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Aserbaidschan meldet 21 zivile Todesopfer durch armenischen Luftangriff

·Lesedauer: 3 Min.
Zwei Männer neben einem zerstörten Laden in Barda

Aserbaidschan meldet 21 zivile Todesopfer durch armenischen Luftangriff

Zwei Männer neben einem zerstörten Laden in Barda

Die aserbaidschanischen Behörden haben einen armenischen Luftangriff auf den Landkreis Barda gemeldet, bei dem 21 Zivilisten getötet worden sein sollen. Mindestens 70 weitere Menschen seien bei dem Angriff nahe der Frontlinie zur umkämpften Region Berg-Karabach verletzt worden, teilte der Generalstaatsanwalt in Baku am Mittwoch mit. Die armenische Regierung wies die Angaben zurück und bestritt einen Angriff.

Laut dem aserbaidschanischen Präsidentensprecher Hikmet Hadschijew nutzten die armenischen Streitkräfte russische Smertsch-Raketen für den Angriff. Hadschijew warf Armenien zudem den Einsatz von international geächteter Streumunition vor. Das Ziel seien "besonders viele" zivile Opfer gewesen.

Laut dem Generalstaatsanwalt schlugen die Raketen in einer dicht besiedelten Gegend sowie einem Einkaufsviertel ein. Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew kündigte an, den Angriff durch "Vergeltung auf dem Schlachtfeld" zu "rächen".

Eine Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums nannte die Anschuldigungen "haltlos und falsch". Armenische Truppen hätten keinen Angriff auf Barda ausgeführt. Die Regierung in Eriwan warf wiederum aserbaidschanischen Streitkräften vor, die Stadt Schuscha in Berg-Karabach bombardiert zu haben. Dabei sei ein Zivilist getötet worden. Darüber hinaus habe es einen Raketenangriff auf eine Geburtsklinik der Hauptstadt Berg-Karabachs, Stepanakert, gegeben. 

Am Dienstag hatten die aserbaidschanischen Behörden bereits vier zivile Todesopfer durch einen armenischen Raketenangriff im Landkreis Barda gemeldet. Eines der Todesopfer war demnach ein Kleinkind; ein fünftes Opfer erlag den Angaben zufolge am Mittwoch seinen Verletzungen. Die Regierung in Eriwan bestritt auch, hinter diesem Angriff zu stecken.

Aserbaidschan forderte unterdessen den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auf, Notmaßnahmen gegen Armenien anzuordnen. Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, ging in Straßburg ein entsprechendes Gesuch auf Basis von Artikel 39 seiner Verfahrensordnung ein. Der Artikel sieht vor, bei "unmittelbarer Gefahr eines nicht wiedergutzumachenden Schadens" Maßnahmen zu verhängen.

Baku forderte das Gericht den Angaben zufolge auf, Armenien aufzufordern, den Abschuss von Granaten und Raketen auf "Wohngebiete, öffentliche Plätze, Friedhöfe und andere Elemente der zivilen Infrastruktur" einzustellen.

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die umstrittene Kaukasus-Region Berg-Karabach war Ende September wieder voll entbrannt. Seit Beginn der Kämpfe wurden nach offiziellen Angaben beider Konfliktparteien mehr als tausend Menschen getötet, darunter mehr als hundert Zivilisten. Tatsächlich dürfte die Zahl der Toten noch deutlich höher liegen. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vergangene Woche von fast 5000 Toten durch die Gefechte gesprochen.

Versuche der internationalen Gemeinschaft, eine dauerhafte Waffenruhe zu erreichen, scheiterten bislang. Eine von Russland, Frankreich und den USA vermittelte Feuerpause scheiterte bereits kurz nach ihrem Inkrafttreten am Montag.

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik Berg-Karabach wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt.

Beobachter fürchten, dass sich der Konflikt zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der Türkei im Kaukasus ausweiten könnte. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt das Nachbarland Aserbaidschan. Russland unterhält gute Beziehungen zu beiden Seiten, gilt aber als die militärische Schutzmacht Armeniens.

sip/mid