Deutsche Märkte öffnen in 6 Stunden 48 Minuten

Arbeitsagenturen sehen leichte Stimmungsaufhellung am Arbeitsmarkt

Corona-Krise setzt Arbeitsmarkt unter Druck

Die Erwartungen der deutschen Arbeitsagenturen hellen sich langsam wieder auf: Das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stieg im Juni erneut an, bleibt aber weiterhin im negativen Bereich. Abgefedert werden die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt vor allem durch den Einsatz vor Kurzarbeit - betroffen davon sind vor allem Standorte mit starker Automobilwirtschaft und Tourismusregionen.

Der IAB-Frühindikator stieg im Juni um 0,8 Punkte auf 94,6. Dies sei zwar der zweite Anstieg in Folge nach dem coronabedingten Absturz, allerdings liege der Frühindikator immer noch bei einem niedrigen Wert. Damit seien kurzfristig weitere Verschlechterungen bei Arbeitslosigkeit und Beschäftigung zu erwarten, erklärte am Montag der Leiter des IAB-Forschungsbereichs Prognosen und wirtschaftliche Analysen, Enzo Weber. Das Tempo verlangsame sich jedoch.

"Angesichts der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte bleibt die Arbeitsmarktentwicklung noch vergleichsweise robust, auch durch Kurzarbeit", erklärte Weber. Die Herausforderung liege in einer nachhaltigen Trendwende. "Der Arbeitsmarkt muss aus der Krise gebracht werden, bevor schlechte Jobchancen für Arbeitslose und Berufseinsteiger zu bleibenden Nachteilen führen."

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer basiert auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen. Die Skala reicht von 90 Punkten für eine sehr schlechte Entwicklung bis zu 110 Punkten für eine sehr gute Entwicklung.

Kurzarbeit ist in der Corona-Krise weit verbreitet. Laut einer Studie, für die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung Arbeitsmarkt-Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) für die 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland auswertete, war im April im bundesweiten Durchschnitt für gut 31 Prozent der Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt.

Regional klaffen die Daten jedoch erheblich auseinander: So zeigten die Betriebe in Emden (56,0 Prozent) und Wolfsburg (52,2 Prozent) für die Mehrheit der Beschäftigten Kurzarbeit an. An diesen Standorten produziert unter anderem der Autobauer Volkswagen. In Ludwigshafen (11,6 Prozent) und Leverkusen (16,2 Prozent), wo die Chemiekonzerne BASF und Bayer ansässig sind, gab es hingegen deutlich niedrigere Quoten.

Besonders von Kurzarbeit betroffen sind auch Regionen, in denen der Tourismus eine besondere Bedeutung hat. So wurde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (41,4 Prozent), dem Oberallgäu (40,4 Prozent) und in Garmisch-Partenkirchen (35,1 Prozent) für einen erheblichen Anteil der Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt. An der Nord- und Ostseeküste trifft dies unter anderem auf Wittmund (35,6 Prozent), Ostholstein (34,7 Prozent) und Vorpommern-Rügen (35,5 Prozent) zu.