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Argo ist VWs Milliardenwette: Dieser Mann soll den Wolfsburger Autobauer autonom machen

·Lesedauer: 4 Min.
Den Hype um die Technologie der selbstfahrenden Autos hat der Argo-Gründer nie mitgemacht. Foto: dpa
Den Hype um die Technologie der selbstfahrenden Autos hat der Argo-Gründer nie mitgemacht. Foto: dpa

Gegen die selbstfahrenden Autos, die Waymo und Tesla versprechen, fährt Volkswagen ein US-Start-up auf. Dessen Chef ist das Gegenteil von Elon Musk.

Brian Salesky ist einer der Pioniere in der Entwicklung autonomer Autos. Im legendären, von der US-Forschungsbehörde Darpa organisierten Wettrennen, der „Darpa Urban Challenge“, gehörte der Software-Ingenieur 2007 zu den Ersten, die Autos ohne Fahrer auf städtische Straßen schickten.

13 Jahre später sind selbstfahrende Autos noch längst kein Massenphänomen, der Hype ist spürbar abgeklungen. Elon Musk wird sein Versprechen, bis 2020 eine Million autonome Teslas auf die Straßen der Welt zu schicken, sicher nicht einhalten.

Den Hype um die Technologie hat Salesky nie mitgemacht. Sein Unternehmen Argo.AI zählt mit mehr als 1000 Mitarbeitern zwar zu den größten der Branche, aber macht eher selten Schlagzeilen: „Wir melden uns, wenn wir Fortschritte mitzuteilen haben“, sagt er in einem Interview auf der Mobilitätskonferenz des Tech-Mediums Techcrunch.

Das liegt nicht an fehlendem Selbstbewusstsein des 40-Jährigen. Im Markt für autonome Taxidienste, die Salesky als mögliches Geschäftsmodell sieht, würden nur ein oder zwei Unternehmen dauerhaft bestehen. Nämlich die, die Partnerschaften mit Autoherstellern schließen können. Kein Zweifel, dass Salesky sich als einen davon sieht. Mit Ford und dem Volkswagen-Konzern hat er zwei Großkunden und -investoren, die gemeinsam die Mehrheit an Argo halten.

Ein Novum in der Branche: Die meisten Konkurrenten halten eine gewisse Distanz zu Autobauern. Waymo, allgemein als Marktführer gesehen, hat zwar Partnerschaften mit Fiat Chrysler und Jaguar – als die Google-Tochter im Frühjahr insgesamt drei Milliarden Dollar einsammelte, war unter den Investoren jedoch kein einziger Autokonzern.

Ford und VW helfen bei Produktion und Kundenzugang

Salesky hält die enge Kooperation aber für notwendig. „Der Stuhl, den wir bauen, hat drei Beine“, sagt er: die Softwareplattform, die Produktion der Autos und den Zugang zum Kunden. Bei den beiden letzten Punkten helfen Ford und VW.

Der Argo-Chef kennt auch die andere Seite: Ab 2011 arbeitete er als Hardware-Chef bei Googles Projekt, das später in Waymo mündete, und entwickelte dessen Sensoren und Computer. Fünf Jahre später gründete er mit Peter Rander, der Ubers Autonomie-Team mitgegründet hatte, Argo.

An das Entwicklungs-Schneckentempo der Autobranche hat sich Salesky gewöhnt, auch wenn dieses so gar nicht zur Kultur der schnellen Software-Updates passt. „Ich arbeite seit 15 Jahren mit Autokonzernen zusammen und weiß, dass wir nicht viel diktieren können“, sagt er. Aber Argo könne einen gewissen Einfluss auf die Modellzyklen nehmen.

Warum das wichtig ist, erklärt Salesky an einem Beispiel: Für die Kameras eines selbstfahrenden Autos sei es gerade nachts wichtig, dass die Scheinwerfer eines Autos die richtigen Stellen ausleuchten – wenn die Kameras aber erst nachträglich auf ein Auto gebaut würden, tue sich auch die Software schwerer, die Bilder richtig zu deuten. „Am Ende ist es ein eng gekoppeltes System“, sagt Salesky.

Gründlichkeit vor Geschwindigkeit

Gründlichkeit geht für ihn deshalb vor Geschwindigkeit. Auch das unterscheidet Salesky von Musk, der sich für seine Visionen schon oft Zeitpläne gesetzt hat, die er nicht einhalten konnte – und dessen „Autopilot“ zwar seit Jahren auf dem Markt ist, in Deutschland nach einem Gerichtsurteil aber nicht mehr als solcher beworben werden darf.

Argo setzt darauf, dass das Rennen um Autonomie am Ende kein Rennen ist, sondern ein Prozess, in dem Partner, Regulierer und Kunden überzeugt werden müssen. Der Deal mit Volkswagen brauchte von der Ankündigung bis zum Abschluss im Juni fast ein Jahr. Dafür habe man nun „solide Verträge mit zwei Kunden, die festlegen, wann was geliefert werden soll, wie wir Geld verdienen und wie das dann aufgeteilt werden soll“, sagt Salesky.

Ein Teil der 2,6 Milliarden Dollar, die die Wolfsburger in das Start-up steckten, war Audis Entwicklungseinheit. Der VW-Konzern brachte sie in die Allianz ein. Seit dem Deal hat Argo deshalb einen Standort in München mit 200 Mitarbeitern, es ist der erste außerhalb der USA.

Auf deutschen Straßen sind Argos selbstfahrende Autos jedoch noch nicht unterwegs. Bislang testet das Unternehmen seine Technologie in sechs US-Städten. „Wir haben eine Shortlist, wo wir als Nächstes hingehen“, sagt Salesky. Mehr verrät er nicht. Er wird sich dann schon melden.