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ARD-Chef Tom Buhrow zur RBB-Affäre um Patricia Schlesinger: "Wir sind alle in der ARD enttäuscht und auch wütend"

Tom Buhrow, ARD Vorsitzender, während eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. - Copyright: picture alliance/dpa | Oliver Berg
Tom Buhrow, ARD Vorsitzender, während eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. - Copyright: picture alliance/dpa | Oliver Berg

Luxuriöser Dienstwagen, kräftige Gehaltserhöhung, Dinner in der Privatwohnung auf RBB-Kosten: Patricia Schlesinger ist wegen zahlreicher Filz-Vorwürfe von der Spitze des Rundfunks Berlin-Brandenburg und der ARD zurückgetreten. Die Vorwürfe gegen Schlesinger hatte Business Insider mit seinen Enthüllungen Ende Juni ins Rollen gebracht.

In der RBB-Affäre um Schlesinger will die ARD nun für die Sendergemeinschaft Lehren ziehen und bei der Aufsicht ansetzen. WDR-Intendant Tom Buhrow, der die Geschäfte an der ARD-Spitze übernommen hat, sagte im Interview der Deutschen Presse-Agentur: "Wir überprüfen, ob überall in der ARD die Geschäftsstellen der Aufsicht adäquat ausgestattet sind."

Dabei gab Buhrow im dpa-Gespräch auch Einblick in die aktuelle Stimmung, die in der ARD seit Beginn der RBB-Affäre herrscht: "Wir sind alle in der ARD inzwischen enttäuscht und auch wütend. Weil alle Sender unter Generalverdacht gekommen sind und auch Tausende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die jeden Tag gute Arbeit machen – inklusive der RBB-Mitarbeiter, die jetzt die journalistische Ehre des RBB hochhalten." Und weiter: "Die ganze ARD leidet darunter, dass in der Öffentlichkeit ein Bild entstanden ist, dass in der Chefetage unkontrolliert gehandelt wurde – wenn die Vorwürfe stimmen. Wir fordern eine lückenlose und transparente Aufklärung der Vorwürfe."

ARD-Chef Buhrow sieht es als seine Aufgabe, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu refomieren

Buhrow sagte zudem auf die Frage, wie groß der Ansehensverlust für die ARD und den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch die Schlesinger-Affäre ist: "Das ist noch nicht endgültig absehbar, aber ich rede da nicht drumherum: Diese Krise berührt auch die ARD – der RBB ist schließlich ein Mitglied der ARD." Der ARD-Chef ergänzte: "Deshalb ist es jetzt meine Aufgabe, dass wir in der ARD die Schlussfolgerungen analysieren und angehen."

Ein Weg der Aufarbeitung und Reform könnte laut ARD-Chef Buhrow auch in der Stärkung des Rundfunks durch Experten liegen: "Die Medienpolitik hat im – allerdings noch nicht gültigen – Staatsvertrag festgeschrieben, dass die Gremien auch externe Experten heranziehen können. Das begrüßen wir, und das wollen wir unterstützen." Zum Zeithorizont für das Programm sagte er: "Das werden wir jetzt anstoßen. Ob wir das noch in diesen viereinhalb Monaten vollenden können, weiß ich nicht, aber wir bringen es auf die Schiene."

Buhrow wird bis Jahresende ARD-Chef sein, er sprang für die zurückgetretene Schlesinger ein, deren Amtszeit noch bis Jahresende gedauert hätte. Dabei stand er selbst bereits in der Vergangenheit in der Kritik. 2015 hatte er im WDR angekündigt, Einsparungen vorantreiben zu wollen und sich dann einen neuen Dienstwagen, einen Audi A8 L, angeschafft. Das Fahrzeug kostete damals je nach Ausstattung laut Preisliste zwischen 88.700 und 143.000 Euro. Mit Zustimmung des Verwaltungsrats des Senders wurde der Leasingvertrag damals über eine jährliche Summe „im vierstelligen Bereich“ abgeschlossen. Dass Buhrow in Zeiten des Spardrucks im eigenen Haus ein solches Luxusauto gefahren habe, betrachtete die Pressestelle damals nicht als problematisches Zeichen an die Mitarbeiter und die Beitragszahler: „Das ist weder verwerflich, noch ist es ein negatives Signal an die WDR-Belegschaft", hieß es dazu.

Von den Vorwürfen gegen Schlesinger hätten die Senderchefs erst aus der Presse erfahren

Zum Hintergrund: Patricia Schlesinger ist seit Wochen zahlreichen Vorwürfen der Vetternwirtschaft ausgesetzt. Im Zentrum steht neben der 61-Jährigen, die als ARD- und RBB-Chefin in der Affäre zurückgetreten ist, auch der ebenfalls zurückgetretene Chefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf des Senders Rundfunk Berlin-Brandenburg. Zudem geht es um fragwürdige Aufträge für Schlesingers Ehemann bei der Messe Berlin, wo der Chefkontrolleur ebenfalls bis zu seinem dortigen Rücktritt Aufsichtsratschef war.

Es steht die Frage im Raum, ob Schlesinger mit Wolf einen zu laxen Umgang bei möglichen Interessenskonflikten gepflegt haben könnte. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt inzwischen gegen Schlesinger, ihren Ehemann und Ex-Spiegel-Journalisten Gerhard Spörl und Wolf wegen des Anfangsverdachts der Untreue und Vorteilsannahme. Bei dem ganzen Fall geht es zum Beispiel auch um Details wie einen teuren Dienstwagen, Essen mit Gästen in der Privatwohnung Schlesingers auf RBB-Kosten, eine kräftige Gehaltserhöhung auf 303 000 Euro plus bislang noch nicht benannte Boni.

Von den Vorwürfen gegen Schlesinger, hätten die Senderchefs aus der Presse erfahren und dann natürlich die Unschuldsvermutung gelten lassen. "Und weil es keine ARD-Themen waren, die Patricia Schlesinger vorgeworfen wurden, haben wir auch in den ersten Wochen das Gefühl gehabt, es wäre jetzt voreilig, einer Person, die sagt "Das stimmt alles nicht, ich streite das rundherum ab, und wir haben jetzt eine unabhängige Untersuchung", zu sagen: "Ist uns egal, das Vertrauen ist erschüttert." Das kam dann erst in den Wochen danach."

mit dpa/jel