternehmens zu beschleunigen, unsere Fähigkeiten zur Erstellung von Inhalten zu steigern und das Erbe von CME fortzusetzen, indem wir unabhängige und objektive Nachrichten sowie qualitativ hochwertige Unterhaltung für unsere Zuschauer anbieten“, verspricht Stoessel.

Der Finanzexperte, der bei HSBC und Merrill Lynch gearbeitet hatte, ist für Tschechien, die Slowakei, Slowenien und Rumänien zuständig. Der Tscheche Lubos Jetmar führt ab sofort das TV-Geschäft in Bulgarien.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Investor Petr Kellner die Übernahme von CME angekündigt. „Wir wollen auf diesen Erfolgen und auf der Position aufbauen, die diese Netzwerke in ihren jeweiligen Märkten als unabhängige Sender einnehmen. Wir freuen uns darauf, neue Geschäftsmöglichkeiten zwischen Medienbetrieben und Telekommunikationsdiensten zu schaffen“, sagte Kellner nach der Übernahme.

Seine Gruppe besitzt nach eigenen Angaben Vermögenswerte im Wert von knapp 49 Milliarden Euro und beschäftigt 135.000 Mitarbeiter. Der medienscheue 56-Jährige besaß laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin „Forbes“ im vergangenen Jahr ein Vermögen von knapp 15 Milliarden Dollar.

Der US-Telekomriese AT & T war durch die Übernahme des Medienkonzerns Time Warner Eigentümer der osteuropäische Sendergruppe geworden und wollte sich aus strategischen Gründen von diesem Medienengagement trennen. CME wurde 1991 vom amerikanischen Milliardär Ronald Lauder gegründet.