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Politischer Aschermittwoch: Söders vegetarisches Fettnäpfchen

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.
Markus Söder beim virtuellen Aschermittwoch, CDU-Kollege Armin Laschet mit passender Brezel-Deko. (Bild: Federico Gambarini-Pool/Getty Images)
Markus Söder beim virtuellen Aschermittwoch, CDU-Kollege Armin Laschet mit passender Brezel-Deko. (Bild: Federico Gambarini-Pool/Getty Images)

Markus Söder wollte sich bei seiner traditionellen Aschermittwochs-Rede kanzlerhaft präsentieren. Doch dann riss er das Image schon in der Einleitung direkt wieder ein und verärgerte nebenbei alle Vegetarier und Veganer.

Der politische Aschermittwoch ist normalerweise ein Highlight im Jahr der Union. Endlich mal nicht um den heißen Brei herum reden, endlich mal Tacheles und dem politischen Gegner (und manchmal sogar den eigenen Parteigenossen) eine freundschaftliche Gemeinheit widmen. Dass man sich dabei trotzdem gehörig ins Fettnäpfchen setzen kann, muss Markus Söder nun erleben. In einer denkwürdigen - weil Corona-bedingt vollständig virtuellen - Aschermittwochsrede lederte der gar nicht mal mehr so heimliche Kanzlerschaftsanwärter der CSU kräftig los. Und machte sich über die anderen Parteien lustig, die sich ihrerseits an der bayerischen Tradition versuchten. Auch wenn Lindner, Baerbock oder Ramelow mit plakativen Bierhumpen einen eher seltsamen Anblick boten, ging Söder dann aber mit seinem Seitenhieb zu Beginn seiner Rede, der parallel in den sozialen Netzwerken gepostet wurde, in der Meinung Vieler zu weit. Denn er verglich die Aschermittwoch-Kopien mit vegetarischem Fleisch-Ersatz: "Theoretisch möglich , aber sinn- und geschmacklos."

Dafür erhielt Söder direkt mal eine "Watschn" und eine Lektion im kanzlerhaften Auftreten. Denn zahlreichen Usern stieß der Vergleich übel auf. So verscherzt man es sich leicht mit denjenigen Wählern, die Söder sein Bemühen um eine zukunftsfähigere Klimapolitik in den letzten Jahren abgekauft hatten. Dabei hatte der bayerische Ministerpräsident in seiner Rede noch behauptet: "Bayern ist ein grünes Land - ohne Grüne im Amt." Doch beim Thema Vegetarismus begab er sich offensichtlich auf ein Minenfeld.

Vegetarisches Kommentar-Gewitter

Dementsprechend heftig fielen die Kommentare aus. "Wer Witze über eine ernsthafte Alternative zu Klimawandel, Massentierhaltung und Welthunger macht, der ist wohl der eigentlich Geschmack- und Sinnlose in der Runde", schrieb eine Userin auf Facebook unter seinen Post. Während manche direkt einen Rücktritt forderten, waren sich viele zumindest darin einig, dass der Spruch eher unzeitgemäß wirkte: "Mit altväterlichen Mario-Barth-Witzen aus dem Jahr 2000 ziehen Sie im Jahr 2021 aber keine Tofuwurst vom Teller", urteilte ein weiterer Kommentator auf Söders Facebook-Seite. Auch bei Twitter war das Urteil nahezu einhellig.

Von Merkel lernen

Manche wunderten sich auch darüber, wie man mit nur einem Spruch eine ganze Wählergruppe verprellen könne und fragten sich, ob Politiker sich bei ihren Social-Media-Aktivitäten eigentlich beraten ließen. Das war zumindest ein kleiner Dämpfer für Söder, der den Auftritt ansonsten für eine Art humoristische Rede an die Nation nutzte. Vielleicht ein weiterer Fingerzeig auf seine mögliche Kandidatur? Denn er teilte vorsorglich schon mal gegen die Konkurrenz aus.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz habe "eher die Begabung, Blutdruck zu senken als ihn steigen zu lassen", befand Söder. Und kritisierte CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet, der verzweifelt versucht, an Profil zu gewinnen. Wer mit "Merkel-Stimmen" gewinnen wolle, der müsse wissen, dass das nur mit "Merkel-Politik" gehe, so Söder. Das hätte er sich vor seinem Post besser selbst auf die Agenda geschrieben, denn die Kanzlerin ist bekannt als meist geschickte Fettnäpfchen-Umtänzerin. Wie Söder den Fauxpas ausbügelt und ob man ihn beim nächsten geöffneten Bierzelt dann mit einer Mea-Culpa-Tofu-Wurst entdecken wird, bleibt offen.

Video: Söder wirft EU am Aschermittwoch Geiz bei Impfstoff-Bestellung vor