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Asien feiert die Wall Street, Japan die Rettung der Olympischen Spiele

Die Märkte bleiben in der Coronakrise volatil. Gerüchte um einen möglichen Rückzug von Softbank von der Börse haben die Aktien des Technikinvestors belastet.

Der historische Kurssprung an der Wall Street ließ auch die Anleger im asiatisch-pazifischen Raum nicht kalt. Nachdem der Dow-Jones-Index am Dienstag um elf Prozent in die Höhe geschnellt war, legten am Mittwochmorgen auch die Aktien in von Australien bis Singapur zeitweise um mehr als drei Prozent zu.

Besonders groß war der Kurssprung in Japan, dank der Verschiebung der olympischen Spiele auf kommendes Jahr. Der Nikkei-225-Index stieg schloss bei 19.547 Punkte rund acht Prozent im Plus. Toshihiro Nagahama, Chefvolkswirt am Dai-Ichi Life Research Institute, hatte eine Erklärung dafür parat: „Dass die Tokioter Spiele nicht ersatzlos gestrichen wurden, hat Japans Unternehmen vor dem Schlimmsten gerettet.“

Besonders die Aktienkurse von Unternehmen, die stark von dem internationalen Sportfest profitieren würden, schossen in die Höhe. Denn sie müssen ihre Investitionen nun noch nicht gänzlich in den Wind schreiben.

Japans größte Werbeagentur Dentsu, die das Marketing der Organisatoren kontrolliert, legte nach hohen Kursgewinnen in dieser Woche noch einmal um etwa zwölf Prozent zu. Damit wuchs der Unternehmenswert in drei Tagen um 28 Prozent, liegt aber immer noch rund ein Drittel unter dem Niveau von Anfang des Jahres.

Zu den Gewinnern gehörten auch Japans große Immobilienentwickler. Der Aktienkurs von Mitsubishi Real Estate, der das Gebiet zwischen dem Tokioter Hauptbahnhof und dem Kaiserpalast kontrolliert, schoss zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent in die Höhe. Damit liegt der Aktienpreis 27,5 Prozent höher als zu Beginn der Woche.

Zeit zur Gewinnmitnahme oder einen Zwischenspurt?

Wie lange der Spurt anhält, ist allerdings offen. Der Chef des japanischen Investmentfonds New Horizon Capital, Yasushi Ando, rät nach dem Zwischenspurt, rasch die Gewinne einzusacken: „Dies ist eine gute Gelegenheit, erneut Aktien zu verkaufen.“ Japans Unternehmen hoffen allerdings, dass dies nicht passiert und der Aktienmarkt dieses Niveau noch bis zum Buchschluss für das japanische Bilanzjahr Ende März halten kann.

Der Grund: Damit würden sie wenigstens hohe Buchverluste auf ihren Aktienbesitz vermeiden. Das und der relativ schwache Yen-Kurs wären zwei kleine Lichtblicke in der Coronakrise, die auch Japans Wirtschaft schwer zusetzt. Die Autohersteller schließen inzwischen auch in Japan Werke, weil die Nachfrage im Ausland eingebrochen ist.

Doch auch der Rest der Wirtschaft leidet, meinen die Anlageexperten des japanischen Vermögensverwalters Nikko Asset Management. „Ein starker Rückgang der Unternehmensgewinne im ersten Quartal dürfte sich nicht vermeiden lassen und auch die Gewinnprognosen für das nächste Geschäftsjahr werden wahrscheinlich äußerst konservativ ausfallen.“

Kurzfristig erwarten sie, dass die Volatilität auf dem Markt anhält und die Kurse wieder fallen könnten, wenn in den USA die Zahl der Coronavirusfälle sich weiter ausbreiten. Allerdings gehen die Anlageexperten davon aus, dass sich der Ausverkauf der Märkte ab April bis Mitte Mai verlangsamen wird und danach die Kurse wieder steigen dauerhaft steigen könnten.

Softbank macht die Rally nur verhalten mit

Der Technikinvestor Softbank blieb nach dem Kurssprung der vergangenen zwei Tage allerdings mit Kursgewinnen zwischen drei und vier Prozent deutlich hinter dem Markt zurück. Vorausgegangen war ein Bericht der „Financial Times“, demzufolge Softbank-Gründer Masayoshi Son mit dem Aktionärsaktivisten Elliott Management und dem Staatsfonds Mubadala von Abu Dhabi Pläne diskutiert hat, die Aktien der Softbank-Gruppe aufzukaufen und das Unternehmen von der Börse zu nehmen.

Letztlich hat Softbank diese Idee begraben und hat am Montag mit einem riesigen Notprogramm einen Kurssprung ausgelöst. Son versprach, Aktienpakete im Wert von 38 Milliarden Euro zu verkaufen und damit eigene Aktien zurückzukaufen und einzuziehen sowie Schulden zu tilgen.

Medienberichten zufolge will er sich sogar von einem Teil seiner Anteile an der chinesischen Onlinehandelsplattform Alibaba trennen. Mit einem Wert von mehr als 140 Milliarden Dollar machte das Paket Ende Dezember 2019 rund die Hälfte von Softbanks Investitionen aus.

Die Nachricht von Sons Gedankenspielen, Softbank zu privatisieren, rief allerdings ein geteiltes Echo hervor. Investor Ando meinte, dass ein Delisting eine gute Idee sei. Immerhin sind viele Aktienfonds privat. Aber andere Anleger stutzten. Dies würde man nur tun, wenn man weiter fallende Kurse erwartet, merkte ein Japaner in einem Diskussionsforum an. „Ich habe ein Krisengefühl.“

Asiatische Märkte legen weiter zu

Auch die asiatischen Märkte legten weiter zu, wenn auch nicht so drastisch wie der amerikanische Dow Jones. Der australische Index „All Ordinaries“ stieg um 5,3 Prozent auf 5006 Punkte, der singapurische Straits-Times-Index um sechs Prozent auf 2505 Punkte, der Hongkonger Hangseng-Index um 3,8 Prozent auf 23.527 Punkte und Koreas Kospi-Index um 5,9 Prozent auf 1705 Punkte. Auch Chinas Shanghai Composite Index ging mit 2.782 Punkten immerhin noch mit 2,2 Prozent Gewinn aus dem Handel.

Aber James McCorming, der Chef der Desk-Strategy bei NatWest Markets, einem britischen Risikomanager, sieht darin noch keine Wende. „Die Stimmung hat sich verbessert, aber das Wort Wendepunkt ist derzeit noch zu stark“, sagte er zum Finanzinformationsdienst Bloomberg. „Es gleicht mehr einem Tauziehen.“ Die Politik hätte ihre Geschütze in Stellung gebracht, aber man kämpfe weiterhin mit sehr schwachen Wirtschaftsdaten und besorgniserregenden Infektionszahlen.