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Arbeitgeberpräsident fordert höheres Renteneintrittsalter

Specht, Frank
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Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger plädiert zum Auftakt des Superwahljahres für mehr Realismus in der Rentenpolitik. Eine steigende Lebenserwartung bedeute zwangsläufig längeres Arbeiten.

„Wenn unsere Lebenserwartung immer weiter steigt, muss unsere Lebensarbeitszeit zwangsläufig auch steigen.“ Foto: dpa
„Wenn unsere Lebenserwartung immer weiter steigt, muss unsere Lebensarbeitszeit zwangsläufig auch steigen.“ Foto: dpa

Ein höheres Renteneintrittsalter ist kein Thema, mit dem sich beim Wähler punkten lässt. Doch zum Auftakt dieses Superwahljahrs mit der Bundestags- und zahlreichen Landtagswahlen sollten „wir uns alle bei diesem Thema auch einmal ehrlich machen“, fordert der neue Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.

„Wenn unsere Lebenserwartung immer weiter steigt, muss unsere Lebensarbeitszeit zwangsläufig auch steigen“, sagte der Heidelberger Familienunternehmer der Deutschen Presse-Agentur. Der Druck auf die sozialen Sicherungssysteme werde zunehmen, wenn in den kommenden Jahren die Babyboomer-Generation in Rente gehe.

Wie zur Bestätigung gab das Statistische Bundesamt am Montag bekannt, dass das 14 Jahre währende Beschäftigungswachstum im vergangenen Jahr vorläufig endete und die Zahl der Erwerbstätigen erstmals seit 2006 gesunken ist – um 1,1 Prozent auf 44,8 Millionen.

Auch ohne Coronakrise wäre der Beschäftigungszuwachs vermutlich bald zum Ende gekommen, da das Erwerbspersonenpotenzial wegen des demografischen Wandels schwinde, schrieben die Statistiker.

BDA-Sozialstaatskommission hat Vorschläge gemacht

Auf die Problematik hatte im August vergangenen Jahres bereits die Sozialstaatskommission der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hingewiesen und empfohlen, die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung zu koppeln.

Steigt diese um ein Jahr, sollen Erwerbstätige ein Dreivierteljahr länger arbeiten und ein Vierteljahr länger ihre Rente genießen dürfen. Wer vor dem Regelalter in Rente geht, soll nach den Vorstellungen des Gremiums Abschläge von bis zu sechs Prozent hinnehmen müssen.

Der frühere Gesamtmetall-Präsident Dulger ist in Sorge, dass ohne einschneidende Reformen bei Rente und Gesundheit die Sozialabgaben nicht unter der Marke von 40 Prozent gehalten werden können – und dann wegen steigender Arbeitskosten Jobs in Gefahr sind. Er fordert deshalb – auch im Interview mit dem Handelsblatt –, das 40-Prozent-Ziel in der Verfassung zu verankern.

Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte er mit dieser Forderung bisher aber nicht durchdringen. Sie habe so viele Wünsche, was alles ins Grundgesetz solle, die könne sie nicht alle erfüllen, sagte die bei der BDA-Mitgliederversammlung virtuell zugeschaltete Regierungschefin nach Dulgers Wahl zum Arbeitgeberpräsidenten im November 2020.

Aber ihre Amtszeit läuft ja in diesem Superwahljahr aus.