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Arive im Test: Was kann der neue Lieferdienst für Gutverdiener?

·Lesedauer: 6 Min.
Das Gorillas für Technikfans und Gutverdiener: Das Liefer-Startup Arive setzt auf ein hochpreisiges Sortiment.
Das Gorillas für Technikfans und Gutverdiener: Das Liefer-Startup Arive setzt auf ein hochpreisiges Sortiment.

Es ist einer der ganz großen Konsumtrends, den die Corona-Pandemie hervorgebracht hat: Lebensmittel per App bestellen und in wenigen Minuten geliefert bekommen. Vor allem in Großstädten wie Berlin nutzen mittlerweile Hunderttausende Menschen das Angebot von Startups wie Gorillas oder Flink. Anfangs wegen der monatelangen Lockdowns noch aus Not, inzwischen aus Gewohnheit. Das Geschäft zieht Investoren an: Zusammengerechnet haben Gorillas und Flink bereits über zwei Milliarden Euro an Risikokapital eingesammelt. Beide Anbieter sind somit in Rekordzeit zu Unicorns aufgestiegen – Startups mit Milliardenwert.

Das ruft zunehmend auch weitere Gründer auf den Plan. Sie greifen auf das bewährte Geschäftsmodell bestehender Anbieter zurück, setzen aber auf ein Sortiment in der Nische. Beispiel Arive: Das Münchner Startup wirbt nicht etwa mit Gemüse und Pasta aus dem Supermarkt, sondern mit hochpreisiger Haushaltsware. Im Sortiment finden sich Kosmetikprodukte (Handseifen von Aesop für 30 Euro), Schmuck (Perlenohrringe für 90 Euro), Parfum, Duftkerzen und allerhand Technik. Ein nagelneues Macbook Pro von Apple bietet Arive beispielsweise für knapp 1500 Euro an. Ebenfalls im Angebot: Kopfhörer, Smartwatches und Kameras.

Diese Gründer stehen hinter Arive:
Arive wurde im Februar 2021 von den Studienfreunden Linus Fries (23) und Maximilian Reeker (22) gegründet. Fries hat Business Schools in den USA und London besucht. Reeker wiederum ist BWLer und hat über Praktika bereits Erfahrungen in der Startup- und VC-Branche gesammelt. Beide stammen aus Düsseldorf. Mit ihrem Liefer-Startup Arive sind die Gründer derzeit in Berlin, München, Frankfurt und Hamburg aktiv.

Die Lieferung stellt Arive auf seiner Website in nur 30 Minuten in Aussicht. Aber stimmt das auch? Das möchte ich herausfinden und mache den Test.

Gelungene App, keine Liefergebühren

Das passt mir ohnehin ganz gut, denn ich liebäugle schon länger mit einem Airtag. Das ist ein GPS-Chip von Apple, der an Gegenständen befestigt werden kann. Im Verlustfall lässt sich dann zum Beispiel der Haustürschlüssel per Smartphone einfach wiederfinden. Natürlich könnte ich mir das Gadget auch in einem der Berliner Apple-Stores vor Ort kaufen. Pandemie-bedingt bilden sich dort aber derzeit lange Schlangen. Außerdem bietet Arive allen Neukunden einen Rabatt von zehn Euro auf die erste Bestellung an. Den Airtag bekomme ich so nicht nur schnell(er) geliefert, sondern spare auch noch Geld. Also los: Arive-App herunterladen und bestellen.

Hier waren offensichtlich Profis am Werk: Der Designer, der die Arive-App mitentwickelt hat, soll zuvor auch die App von Gorillas verantwortet haben.
Hier waren offensichtlich Profis am Werk: Der Designer, der die Arive-App mitentwickelt hat, soll zuvor auch die App von Gorillas verantwortet haben.

Das Interface wirkt auf Anhieb einladend. Viel Weißraum, große Schriften und dezente Icons betonen den luxuriösen Anspruch, den Arive mit seinem Service offenbar bedienen möchte. Leider gibt es die App bislang nur in englischer Sprache, eine deutsche Übersetzung fehlt. Dafür fällt das Sortiment deutlich größer aus als erwartet. Nach Angaben des Startups sind es mehr als 1000 Artikel. Wer hier ohne klare Kaufabsicht stöbert, dürfte allerdings schnell den Überblick verlieren. Zum Glück weiß ich ja schon, wonach ich suche: Über den prominent in der App platzierten Button "Tech" gelange ich schnell zu den Technikprodukten. Vorbei an Ladekabeln und Handyhüllen scrolle ich in wenigen Sekunden zu den Airtags. Mit 35 Euro ist das Gerät zwar genauso bepreist wie bei Apple. Aber ich habe ja noch den den Neukundenrabatt, so werden es am Ende nur 25 Euro sein.

Der Bestellablauf ist zügig. Da ich mich zuvor über meinen Apple-Account in der Arive-App registriert habe, sind meine Kreditkarte und die Lieferadresse bereits automatisch hinterlegt. Alternativ können sich Kunden auch mit ihrem Facebook- und Google-Konto oder der eigenen Telefonnummer anmelden. Ein Minuspunkt: Eine Zahlung per Paypal ist nicht möglich. Ein Pluspunkt: Einen Mindestbestellwert gibt es bei Arive nicht. Auch auf eine Liefergebühr wird derzeit noch verzichtet. Das ist im Vergleich zu Lebensmittel-Lieferdiensten wie Gorillas aber nicht allzu überraschend. Denn durch das hochpreisige Sortiment dürfte Arive im Schnitt deutlich höhere Warenkörbe erzielen. Das erleichtert die Gratislieferung.

Arive verpasst Lieferziel deutlich

Dafür gibt sich das Startup bei der Lieferzeit vergleichsweise zurückhaltend: In weniger als 30 Minuten soll ich den Apple-Airtag an meiner Wohnungstür im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg in Empfang nehmen können, heißt es auf der Website von Arive. Das ist immer noch irrwitzig schnell, keine Frage. Aber Gorillas hat mir meinen Wochenendeinkauf schon mal in unter sechs Minuten geliefert. So ändern sich die Erwartungen.

Hält Arive sein Lieferversprechen wenigstens ein? Zunächst bin ich zuversichtlich. Nachdem ich auf „Place order“ geklickt habe, zeigt die App die nächsten Schritte an: Die Bestellung wird sofort mit einem Häkchen als „erhalten“ markiert, verpackt ist der Artikel laut Übersicht ebenfalls wenige Minuten später. Auf einer Karte kann ich zudem sehen, dass sich das Arive-Lager knapp zwei Kilometer von meiner Wohnung entfernt befindet. Nun muss meine Bestellung nur noch von einem Kurier abgeholt werden, dann könnte es mit den 30 Minuten klappen. Doch abgeholt wird erstmal nichts: Die App zeigt lediglich „Waiting for pick up" an – Minute um Minute verstreicht. Am Ende erhalte ich erst nach 30 Minuten überhaupt die Nachricht, dass eine Fahrerin mit dem Apple-Gadget unterwegs ist.

Die bestellte Ware überreicht Arive in einer hochwertigen Papiertüte – je nach Artikel auch im Mini-Format.
Die bestellte Ware überreicht Arive in einer hochwertigen Papiertüte – je nach Artikel auch im Mini-Format.

Anschließend dauert es noch einmal weitere 20 Minuten bis es an der Wohnungstür klingelt. Immerhin: Bei der Übergabe ist die Fahrerin ausgesprochen freundlich. Leicht aus der Puste vom Gang in den dritten Stock entschuldigt sie sich für die Verspätung und überreicht mir eine kleine, aber hochwertige hellblaue Papiertüte mit Kordelgriffen. Darin befindet sich wie bestellt der Airtag. Auf Nachfrage erzählt mir die Fahrerin, dass sie pro Tag derzeit zwischen zehn und 15 Bestellungen für Arive ausliefere. Leerlauf gebe es kaum. Der Verdienst liegt mit 13 Euro pro Stunde leicht über dem Niveau des künftigen Mindestlohns. Welche Artikel am häufigsten bei Arive bestellt werden? Das könne sie nicht sagen, versichert die Fahrerin. Sie schaue bei Abholung der Bestellungen nicht in die Tüte. Ich gebe der Fahrerin noch Trinkgeld (nicht über die App möglich) und verabschiede mich.

Fazit

Arive besetzt eine offene Nische im Geschäft der Schnell-Lieferdienste. Mit dem hochpreisigen Sortiment spricht das Startup hauptsächlich Technikfans und Gutverdiener an. Wer bereits mit Lieferdiensten wie Gorillas oder Flink vertraut ist, findet sich auch in der Arive-App schnell zurecht. Es ist jedoch von Vorteil, bereits vorher einen bestimmten Wunschartikel im Kopf zu haben. Andernfalls verbringt man wegen des großen Sortiments viel Zeit mit der Suche nach dem richtigen Produkt. Für Impulskäufe ist das Sortiment auch schlicht zu teuer. Dafür finden sich neben Apple viele weitere, bewährte Markenprodukte in der App – selbst Sexspielzeug lässt sich über Arive ordern.

Den Luxus-Anspruch kann Arive dabei bis zur Lieferung aufrechterhalten, denn bei den Papiertüten hat das Startup auf hochwertigere Materialien geachtet. Die dürften im Vergleich zu den einfachen Beuteln von Lieferando und Gorillas auf der Kostenseite höhere Summen beanspruchen. Nur bei der Lieferzeit hat Arive im ersten Versuch mit 50 Minuten enttäuscht. Ich werde aber auf jeden Fall noch mindestens ein weiteres Mal bestellen.

Investoren sind jedenfalls schon jetzt von der Idee des Unternehmens überzeugt. Im September konnte Arive eine Seed-Finanzierung in Höhe von sechs Millionen Euro einsammeln. Angeführt wurde die Runde von den Berliner VCs La Famiglia und 468 Capital sowie dem britischen Vorzeige-Investor Balderton Capital. Letzterer ist übrigens schon beim Londoner Schnell-Lieferdienst Jokr engagiert. Dessen Bewertung: 1,2 Milliarden US-Dollar.

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