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Armin Laschet soll CDU/CSU-Kanzlerkandidat werden: Lange unterschätzt, jetzt bald Merkels Nachfolger?

Tobias Heimbach
·Lesedauer: 4 Min.
Armin Laschet steht für einen Kurs der Mitte.
Armin Laschet steht für einen Kurs der Mitte.

Armin Laschet (CDU) hat in diesem Jahr schon eine Wahl gewonnen: die, zum CDU-Vorsitzenden im Januar gegen den Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) und den Außenpolitiker Norbert Röttgen (CDU). Nun kommt noch eine weitere hinzu: Bei der Wahl zum Unions-Kanzlerkandidaten hat er das Rennen gegen seinen bayerischen Ministerpräsidenten-Kollegen Markus Söder (CSU) gewonnen. Dass Laschet sich das Kanzleramt zutraut, daraus macht er kein Geheimnis. Er sagt, wer das bevölkerungsreichste Bundesland regieren kann, kann auch die Bundesregierung führen.

In der Corona-Krise jedoch wird Laschet hingegen als zögerlich wahrgenommen. Zuletzt kündigte er vor Ostern an, über das weitere Vorgehen in der Pandemie nachzudenken. Als er am Ostermontag dann die Idee eines "Brücken-Lockdowns" vorstellte, der die Zeit überbrücken sollte bis das Impfen in großer Breite wirke, gab es viel Spott im Netz. Unter dem Hashtag #LaschetDenktNach, witzelte die Twitter-Community über die Einfallslosigkeit des Unionsvorsitzenden, statt neuer Maßnahmen, führe er lediglich eine altbekannte Strategie mit neuem Wort ein.

Zudem schnitt Söder in Umfragen bislang deutlich besser ab als Laschet. Eine aktuelle Umfrage des „Handelsblatts" ergibt, dass sich nur zwölf Prozent der Bundesbürger für Laschet als Kanzlerkandidaten der Union aussprechen, 46 Prozent der Befragten stimmten hingegen für Söder. Doch zeitgleich steht mit Laschet auch jemand an der Spitze der Partei und nun als Kanzlerkandidat bereit, den viele lange unterschätzt haben. Wer ist Armin Laschet?

Laschet ist 1961 geboren, hat drei Brüder und stammt aus einer katholischen Familie in Aachen. Er war Messdiener und lange in seiner Kirchengemeinde aktiv. Laschets Vater arbeitete als Bergmann, später als Schuldirektor. Auch in seiner Bewerbungsrede baute Armin Laschet seinen Vater ein. Er berichtete über dessen Zeit als Bergmann und verwies auf eine alte Marke mit Bergmannnsnummer von ihm, die zur Kontrolle der Anwesenheit unter der Erde diente und die ihm sein Vater als Glücksbringer mitgegeben hatte.

Nach dem Abitur studierte Laschet Jura und arbeitete als Journalist, unter anderem beim Bayerischen Rundfunk. Seine Frau Susanne ist Buchhändlerin. Das Paar heiratete 1985 und hat drei gemeinsame Kinder, die bereits erwachsen sind. Der bekannteste von ihnen ist wohl Johannes "Joe" Laschet, ein Instagram-Influencer für Herrenmode. Weil Joe Laschet einem seiner Werbepartner aus der Textilbranche einen Kontakt zu seinem Vater vermittelte, als es um die Herstellung von Corona-Schutzausrüstung ging, hagelte es den Vorwurf der Vetternwirtschaft. Bis heute streitet Laschet ab, dass es einen Deal gegeben hätte. Armin Laschet ist Fan von Krimis und historischen Büchern, außerdem Anhänger des Fußballclubs Alemannia Aachen.

Frühe Kontaktaufnahme mit den Grünen

In die CDU trat Laschet 1979 ein. Er arbeitete in den 1990er-Jahren als Berater für die Bundestagsvizepräsidentin Rita Süßmuth und machte schnell politisch Karriere: In seiner Heimatstadt Aachen war er 1989 erstmals Ratsherr, 1994 zog er in den Bundestag ein. Nach nur einer Legislaturperiode wurde er dann ins Europaparlament gewählt. 2005 wurde er in NRW Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration.

Aus dieser Zeit stammt sein Spitzname "Türken-Armin", den ihm parteiinterne Kritiker wegen seiner liberalen Positionen beim Thema Einwanderung verpassten. Nicht zum ersten Mal, dass er sich Kritik von Konservativen holte.

Schon als junger Abgeordneter im Bundestag war Laschet Mitgründer der sogenannten "Pizza Connection", eines Gesprächskreises zwischen Abgeordneten der Union und der Grünen – zur damaligen Zeit trennten beide Parteien noch tiefe ideologische Gräben. Seinen Namen erhielt der Gesprächskreis wegen des Treffpunkts: Die Abgeordneten trafen sich im italienischen Restaurant "Sassella" in Bonn.

Laschet muss nun die Konservativen überzeugen

Auch wegen seiner eher gemütlichen rheinischen Art wurde Laschet immer wieder unterschätzt. Anders als seine unterlegenen Konkurrenten hat er aber bereits eine wichtige Wahl gewonnen. 2017 besiegte er bei der NRW-Landtagswahl die Amtsinhaberin Hannelore Kraft (SPD) und wurde Ministerpräsident in einer Koalition aus CDU und FDP. Die Vorzeichen waren damals durchaus nicht gut: Die Wahl fand während des Umfragehochs der SPD unter Hoffnungsträger Martin Schulz statt. Laschets Wahlsieg half, den Schulz-Zug zu stoppen. Vorsitzender der NRW-CDU ist Laschet seit 2012, auch dank dieses starken Netzwerkes im Landesverband konnte er sich in der Vorsitzendenwahl durchsetzen.

Wo steht Laschet politisch? Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt, selbst Mitglied der CDU, sagte im Gespräch mit Business Insider: "Laschet steht eher für die liberale und soziale Seite der CDU, eher für eine Fortsetzung des Merkel-Kurses." Bei den Konservativen steht Laschet daher nicht so hoch im Kurs. Diesem Lager muss Laschet nun die Hand reichen und es einbinden. Er hat bereits gezeigt, dass er die Unterstützung einiger Konservativer hat, schließlich ist er mit Gesundheitsminister Jens Spahn gemeinsam als Team angetreten. Selbst Laschets Konkurrent um den Parteivorsitz, Friedrich Merz (CDU), sprach sich vor der Wahl zum Kanzlerkandidat für Laschet aus.

Andere prominente Unterstützer hat Laschet außerdem im Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), 78 Jahre, gefunden und in Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), 69 Jahre, die der CSU nur im Notfall das Kanzleramt überlassen würden. Auch die Chefs großer CDU-Landesverbände stehen hinter Laschet. Seine Unterstützer sind Daniel Günther (Schleswig-Holstein), Bernd Althusmann (Niedersachsen) und Thomas Strobl (Baden-Württemberg).