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Arbeitgeber kritisieren bundesweite Warnstreiks in der Metallindustrie

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Logo der IG Metall in Frankfurt am Main

Mit Warnstreiks haben Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie am Dienstag bundesweit für mehr Lohn in den aktuellen Tarifverhandlungen demonstriert. Die Arbeitgeber kritisierten die Aktionen "in dieser extrem schwierigen Zeit". Die Gewerkschaft habe die Arbeitsniederlegungen schon lange beschlossen und geplant - das zeige, "dass die IG Metall keine schnelle Lösung in der Friedenspflicht wollte", sagte Gesamtmetallpräsident Stefan Wolf der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Wolf warf der Industriegewerkschaft vor, sie habe "das Gefühl, ihren Mitgliedern Warnstreiks bieten zu müssen". Weder die Unternehmen noch die Mehrheit der Beschäftigten hätten in dieser extrem schwierigen Zeit dafür Verständnis. "Jetzt ist Zeit für Lösungen und nicht für Warnstreiks", sagte der Gesamtmetallpräsident der Zeitung.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann dagegen kritisierte, trotz mittlerweile bis zu vier Verhandlungsrunden in den einzelnen Tarifgebieten gebe es "praktisch keine Bewegung auf Arbeitgeberseite". Die IG Metall habe klare Forderungen ausgesprochen, auf die die Arbeitgeber gar nicht oder mit inhaltsleeren Vorschlägen reagiert hätten, sagte Hofmann der "NOZ". "So können wir keine Tarifverhandlungen führen, und so werden wir auch keinen Weg aus der Krise finden."

Im RBB-Inforadio sagte Hofmann, die Industrie müsse ihre Beschäftigten an der momentanen Erholung von der Corona-Krise beteiligen. Es sei "nicht akzeptabel, dass es seit zwei Jahren keine Einkommenserhöhung gegeben hat, während die Unternehmen ihre Aktionäre mit Dividenden versorgen".

Die IG Metall fordert in den festgefahrenen Verhandlungen für insgesamt über 3,8 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie unter anderem eine Entgelterhöhung im Volumen von vier Prozent für ein Jahr, um Arbeitsplätze und Einkommen der Beschäftigten zu sichern. Das Geld könne bei florierenden Unternehmen ausbezahlt, bei kriselnden aber auch zur Arbeitszeitminderung genutzt werden. Außerdem sollen alle Ausgebildeten unbefristet übernommen und ein "tarifliches Ausgleichsgeld" in Ostdeutschland gezahlt werden.

Nach Angaben der Gewerkschaft wollen die Arbeitgeber aber in der Krise weiter sparen und Lohnerhöhungen frühestens im zweiten Halbjahr 2022 akzeptieren. Der Verweis der Arbeitgeber auf Pandemiebelastungen für einzelne Unternehmen sei zwar richtig, erklärte die IG Metall in Berlin. Zahlreiche Firmen erwirtschafteten aber auch in der Krise hohe Umsätze und Gewinne.

Um ihre Forderungen durchzusetzen, legten am Dienstag kurz nach dem Auslaufen der Friedenspflicht um Mitternacht vielerorts Beschäftigte vorübergehend die Arbeit nieder. Vor allem die Autoindustrie war betroffen: Bei Daimler und seinem Zulieferer Lear in Bremen beispielsweise folgten nach Gewerkschaftsangaben 2100 Beschäftigte dem Aufruf zu den nächtlichen Warnstreiks. Auch in Berlin wurde Daimler bestreikt.

Beim Autobauer Volkswagen, mit dem die IG Metall derzeit gesondert über Tarifthemen streitet, traten Beschäftigte im Stammwerk in Wolfsburg sowie an zahlreichen anderen Standorten – insbesondere in Niedersachsen – in den Ausstand. Beim Autozulieferer Bosch streikten Mitarbeiter in Stuttgart, Ulm, Lohr und Salzgitter; ebenso bei Continental im rheinland-pfälzischen Rheinböllen. Weitere Warnstreiks betrafen unter anderem die Unternehmen Airbus und Hydro Aluminium in Hamburg, MAN und Alstom im niedersächsischen Salzgitter sowie Thyssenkrupp im rheinland-pfälzischen Andernach.

Die IG Metall erwartete, dass auf Aufruf der Regionalverbände im Tagesverlauf weitere Unternehmen hinzukommen werden. Weitere Streiks sollen bundesweit in den kommenden Tagen folgen.

dwo/ilo