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Ein Astronaut, eine Transgender-Politikerin und eine QAnon-Anhängerin: Wer in den Kongress einzieht

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Neben dem Amt des Präsidenten stehen auch Sitze im Senat sowie das Repräsentantenhaus zur Wahl. Das sind die interessantesten Persönlichkeiten und Wahlkämpfe.

Ein schnelles Ergebnis bei der Präsidentschaftswahl in den USA scheint es nicht zu geben. Das Rennen zwischen dem republikanischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden ist weiter offen.

Neben dem Amt des Präsidenten stehen jedoch auch ein Drittel der Sitze im Senat sowie das gesamte Repräsentantenhaus zur Wahl. Senat und Repräsentantenhaus stellen gemeinsam den amerikanischen Kongress – mit dieser Wahl bereits zum 117. Mal. Die Demokraten müssten wenn Trump US-Präsident bleibt für eine sichere Mehrheit im Senat zu ihren zwölf zur Wahl stehenden Sitzen vier weitere hinzugewinnen. Gewinnt Biden, genügen drei weitere.

Interessante Personen und Wahlkämpfe in der Übersicht:

Die Hoffnungen der Demokraten auf eine Mehrheit im Senat haben in der Nacht aber einen Dämpfer erlitten. So konnte sich der Demokrat Jamie Harrison in South Carolina nicht gegen den bisherigen Vorsitzenden des Justizausschusses Lindsey Graham durchsetzen. Dabei soll Harrison eine Spendensumme von mehr als 100 Millionen US-Dollar eingesammelt haben. Zum Vergleich: Graham sammelte nur etwa 57 Millionen US-Dollar ein.

Im Vorfeld der Wahl flehte der Republikaner deshalb mehrmals die Zuschauer beim Sender „Fox News“ an, ihm mehr Geld zu überweisen. Als das Ergebnis seiner Wiederwahl in den Senat feststand, ließ er sich einen Seitenhieb an die Spendengeber nicht nehmen: „An all die Liberalen in Kalifornien und New York: Ihr habt eine Menge Geld verschwendet“, sagte Graham bei einer Rede in Columbia.

Auch Demokrat Doug Jones hatte in Alabama das Nachsehen. Jones musste sich dem früheren Football-Trainer Tommy Tuberville geschlagen geben. Dabei gewann Jones 2017 als erster Demokrat seit 1992 eine Senatswahl in dem Bundesstaat, der traditionell rot wählt.

Jones hatte Anfang des Jahres im Amtsenthebungsverfahren für eine Verurteilung Donald Trumps gestimmt. Das Ergebnis der Wahl zeigt: Nicht umsonst wurde Jones oftmals als „der am meisten gefährdete Demokrat im Senat“ bezeichnet.

In Arizona konnte Mark Kelly hingegen einen Sitz im Senat für die Demokraten gewinnen. Er setzte sich gegen die Republikanerin Martha McSally durch. Der ehemalige Astronaut und Kapitän der U.S. Navy war bereits viermal im All.

Im Senat ist er nicht der erste Astronaut: bereits zwei Apollo-Crewmitglieder und ein Raumschiff-Kommandant kandidierten zuvor erfolgreich für den Senat. Kelly setzt nun seine Reise im US-Senat fort und sorgt für eine weitere Überraschung: Erstmals seit den 1950er Jahren sind nun beide Senatoren in Arizona Demokraten.

Bereits entschieden ist die Senatswahl auch im Bundesstaat Delaware. Dort wurde mit der Demokratin Sarah McBride zum ersten Mal eine offen lebende Transgender-Politikerin in den Senat eines Bundesstaates gewählt. Die 30 Jahre alte McBride hat sich für Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender- und queeren Menschen (LGBTQ+) eingesetzt.

Im Weißen Haus hatte sie unter Ex-Präsident Barack Obama ein Praktikum absolviert. McBride gewann in einem stark demokratischen Bezirk, der vom nördlichen Wilmington zur Grenze nach Pennsylvania reicht.

Noch offen sind die Wahlen in Georgia und Maine sowie North Carolina. In Georgia tritt der Republianer David Perdue gegen Jon Ossoff an. Perdue, der von Trump mal als „Lieblingssenator“ bezeichnet wurde, will in dem südöstlich gelegenen Bundesstaat seinen Senatssitz verteidigen.

Bei einer TV-Wahldebatte kritisierte Ossoff den Republikaner, dass er die Coronakrise nicht ernst nehme, gleichzeitig aber Aktien von Gesundheitsunternehmen kaufe. Er bezeichnete Perdue als einen „crook“ - auf deutsch „Gauner“. Perdue sagte daraufhin eine weitere geplante TV-Debatte mit seinem demokratischen Herausforderer kurzerhand ab.

Offiziell wollte er keine Zeit vergeuden, um sich die Lügen von Ossoff anzuhören und begleitete lieber Trump bei einem Wahlkampfauftritt. Medienberichten zufolge war der Grund aber ein anderer: Er schnitt im TV-Duell wohl einfach schlecht ab. Wer sich am Ende durchsetzen wird, ist noch offen.

Auch in North Carolina ist die Wahl noch nicht entscheiden. Dort liefert sich der Republikaner Thom Tillis und der Demokrat Cal Cunningham sich das mit Abstand teuerste Rennen um einen Platz im Senat. Beide Kampagnen investierten rund 140 Millionen Dollar.

Gewöhnlich wird in North Carolina rot gewählt – in 11 der letzten 13 Präsidentschaftswahlen haben die Republikaner North Carolina gewonnen. Obama gewann den Staat 2008, verlor ihn aber 2012 direkt wieder. Ähnlich sieht es im Senat aus: Aktuell hält Tillis gemeinsam mit Richard Burr beide Senatssitze des Staates in republikanischer Hand.

In Maine muss Susan Collins den bislang härtesten Wahlkampf ihrer Karriere bestreiten. Seit 1997 sitzt die Republikanerin für Maine im Senat. Nun muss sie mal wieder eine Niederlage fürchten. Sie tritt gegen die Demokratin Sara Gideon an. Es ist der bislang teuerste politische Wahlkampf in der Geschichte von Maine. Gideons Spendenbudget beträgt mehr als 70 Millionen US-Dollar, Collins' mehr als 27 Millionen.

Auch im Repräsentantenhaus sind schon Entscheidungen gefallen. Hier liegen die Demokraten anders als bei den Senatswahlen auf Kurs, ihre Mehrheit zu behalten. Sie hielten bisher 232 der 435 Sitze in der Kongress-Kammer, die am Dienstag komplett zur Abstimmung stand.

Brisant ist vor allem der Erfolg der Republikanerin Marjorie Taylor Greene, die mit rassistischen Äußerungen und ihrer Fürsprache für die Verschwörungstheorie „QAnon“ aufgefallen ist. „QAnon“-Anhänger verbreiten abstruse und unbelegte Thesen, wonach Präsident Donald Trump heimlich gegen eine ihm feindlich gesinnte Elite in den Untiefen des Staatsapparats und gegen einen Kindesmissbrauchsring satanischer Pädophiler und Kannibalen ankämpfe. Green vertritt künftig in Washington einen konservativen Wahlkreis im Nordwesten von Georgia.

In New Jersey ist die Wahl noch unentschieden. Aktuell liegt der Republikaner Jeff Van Drew vor der Demokratin Amy Kennedy. Van Drew wurde 2018 als Demokrat in das Repräsentantenhaus gewählt. Ende Dezember 2019 verkündete er dann in einem Meeting mit Trump, dass er die Partei wechsle. Bei seinem Wechsel sagte er: „Ich denke es passt einfach besser zu mir.“ Zudem war er einer von zwei Demokraten, die im Dezember 2019 gegen die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Trump stimmten.

Bestätigen sich die aktuellen Prognosen und Kennedy verliert, wäre es das erste Mal seit rund 60 Jahren, dass niemand aus der Kennedy Familie im Kongress wäre. Joseph Kennedy III, Enkel von Robert F. Kennedy ist aktuell noch im Kongress. Er verlor jedoch zu Anfang des Jahres die Wiederwahl und beendet deswegen seine Amtszeit am 3. Januar 2021.

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